Welt-Antidoping-Agentur verlangt Aufklärung: Carl Lewis unter Doping-Verdacht

Welt-Antidoping-Agentur verlangt Aufklärung
Carl Lewis unter Doping-Verdacht

Der erfolgreichste Olympia-Athlet Carl Lewis steht im Mittelpunkt einer Doping-Affäre, die zu einem großen Skandal für den Sport der USA werden könnte. Nach Unterlagen des früheren Chef-Kontrolleurs des Nationalen Olympischen Komitees der USA (USOC), Dr. Wade Exum, ist der neunmalige Leichtathletik-Olympiasieger einer von mehr als hundert positiv getesteten US-Athleten, die unbestraft geblieben sind und zwischen 1988 und 2000 19 olympische Medaillen gewonnen haben. Inzwischen hat sich die Welt-Antidoping-Agentur (WADA) in den Fall eingeschaltet.

HB/dpa HAMBURG. Exum, der von 1991 bis 2000 als USOC-Direktor für die Doping- Kontrollen in den USA zuständig war, gibt sich als Kronzeuge der Anklage und hat dem amerikanischen Blatt "Sports Illustrated" Dokumente von 30 000 Seiten übergeben. Die Zeitschrift will sie in Auszügen in ihrer Ausgabe vom 21. April veröffentlichen. Die Unterlagen des Mediziners sollten Teil eines Gerichtsverfahrens sein, dass dieser gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber wegen Rassendiskriminierung und unberechtigter Kündigung angestrengt hatte. Ein Bundesgericht hatte in der vergangenen Woche eine Anklageerhebung abgelehnt.

Nach den Angaben von Exum ist Lewis bei den Olympia-Ausscheidungen 1988 der Einnahme von drei verbotenen Stimulanzien, die in Erkältungsmittel enthalten sind, überführt worden. Zunächst habe USOC den Sprinter disqualifiziert, nach der Intervention von Lewis jedoch die Sperre wegen "unabsichtlicher" Einnahme der verbotenen Mittel aufgehoben. Lewis gewann bei den Spielen in Seoul die Goldmedaille im Weitsprung und wurde als Zweiter über 100 m zum Olympiasieger erklärt, nachdem der Kanadier Ben Johnson im bisher größten Doping- Skandal den ersten Platz wegen der Einnahme von anabolen Steroiden disqualifiziert worden war. Lewis war 1997 zurückgetreten. Er sammelte seine Goldmedaillen außer in Seoul noch 1984 in Los Angeles (4), 1992 in Barcelona (2) und 1996 in Atlanta (1) und wurde acht Mal Weltmeister.

Die Dokumente belegen ebenfalls, dass der Trainingspartner von Lewis, Joe DeLoach, bei den Trials ebenfalls auf die Einnahme der selben drei Stimulanzien überführt und anschließend freigesprochen worden war. DeLoach gewann in Seoul olympisches Gold über 200 m. Als weitere Fälle sind bereits vor der Veröffentlichung von "Sports Illustrated" Andre Phillips und Mary-Joe Fernandez bekannt geworden. Demnach sind Phillips ebenfalls bei den Olympia-Ausscheidungen 1988 und Fernandez vor den Spielen 1992 auf Pseudoephedrin positiv getestet worden. Die Leichtathletin siegte in Seoul über 400 m Hürden, die Tennisspielerin in der Doppelkonkurrenz von Barcelona.

Nach Einschätzung von WADA-Chef Richard Pound belegen die Dokumente, dass es im US-Sport über viele Jahre ein unzureichendes Doping-Kontrollsystem gab und sich der Verdacht von Vertuschungen zu erhärten scheint. Der Kanadier erwartet, dass auch WADA die Dokumente für eine Untersuchung bekommt. "Je mehr wir wissen, umso besser. Je mehr die Welt und die amerikanische Öffentlichkeit weiß, was USOC gemacht hat, um so wahrscheinlicher ist es, die Probleme zu lösen", sagte der Kanadier der amerikanischen Nachrichtenagentur AP. Vorwürfe richtete Pound ebenfalls an den US-Leichtathletik-Verband (USATF), der wegen Vertuschungsversuchen immer wieder in der Kritik stand.

In einer ersten Stellungnahme bezeichnete USOC die Vorwürfe als grundlos. Der olympische Dachverband hatte im Oktober 2000 die Verantwortlichkeit für die Doping-Kontrollen an eine neugegründete, unabhängige, nationale Antidoping-Agentur übertragen. Lewis Manager Joe Douglas erklärte, der Athlet habe niemals Mittel zur Leistungssteigerung eingenommen. Fernandez sagte, der positive Test stehe im Zusammenhang mit der Einnahme eines Erkältungsmittels. Der Vorsitzende der Medizinischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und des Internationalen Leichtathletik- Verbandes (IAAF), Arne Ljungqvist (Scweden), meinte, die Dokumente passten in das Bild bisheriger Doping-Affären in den USA. Der Weltverband erwarte dringend einen Bericht von USATF.

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