"Welle der Mega-Fusionen"
300 000 Stellen durch Banken-Fusionen in Gefahr

Eine Fusionswelle im Banken- und Finanzsektor könnte in Europa einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge bis zum Jahr 2002 zu einem Verlust von etwa 300 000 Stellen führen. "Branchenkenner prognostizieren zwischen 1999 und 2002 auf Grund der durch die Fusionen fortgeführte Konzentration einen Verlust von etwa 300 000 Arbeitsplätzen im Bankensektor", hieß es in dem am Samstag in Genf vorgelegten Bericht.

Reuters GENF. Vor allem Deregulierungen, das Internet-Banking und der Wegfall von traditionellen Dienstleistungsaktivitäten hätten die Finanzbranche verändert und zu der Fusionswelle beigetragen. Auch in Japan nehme eine "Welle der Mega-Fusionen" zu.

Der Bericht mit dem Namen "Die personellen Auswirkungen von Fusionen im Banken- und Finanzsektor" wurde am Samstag zum Auftakt eines einwöchigen Treffens von Banken- und Finanzexperten in Genf vorgelegt. In dem Bericht wurde vor allem kritisiert, dass Unternehmen durch Fusionen ihre Profite und Aktienkurse auf Kosten der Arbeitnehmerrechte steigern. "Ein Resultat dieser Fusionen und der damit verbundenen Prozesse ist, dass mehr und mehr Leute ihren Arbeitsplatz verlieren", sagte der ugandische Volkswirt und Autor des Berichts, John Sendanyoye, in einer Pressekonferenz am Samstag. "Die Personalchefs sind sehr selten von Anfang an involviert. Sie werden erst am Ende mit einbezogen, wenn die Entlassungen stattfinden", sagte Sendanyoye weiter.

Zunehmende Verschiebung zum Internet-Banking

In den vergangenen zehn Jahren seien in West-Europa konservativen Schätzungen zufolge durch Fusionen etwa 130 000 Stellen in der Finanzbranche gestrichen worden. Der Stellenabbau reflektiere zudem die strukturellen Veränderungen in der Finanzbranche. Darunter falle eine zunehmende Verschiebung vom Filialgeschäft zum Internet-Banking, die nicht nur die Identität der Bankenwelt verändert sondern zu einem Verlust von weiteren 200 000 Arbeitsplätzen geführt habe. In zwei Dritteln der fusionierten Firmen würden die genannten Ziele jedoch nicht verwirklicht, zitiert der Bericht eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

In den USA sei durch Fusionen die Anzahl der Kreditinstitute in den zehn Jahren bis 1995 um insgesamt 30 % gesunken, hieß es in dem ILO-Bericht weiter. Dabei habe allein die Fusion zwischen der Chemical Bank und der Chase Manhattan Bank 12 000 Arbeitsplätze gekostet. Sendanyoye betonte, die Fusionswelle habe in einer Phase des Wirtschaftswachstums und Wohlstands stattgefunden. "Was passiert wenn das Wachstum anhält, wenn wir nicht mehr in einer Wohlstandsphase sind?", fragte er.

Das Zusammengehen von Unternehmen hätte allerdings nicht nur negative Auswirkungen auf die Arbeitslage. Anders als in Europa oder in den USA fänden Fusionen in Asien beispielsweise zumeist in harten wirtschaftlichen Zeiten statt. "In Thailand, Südostasien und der ASEAN-Region, wären meiner Meinung nach einige Finanzindienstleistungsinstitute Pleite gegangen, wenn sie nicht übernommen worden wären", betonte Sendanyoye. Fusionen seien daher nicht nur schlecht. "Sie sind eine legitime, strategische Wahl. Das einzige Problem liegt darin, wie sie ausgeführt werden", fügte er hinzu.

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