Welche Unternehmen kommen mit sinkenden Preisen zurecht?
Die Gewinner der Deflation

In Japan gibt es sie offiziell, in Deutschland sind wir nicht weit davon entfernt: Deflation. Sie ist auch für Anleger seit einiger Zeit wieder ein Thema.

DÜSSELDORF. In den USA zeigt die Kurve der Preissteigerungen wieder nach oben, aber dahinter verbirgt sich eine gespaltene Entwicklung. Die Preise für Computer und andere technische Geräte befinden sich seit Jahren auf Talfahrt. Die Autopreise sind stabil, obwohl die Modelle aufgewertet werden: Der Kunde bekommt immer mehr für denselben Preis, auch das ist eine versteckte Form der Deflation. Andere Preise steigen und halten daher den Durchschnitt noch im positiven Bereich. Vor allem der Ölpreis ist hier zu nennen - aber der könnte auch auf mittlere Sicht wieder sinken, wenn die Irakkrise vorbei ist.

Zu einer richtigen Deflation gehören auch sinkende Einkommen. Dank an die Gewerkschaften: Sie verhindern in Deutschland, besonders eindrucksvoll Verdi mit der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst, dass es eine deutliche Bewegung nach unten gibt; die Zeche zahlen freilich die Beschäftigten, deren Jobs wegfallen. Aber es gibt auch Einkommenseinbußen: Viele Unternehmen haben das Weihnachtsgeld gekürzt, Prämien oder Gewinnbeteiligungen werden gestrichen - eine versteckte Form von Deflation.

Welche Unternehmen sind die Gewinner der Deflation? Alle, die gut mit sinkenden Preisen klarkommen. Gute Voraussetzungen sind eine gesunde Bilanz, um mögliche Verluste durchstehen zu können, und die Fähigkeit, die Kosten den Preisen anzupassen. Günstige Produktionsstandorte spielen dabei eine Rolle, daneben auch - vor allem bei Handelsunternehmen - die Nachfragemacht gegenüber Lieferanten. Wichtig sind aber auch starke Marken, um sich dem Preissog entgegenstellen zu können.

Wenn Aldi an der Börse notiert wäre, würde wahrscheinlich alles stimmen: günstige Kostenbasis und eine Marke, die inzwischen sogar für Qualität steht. Es gibt auch Beispiele, die für Anleger zugänglich sind: Dell hat eine starke PC-Marke und durch sein einzigartiges System der Direktvermarktung Kostenvorteile gegenüber der Konkurrenz. Ein anderes Beispiel ist Samsung: Eine kostengünstige Produktion vom Chip bis zum Endprodukt und eine starke Marke treffen zusammen. In der Autoindustrie dürfte der Blick nach Japan gehen: Toyota ist ein Paradebeispiel dafür, wie günstige Preise und Qualität sich vereinbaren lassen. Im Handelsbereich dürfte auch Wal Mart in etwa in diese Riege passen.

Im Prinzip sollten zu den Gewinnern auch Unternehmen zählen, die so weit abgehoben im Luxussegment operieren, dass sie sich dem Preissog entziehen. Porsche könnte ein Beispiel sein. Allerdings leidet das Unternehmen unter dem schwachen Dollar, außerdem fragt sich, ob der neue Geländewagen eine ähnlich abgehobene Marktnische findet wie die Sportwagen.

Die Aufzählung zeigt: Einige der Gewinner-Kandidaten sind vom Markt längst entdeckt worden. Durch die momentane Börsenschwäche sind sie aber wieder zu recht günstigen Preisen zu haben.

So lange die Konjunktur von Kriegssorgen überschattet wird, dürfte die Nahezu-Deflation noch anhalten, im schlimmsten Fall rutschen wir in Deutschland oder in den USA im statistischen Durchschnitt der Preise sogar ins Minus, wenn der Ölpreis sinkt die Erholung trotzdem auf sich warten lässt. Daraus muss aber nicht eine Dauerdeflation wie in Japan folgen. Im Gegenteil: Nachdem die Europäer vom finanzpolitischen Stabilitätskurs abkommen und die Amerikaner ihn über Bord geworfen haben, dürfte irgendwann wieder Inflation auf der Tagesordnung stehen. Viele Deflationsgewinner werden auch damit klarkommen, aber sie verlieren ihren spezifischen Vorsprung.

Nebenbei gesagt: In einem deflationären Umfeld ist auch Bargeld zu Recht eine beliebte Anlage; der legendäre Sparstrumpf hat Aktien ja deutlich outperformt.

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