Wella-Angebot wird noch geprüft
Wechselkursrisiken gefährden Henkel-Umsatzziel

Nach einem hinter den Analystenerwartungen zurückgebliebenen Auftaktquartal hat der Konsumgüterkonzern Henkel sein Umsatzziel für das Gesamtjahr in Frage gestellt. An seiner Gewinnprognose hält Henkel aber weiter fest.

Reuters DÜSSELDORF. Die unsichere Weltlage und die daraus resultierenden Wechselkursrisiken gefährdeten das für dieses Jahr angestrebte Umsatzwachstum von vier Prozent, teilte Henkel am Dienstag in Düsseldorf mit. "Dennoch will die Henkel-Gruppe stärker als der Markt wachsen und plant nach wie vor beim betrieblichen Ergebnis eine Steigerung im hohen einstelligen Prozentbereich." Auch beim Ergebnis je Aktie rechnet Henkel weiter mit einer Steigerung von knapp zehn Prozent.

Im ersten Quartal konnte der durch die Marken wie Persil und Pritt-Klebstoff bekannte Düsseldorfer Konzern bei einem Umsatzrückgang sein betriebliches Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verbessern, verfehlte aber knapp die Erwartungen der Analysten. Diese schlossen unterdessen nicht aus, dass Henkel auch im Jahresverlauf bei seinen Gewinnzielen zurückrudern muss. Die Henkel-Vorzugsaktien notierten am Vormittag um 4,3 % schwächer bei 57,30 ?.

Ebit-Steigerung unter Analysten-Prognosen

Im ersten Quartal hatte Henkel das betriebliche Ergebnis (Ebit), den Überschuss und das Ergebnis je Vorzugsaktie steigern können. Das Ebit habe sich auf 168 (Vorjahr 162) Mill. ? erhöht. Der Quartalsüberschuss lag bei 116 (93) Mill. ?, das Ergebnis je Vorzugsaktie bei 0,83 (0,68) Euro. Beim Umsatz litt Henkel auch unter den Folgen des starken Euro. Der Umsatz ging auf 2,3 (2,4) Mrd. ? zurück. Unbereinigt brachen die Umsätze in Nord- und Südamerika zweistellig weg. Rückgänge meldeten auch die wichtigsten Henkel-Sparten. Nur bereinigt um Wechselkurseffekte stieg der Umsatz im Konzern um 2,8 % auf 2,3 Mrd. ?. Wachstumsbremse sei auch das weiterhin verhaltene Konsumklima in Deutschland gewesen, erklärte Henkel.

Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt für das erste Quartal einen Umsatz von 2,428 Mrd. ? und ein Ebit von 173 Mill. ? prognostiziert. Den Überschuss sahen die Befragten bei 108 Mill. ?. Diese Marke konnte Henkel übertreffen. Der Konzern ist mit seinen Konsumgütern relativ konjunkturunabhängig. Doch bekommt Henkel durch sein Auslandsgeschäft Wechselkurseffekte zu spüren. So erzielte der Konsumgüterkonzern 2002 nur rund ein Fünftel seines Umsatzes in Deutschland.

Gewinnziele möglicherweise gefährdet

"Es sieht so aus, als ob sie eine Notbremsung einleiten", sagte Vereins und Westbank-Analyst - Michael Mantlik mit Blick auf die Umsatzprognose. "Ein geringerer Umsatz hätten einen Ergebniseffekt", betonte er mit Blick auf die Gewinnziele fürs Gesamtjahr. Silke Stegmann von der Landesbank Rheinland-Pfalz sagte zu den Gewinnzielen: "Das sieht jetzt schwieriger aus." Sie werde ihre Einstufung "outperformer" überdenken müssen. Wenn man bei den selbstgesteckten Zielen mutig sei, bestehe das Risiko, vom Markt abgestraft zu werden. Andere Analysten sagten, die Umsatzprognose sei mit "fadenscheinigen Gründen" in Frage gestellt worden. Denn das ursprüngliche Ziel sei bereits um Wechselkurseffekte und Zukäufe bereinigt gewesen. Ein weiterer Branchenkenner sagte aber, auch ein Umsatzwachstum von drei Prozent sei "kein Beinbruch". Auch 2002 habe Henkel das Umsatzziel leicht senken müssen. Insgesamt seien die Quartalszahlen zwar leicht unter den Erwartungen, aber auch "nicht so schlecht". Erst vor wenigen Tagen hatte der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern Unilever für das erste Quartal unter den Planungen liegende Umsatz- und Ergebniszahlen bekannt gegeben.

Keine Neuigkeiten teilte Henkel am Morgen zu seiner Wella- Beteiligung mit. Der Konzern prüft nach früheren Angaben eines Sprechers zur Zeit das nachgebesserte Angebot des US- Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble (P&G), der Wella übernimmt, für seine Wella-Vorzugsaktien. P&G hatte sein Angebot für die Wella-Vorzüge um 3,50 ? auf 65 ? je Anteilsschein nachgebessert. Die Wella-Vorzugsaktionäre hatten zuvor wegen der deutlichen Differenz zu den 92,25 ?, die P&G je Wella-Stammaktie zahlen will, gegen das ursprüngliche Angebot der Amerikaner mobil gemacht. P&G hatte Wella im März übernommen. Henkel, das sich erfolglos um Wella bemüht hatte, hatte zuvor den Kauf einer 6,86-prozentigen Beteiligung bekannt gegeben. Mit der Beteiligung kann Henkel ein Herausdrängen ("squeeze out") der Kleinaktionäre bei Wella durch den US-Giganten verhindern.

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