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Welle neuer Gewalt im Irak nach Bin-Laden-Aufruf

Einen Tag nach dem Aufruf des Terroristenführers Osama bin Laden zum Wahlboykott im Irak ist das Land von neuer Gewalt heimgesucht worden. Bei Rebellenangriffen und drei Selbstmordanschlägen im „sunnitischen Dreieck“ zwischen Bagdad und dem kurdischen Norden starben mehr 30 Menschen.

dpa BAGDAD/KAIRO. Einen Tag nach dem Aufruf des Terroristenführers Osama bin Laden zum Wahlboykott im Irak ist das Land von neuer Gewalt heimgesucht worden. Bei Rebellenangriffen und drei Selbstmordanschlägen im "sunnitischen Dreieck" zwischen Bagdad und dem kurdischen Norden starben mehr 30 Menschen.

Der spektakulärste Autobombenanschlag galt dem Kommandeur der Nationalgarde für Bagdad, Madhhar al-Maula, der jedoch unverletzt blieb. Mindestens acht seiner Begleiter wurden nach Ärzteangaben verletzt, als der Täter in einen Militärkonvoi raste. Bei zwei weiteren Anschlägen gegen Konvois der Nationalgarde in Samarra und Bakuba rissen Selbstmordattentäter insgesamt 14 Menschen mit in den Tod. Aus irakischen Sicherheitskreisen verlautete, allein in Bakuba seien dabei acht Nationalgardisten getötet und 21 weitere verletzt worden.

Zwölf Polizisten wurden bei einem Angriff von Aufständischen auf eine Wache südlich von Tikrit im Nordirak getötet. Drei weitere ihrer Kollegen starben bei Überfällen auf zwei andere Wachen nahe Tikrit, wie die Polizei mitteilte. Ein Beamter sei in Audscha aus dem Hinterhalt erschossen worden. In Balad kam bei einem Rebellenangriff auf eine Wahlzentrale ebenfalls ein Polizist ums Leben. In der Stadt Kirkuk starben zwei Aufständische, als ihr selbst gebauter Sprengkörper, den sie an einer Ölleitung anbringen wollten, vorzeitig explodierte.

Der Chef des internationalen Terrornetzwerks El Kaida, Bin Laden, hatte zuvor in einer neuen, höchstwahrscheinlich echten Tonband-Botschaft den jordanischen Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi zu seinem Stellvertreter im Irak ernannt. Er habe Al-Sarkawi zum "Emir" (Führer) von El-Kaida im Irak ernannt. Alle Muslime seien aufgerufen, auf ihn "zu hören". Der arabische Nachrichtensender El Dschasira strahlte am Montagabend Auszüge aus dem Band aus. US-Experten gehen davon aus, das die Botschaft tatsächlich von Bin Laden stammt, dem Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001.

Die Wahlen am 30. Januar seien ein Werk der US-Besatzer, erklärt die Stimme auf dem Band. "Jeder, der an diesen Wahlen teilnimmt, wird als Ungläubiger angesehen." Die Al-Sarkawi-Gruppe, auf deren Konto zahlreiche Anschläge sowie Entführungen im Irak gehen, hatte erst im Oktober ihren Schulterschluss mit Osama bin Laden bekundet und sich in "El Kaida im Zweistromland" umbenannt. Der Sprecher begrüßte dies als "großen Schritt auf dem Weg der Vereinigung der Mudschaheddin, um den Staat des Guten zu erbauen und den des Bösen zu stürzen".

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