Wella: Analyse: Henkel kann vorerst nur stören

Wella
Analyse: Henkel kann vorerst nur stören

Der Kampf um die Konsolidierung der deutschen Konsumgüterindustrie geht mit der sich abzeichnenden Übernahmeschlacht um Wella in die dritte Runde.

Der Kampf um die Konsolidierung der deutschen Konsumgüterindustrie geht in die dritte Runde. In Runde eins hatte der Düsseldorfer Waschmittel- und Kosmetikhersteller Henkel vergeblich versucht, sich das Darmstädter Haarpflege- und Parfümunternehmen Wella einzuverleiben. In der zweiten Runde hatte Procter & Gamble erfolglos die Finger nach dem Hamburger Kosmetik- und Klebebandproduzenten Beiersdorf ausgestreckt. Und nun steht Procter & Gamble kurz vor einem Übernahmeangebot an Wella - und Henkel hält mit dem Kauf von knapp sieben Prozent an Wella dagegen.

Alle diese Übernahmekämpfe haben einen gemeinsamen Auslöser: Die drei großen deutschen Konsumgüterhersteller Henkel, Wella und Beiersdorf sind gut geführte, profitable Unternehmen mit Top-Marken. Sie sind auf einigen Märkten führend, doch ihre Marketing-Macht reicht auf Dauer nicht aus, um zum Beispiel in der Kosmetik gegen die ganz Großen zu bestehen. In der globalen Konsolidierung der Märkte drohen die drei Perlen mit Konsumgüter-Umsätzen zwischen dreieinhalb und sieben Milliarden Euro zwischen Giganten wie Procter & Gamble und Unilever mit Umsätzen von 40 beziehungsweise knapp 50 Milliarden Euro zerrieben zu werden.

Könnte man die Konsolidierung auf dem Reißbrett gestalten, wäre eine Fusion aller drei Unternehmen eine geniale Lösung. Marken wie Tesa und Pritt, Nivea und Wella, Labello und Pril unter einem Dach - eine attraktive Vorstellung für Investoren. Allzu viele Überschneidungen gäbe es zwischen den Produktpaletten nicht. Ergebnis wäre ein Global Player der wachstumsstarken und krisenfesten Konsumgüterbranche mit Sitz in Deutschland, rund 20 Milliarden Euro Umsatz und einem soliden Gewinn. Auch industriepolitisch ein verlockendes Szenario.

Doch so einfach ist das nicht. Hinter jedem der drei Unternehmen stecken dominierende Familienaktionäre, die den Kurs bestimmen und nicht immer rein rational handeln. Wella gehört zu 78 Prozent drei Familienstämmen, die sich derzeit uneinig sind, Henkel ist zu mehr als der Hälfte in den Händen von Familieneignern, Beiersdorf gehört zu mehr als 30 Prozent der Tchibo Holding der zerstrittenen Herz-Brüder. Zwar haben sowohl Henkel als auch Tchibo mehrere Milliarden Euro für Übernahmen flüssig, aber allein könnten sie eine Dreier-Lösung nicht realisieren.

Zugleich blockieren die Besitzverhältnisse den Einstieg ausländischer Konzerne. Die Tchibo-Holding beobachtet seit Monaten in aller Ruhe, wie der Versicherungsriese Allianz versucht, sein 44-Prozent-Paket an Beiersdorf loszuwerden. Sie hofft, letzten Endes zu einem günstigen Preis selber an die Beiersdorf-Mehrheit zu kommen. Und bei Wella bremst nun Henkel.

Aber was kann Henkel mit dem Störfeuer erreichen? Kurzfristig treiben die Düsseldorfer mit ihrem Einstieg den Preis in die Höhe, weil der Aktienkurs sich nun in Erwartung eines Übernahmekampfes ähnlich aufbläht wie schon bei Beiersdorf. Mittelfristig könnten sie Procter & Gamble daran hindern, Wella zu 100 Prozent zu kontrollieren. Doch dass sie sich das Objekt der Begierde selber einverleiben können, wird durch den Vorstoß unwahrscheinlicher. Letzten Endes wird Henkel gegen einen Konzern, dessen Börsenwert 14-mal so hoch ist wie der eigene, den Kürzeren ziehen.

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