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„Welt“: Neue Stasi-Beweise gegen Wallraff

Die Debatte um Günter Wallraff und die Stasi geht weiter. Nach Recherchen der Zeitung „Die Welt“ (Samstag) gibt es erstmals einen schriftlichen Beweis dafür, dass Dokumente an die Stasi geliefert wurden, die direkt dem Autor Wallraff zugeordnet werden können.

dpa BERLIN. Die Debatte um Günter Wallraff und die Stasi geht weiter. Nach Recherchen der Zeitung "Die Welt" (Samstag) gibt es erstmals einen schriftlichen Beweis dafür, dass Dokumente an die Stasi geliefert wurden, die direkt dem Autor Wallraff zugeordnet werden können.

Dabei handele es sich um einen Bericht der für Auslandsspionage zuständigen Hauptverwaltung Aufklärung der DDR (HVA), berichtete die Zeitung. Die Birthler-Behörde bestätigte die Existenz dieses Berichts.

Laut einer elektronischen Datenquelle werde als Quelle für den Bericht eine Registriernummer genannt, die Wallraff zuzuordnen sei, sagte ein Sprecher der dpa, ohne dies werten zu wollen. In dem Dokument gehe es um "Richtlinien für das Verhalten der Firmen bei wilden Streiks", die der westdeutsche Unternehmerverband Gesamtmetall erlassen hat, berichtete die "Welt". Das Dokument sei am 10. Oktober 1970 bei der Stasi eingegangen.

Wallraff wies die Vorwürfe zurück. "Ich habe vor zwei Wochen das Papier zum ersten Mal gesehen, und es zeigt, dass es sich bei den Stichworten, die mir zugeordnet werden, sich um Dinge handelt, die nichts mit mir zu tun haben", sagte er der dpa. An die Adresse des Axel-Springer-Verlages sagte Wallraff: "Die sind verrannt, verbissen, verbiestert und dazu schlechte Verlierer."

Zuvor hattes das Hamburger Landgericht am Freitag entschieden, dass Wallraff nicht als Inoffizieller Stasi-Mitarbeiter (IM) bezeichnet werden darf. Wallraff hatte Springer-Zeitungen in einer Einstweiligen Verfügung untersagt, den Begriff "Stasi-IM Günter Wallraff" zu verwenden. Den Widerspruch des Verlages gegen die Verfügung lehnte das Gericht jetzt ab. Wallraff begrüßte das Urteil und warf Springer eine Rachekampagne vor. Hingegen sieht der Verlag den Autor nicht als uneingeschränkten Sieger. Der Stasi-Verdacht gegen ihn bleibe.

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