Welle der Gewalt
Synagogen in Frankreich und Brüssel angegriffen

Frankreich ist am Osterwochenende von einer neuen Welle antijüdischer Gewalttaten erschüttert worden. In der südfranzösischen Stadt Marseille wurde in der Nacht zum Montag eine Synagoge bei einem Brand völlig zerstört. Den Flammen fielen sämtliche dort gelagerten Bücher und Schriftrollen zum Opfer. Auch in Brüssel warfen Unbekannte Brandbomben in eine Synagoge.

wiwo/ap/Reuters BRÜSSEL/PARIS. Es handelte sich bereits um den vierten antijüdischen Anschlag in Frankreich seit Karfreitag. Die Ursache des Brandes in Marseille war zunächst nicht bekannt. Die Synagoge war bereits im Oktober vergangenen Jahres Ziel eines Anschlags mit einem Molotow-Cocktail gewesen.

In der Nacht zum Sonntag schoss nach Behördenangaben ein unbekannter Mann auf eine jüdische Metzgerei in der Ortschaft L'Union bei Toulouse. Obwohl sich der Metzger zurzeit des Anschlags in seinem Geschäft befand, wurde niemand verletzt. Der Täter floh mit einem Auto.

Am Samstagmorgen rasten maskierte Männer mit zwei Autos in eine Synagoge in Lyon und richteten in dem Gotteshaus erheblichen Sachschaden an. Wie die Polizei in der zweitgrößten französischen Stadt mitteilte, durchbrachen die Täter den Haupteingang des Gebäudes in der Vorstadt Duchere und setzten darin eines der Fahrzeuge in Brand. Verletzt wurde niemand. Der Fernsehsender LCI berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, bei den Tätern habe es sich um etwa ein Dutzend Vermummte gehandelt.

Wenige Stunden später überfielen in Villeurbanne im Rhonetal Unbekannte ein junges jüdisches Ehepaar und fügten ihm mehrere Wunden zu. Die schwangere Frau musste die Nacht im Krankenhaus verbringen, wie die Zeitung "Le Journal du Dimanche" berichtete.

Am Sonntag versammelten sich in der beschädigten Synagoge des Lyoner Vororts Duchere wie schon am Vortag Hunderte Menschen zu einer Solidaritätskundgebung mit der jüdischen Gemeinde, um gegen den Anschlag zu protestieren. Der auf Wahlkampfreise in Guadeloupe befindliche Premierminister Lionel Jospin sagte im Fernsehen, er sei außer sich über die Tat und rief zu religiöser Toleranz auf.

Seit Herbst 2000 kommt es in Frankreich immer wieder zu Übergriffen auf jüdische Einrichtungen, die im Zusammenhang mit der zweiten palästinensischen Intifada stehen. Ein kürzlich erschienenes "Weißbuch antisemitischer Gewalt in Frankreich seit September 2000" listet 405 Vorfälle auf.

Im Brüsseler Stadtteil Anderlecht haben Unbekannte einen Brandanschlag auf eine Synagoge verübt, bei dem nach Polizeiangaben allerdings niemand zu Schaden kam. Der belgische Rundfunk zitierte die Polizei mit der Mitteilung, in der Nacht zum Montag seien Brandomben ins erste Stockwerk des jüdischen Gotteshauses geworfen worden. Sie hätten leichten Sachschaden angerichtet. Es wird ein Zusammenhang mit der neuen Offensive der israelischen Besatzungstruppen gegen die aufständischen Palästinenser vermutet.

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