Welchen Mix Experten jetzt empfehlen
Depotmischung: Die besten Stücke aussuchen

Die Anleger werden wieder anspruchsvoller. Laut einer Umfrage des Finanzkonzerns UBS und der Gallup-Meinungsforscher erwarten die deutschen Investoren binnen Jahresfrist für ihr Wertpapierdepot eine Rendite von 10,3 Prozent, nachdem sie in den zurückliegenden zwölf Monaten ein Minus von durchschnittlich 0,6 Prozent hinnehmen mussten. Vor allem bezüglich der Aktienbörsen kommt wieder ein Hauch von Überschwang auf.

Dagegen treten die Profis in den Investmentbanken wieder auf die Bremse: Die Strategen von Credit Suisse First Boston (CSFB) haben jetzt den Anteil der Rentenpapiere in ihrem Musterdepot wieder angehoben. Aktien 60 Prozent, Bonds 35 Prozent und Kassenhaltung fünf Prozent lautet die aktuelle Verteilung. Die CSFB-Analysten geben sich wieder vorsichtiger, wobei sie auf die hohen Bewertungen der Börsen hinweisen; denn das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2002 betrage mittlerweile 23 für US-Unternehmen und 19 für kontinentaleuropäische Aktien. Und die Gewinnschätzungen für das nächste Jahr lägen jetzt 12,9 Prozent über dem langfristigen Durchschnitt. Der "Risiko-Appetit" habe den höchsten Stand seit September 2000 erreicht - für die CSFB ist da Gefahr im Verzug.

Für den Privatanleger empfiehlt es sich daher, auf jeden Fall eine zweigleisige Strategie für den Rest des Jahres zu fahren. Wer sich zu sehr auf die Erholung der Aktien verlässt, erhöht ohne Not die Schwankungsanfälligkeit seines Depots. Angebracht erscheint daher eine leichte Übergewichtung bei Aktien und ein deutliches Sicherheitspolster mit Renten. "Wir sind für Aktien positiv, aber noch nicht übertrieben optimistisch gestimmt", erklärt Tina Koch, Portfoliomanagerin bei der SEB AG. Zwar sollten die Dividendentitel über das Jahr gesehen um acht bis zehn Prozent zulegen können, auf jeden Fall sollte der Anleger aber mit den Rentenpapieren einen Stabilisator für das Depot einbauen, meint Koch.

Im Musterdepot wird ein Teil der Aktien über Zertifikate abgedeckt, was dem Gedanken der Einzeltitelauswahl eigentlich widerspricht. Depotmanagerin Koch gibt aber zu bedenken, dass die Analysten in vielen Bereichen noch nicht den aktuellen Stand der Dinge berücksichtigt hätten. "Im Energiesektor haben beispielsweise nur ganz wenige Analysten den höheren Rohölpreis schon in ihre Studien eingebaut", erläutert sie die Wahl des Energy-Zertifikats der Commerzbank.

Unter den Einzeltiteln hebt Portfoliomanagerin Koch die Finanzwerte ING ("überraschend gute Zahlen für 2001, stetige Dividendenpolitik, Kursziel 35 Euro") und Unicredito ("mit Kosten-Ertrag-Relation von 51 Prozent hoch profitabel") hervor. Im Technologiesektor sei Worldcom zwar im Zuge der Diskussion um die Bilanzierungsmethoden in den USA enorm abgestraft worden, sie halte den Titel aber weiter für solide, nicht zuletzt angesichts der Cash-Position von rund zehn Milliarden Dollar.

Carsten Roemheld, Fondsmanager für den Global Expert der Anlagegesellschaft Adig, hält nach einem selbst entwickelten Indikator derzeit eine Aufteilung von 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Renten für angemessen, theoretisch könnte das Aktienpaket bis zu 70 Prozent ausmachen. Zur Risikostreuung sei zwar der Rentenanteil sinnvoll, dennoch sollten Aktien in diesem Jahr mit einem Plus von zehn bis zwölf Prozent bis zum Jahresende die bessere Performance liefern. Bei tendenziell steigenden Leitzinsen und damit sinkenden Kursen an den Bondmärkten seien die Aussichten für die Festverzinslichen eher negativ.

"Unter Berücksichtigung der Zinszahlungen könnte bei den Renten ein Plus von drei bis vier Prozent möglich sein. Das sollte vom Aktienmarkt übertroffen werden", sagt Roemheld. Eine Aufstockung des Aktienanteils im Fonds auf 70 Prozent sei allerdings in diesem Jahr eher unwahrscheinlich, da beispielsweise schon viele US-Aktien wieder hoch bewertet seien. Dennoch gehören Bank of America, der Pharmahersteller Pfizer und der Aluminiumproduzent Alcoa zu seinen Favoriten. Bei den Rentenpapieren werden kurze und mittlere Laufzeiten bevorzugt, die durchschnittliche Laufzeit betrage gegenwärtig fünfeinhalb Jahre.

Kurzfristig kann es noch zu bösen Überraschungen kommen

Auch Michael Friebe von der FondsConsult Asset Management AG in München hat die Aktienkarte noch nicht voll ausgereizt. Zwar sei in den kommenden zwei bis drei Monaten eine "gewisse Frühjahrsrally" an den Aktienbörsen denkbar, aber zumindest kurzfristig könne es mit den anstehenden Unternehmensmeldungen zur Gewinnentwicklung für das erste Geschäftsquartal auch zu negativen Überraschungen kommen. Friebe tendiert derzeit eher zu europäischen Aktien- und Rentenpapieren, denn der Dollar sei kurzfristig risikobehaftet und könne gegenüber dem Euro durchaus um bis zu zehn Prozent abwerten.

Bei den Rentenfonds achte man derzeit darauf, die kurzen und mittleren Laufzeiten überzugewichten, um das Risiko steigender Leitzinsen herauszunehmen. Denn die Renditen am langen Ende des Rentenmarktes könnten bis zum Jahresende von aktuell rund 5,25 Prozent bis auf sechs Prozent anziehen, dann allerdings dürfte es für langfristig orientierte Anleger wieder interessant sein, zuzugreifen.

Im Aktienbereich seien vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen chancenreich, weshalb man den Mercury European Opportunities und den Merrill Lynch US Small Cap Value im Modellportfolio (siehe Grafik) berücksichtigt habe. Auch die japanischen Märkte hätten wieder "gute Chancen, sich nach oben zu entwickeln", sagt Friebe, wobei hier allerdings die Standardwerte aus der ersten Reihe den Vorzug erhalten und Nebenwerte nur beigemischt sind.

Auf jeden Fall werde es nicht mehr ausreichen, nur indexorientiert zu investieren. "Wer sich zu stark an einem Marktbarometer orientiert, der bleibt unter Umständen auf einer Nullnummer sitzen", meint Friebe. Vielmehr führe ein aktives "Fonds-Picking" mit einer ungefähren Gleichgewichtung von Substanz- und Wachstums-Stilen eher zu einem guten Erfolg.

Wer spielerisch erfahren will, wie dynamisch in der Fondswelt mittlerweile investiert wird, dem sei die Homepage der Fondsgesellschaft Activest empfohlen. Unter www.activest.de werden drei verschiedene, gemischte Fondsdepots für unterschiedliche Risikoneigungen monatlich den aktuellen Entwicklungen angepasst. Leider geht dies nur mit den hauseigenen Produkten. Wer sich wirklich für ein Fondsdepot entscheidet, sollte aber mehrere Anbieter berücksichtigen.

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