Weltausstellung 2004 ohne Austragungsort
Frankreich sagt Expo ab

Der französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin hat die 2004 in Dugny bei Paris geplante Weltausstellung abgesagt. Für die Menschen in der Pariser Region Ile-de-France ist das ein schwerer Schlag.

HB/dpa. Schlechte Vorbereitung, ungesicherte Finanzierung und zu geringes Interesse der ausländischen Partner seien die wesentlichen Gründe für die Entscheidung, ließ Raffarin mitteilen.

Die Kommunalpolitiker im betroffenen Département Seine-Saint-Denis sind entsetzt: Von der ersten Expo in Frankreich seit 1937 - zuvor hatte es 1900 eine Weltausstellung in Paris gegeben - hatten sie sich wesentliche Impulse für den Tourismus und Tausende neue Arbeitsplätze erhofft. Doch Raffarin bleibt hart: "Wir können nicht über unsere Verhältnisse leben."

Dabei hatte alles so viel versprechend begonnen. Ein Jahr nach der Weltausstellung in Hannover war im Juli 2001 ein Organisationskomitee ins Leben gerufen worden, Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac berief die frühere Kulturministerin Catherine Trautmann zur Expo- Generalsekretärin. Die Gestaltung des 25 Hektar großen Geländes wurde dem Schweizer Architekten Bernard Tschumi anvertraut, der auch den Kulturpark "La Villette" im 19. Pariser Arrondissement entworfen hat. Die Organisatoren erwarteten die Teilnahme von rund 90 Nationen und 8,5 Millionen Besucher. 395 Millionen Euro sollte das Prestige- Projekt zum Thema "Bilderwelten" kosten. Erst am 25. Juni hatte Trautmann die architektonischen Planungen öffentlich vorgestellt.

Bisher aber, so heißt es jetzt aus Regierungskreisen, hätten gerade mal sechs Länder ihre Bereitschaft zur Teilnahme bekundet, es drohe ein Millionendefizit. "Ich war bei den Weltausstellungen in Sevilla und Lissabon", sagte Raffarin. "Man braucht einen langen Atem, um so was vorzubereiten. Und in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation sollte Frankreich sich nur Projekte aufbürden, die es auch finanzieren kann." Um den Erfolg einer Expo 2004 bei Paris zu garantieren, hätten die Vorbereitungen viel früher beginnen müssen.

Vielleicht sind es auch die negativen Erfahrungen der deutschen Nachbarn mit der Expo 2000 in Hannover, die Raffarin jetzt so vorsichtig machen. Denn das fünf Monate währende "Fest der Völker" enttäuschte die Erwartungen auf der ganzen Linie: Von den erhofften 40 Millionen Besuchern kamen nur knapp die Hälfte, dem Steuerzahler hinterließ die Nationenschau einen Schuldenberg von 2,4 Milliarden Mark (1,25 Milliarden Euro). Erst als sich der Ruf der Weltausstellung per Mundpropaganda verbreitete und eine Werbekampagne mit Verona Feldbusch und Peter Ustinov angeschoben wurde, füllte sich das anfangs nahezu leere Gelände.

Raffarins Entscheidung sei eindeutig politisch motiviert, kritisierte der Präsident der Ile-de-France, Jean-Paul Huchon, Mitglied der sozialistischen Partei (PS). "Das ist eine harte Strafe für die ganze Region." Der Vorsitzende des Generalrates im Département Seine-Saint-Denis, der Kommunist Robert Clément, pflichtete ihm bei: "Die Absage wird schwere Konsequenzen in Frankreich selbst, aber auch für unser internationales Ansehen haben."

Für beide hat der Premierminister nur einen schwachen Trost parat: Um die Hoffnung auf neue Impulse für die Region nicht vollends zu enttäuschen, kündigte er an, das nördlich von Paris gelegene Luft- und Raumfahrtmuseum in Bourget renovieren zu lassen. Dieses Projekt sei nicht nur überschaubar und finanzpolitisch sinnvoll, sondern trage auch zur wirtschaftlichen Entwicklung der Ile-de-France bei.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%