Welle von Neuemissionen belastet Kurse
Der Nuovo Mercato steht vor einem schwerem Herbst

Nach der Frühjahrs-Rally sind am italienischen Markt für Wachstumswerte die Kurse eingebrochen. Angesichts einer Fülle von Neuemissionen bleibt der Markt unter Druck, meinen Experten.

MAILAND. So sind sie eben, die feurigen Italiener - entweder himmelhochjauchzend oder todesbetrübt. Kein Wachstumssegment dieser Welt übertrieb die High-Tech-Euphorie in diesem Frühjahr stärker als der Nuovo Mercato und keines stürzte, nach dem Platzen der Blase, tiefer ab. Von Oktober bis März hatte der kleine Bruder des Frankfurter Neuen Marktes um knapp 1300 % zugelegt, seither sind die Kurse um über 60 % abgeschmiert. "Der Markt hatte einen unglaublichen Appetit nach neuen Aktien, vor allem aus dem Bereich der new economy. Jetzt, da der erste Hunger gestillt ist, sind die Anleger viel kritischer geworden", sagt ein Analyst von Euromobiliare in Mailand.

Allen Widrigkeiten zum Trotz gab es in diesem Sommer eine wahre Flut von Going Publics im Nuovo Mercato. Allein im Juli und August wagten 12 Unternehmen den Sprung an die Börse. Viele Neuzugänge entwickelten sich nicht sonderlich gut, nur vier Unternehmen verzeichneten am ersten Tag Kursgewinne.

Schuld daran sei, so Mario Spreafico, Fondmanager bei Royal & Sun in Mailand, dass zu viele Unternehmen gleichzeitig an den Markt gingen. Die vielen Privatanleger am Nuovo Mercato können offensichtlich die Masse nicht verdauen.

Kritisch dürfte es diesbezüglich in diesen Herbst werden. Bis Ende des Jahres planen nach Informationen der Banca Monte Paschi di Siena 42 Unternehmen einen Börsengang im Wachstumssegment. Darunter befinden sich einige Schwergewichte, wie die Internetportale Jumpy (von Berlusconis Fininvest) und Kataweb (vom Verlagshaus L'Espresso) oder die Telefongesellschaft Blixer.

Zu viele Firmen, so Fabio Santicioli, Chef der Aktienanalyse bei der Banca Commerciale Italiana, hätten keine klare Geschichte und kein klares Profil. Er empfiehlt, auf Aktien zu schauen, die nachvollziehbare Kundenstrukturen haben, beispielsweise Zulieferer der Telekommunikationsunternehmen, wie Finmatica. Auch Stefano Alberti vom Wertpapierhandelshaus Intermonte Securities ist nicht sonderlich gut auf den Nuovo Mercato zu sprechen. Er hält trotz des Absturzes nach wie vor die Masse der Titel für überbewertet und glaubt, dass es bis zum Jahresende noch weiter abwärts gehen wird. Positiv beurteilt er nur Cairo Communications und e-Biscom.

e-Biscom übertrifft mit einer Marktkapitalisierung von über 8 Mrd. Euro alt ehrwürdige Namen wie Pirelli und ist zurzeit der wertvollste Wert im Segment. Lange Zeit hatte Tiscali, der Telefon- und Internet-Highflyer aus Sardinien, die unbestrittene Führungsrolle im Nuovo Mercato inne. Doch der Wind hat sich gedreht. In den letzten Wochen ist deutlich geworden, dass allein ein herausragendes Management nicht ausreicht, um auch international eine Rolle spielen zu können. Tiscali fehlt es einfach an Geld. Daher musste das Unternehmen in Sachen UMTS-Lizenz ein Bündnis mit dem Hongkonger Gigant Hutchison Whampoa schließen, bei dem der Gründer Renato Soru so manche Kröte schlucken musste.

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