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Weltautomarkt droht eine ernste Krise

Die Warnung von Ford spricht Bände: Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats muss der zweitgrößte amerikanische Automobilkonzern seine Produktionspläne für das erste Quartal des neuen Jahres zurücknehmen. Hatte Konzernchef Jac Nasser vor wenigen Wochen noch mit 1,3 Millionen Fahrzeugen kalkuliert, plant das Unternehmen nun lediglich mit einer guten Million produzierter Autos

HB DÜSSELDORF. Das Beispiel Ford zeigt, wie schnell sich im Moment die Verhältnisse auf dem amerikanischen Automobilmarkt ändern können. Wahrscheinlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die beiden anderen großen US-Anbieter, General Motors und Daimler-Chrysler, ihre Produktionspläne noch einmal nach unten korrigieren müssen. Auffällig ist, wie schnell die Stimmung auf dem amerikanischen Automobilmarkt umgeschlagen ist. Vor wenigen Wochen hatte kaum jemand damit gerechnet, dass der US-Absatz im Jahr 2001 ernsthaft nachlassen würde. Doch inzwischen hat sich das Bild massiv geändert: Der Automarkt der Vereinigten Staaten gilt jetzt schon als der größte Unsicherheitsfaktor für den weltweiten Fahrzeugabsatz.

Auch die deutschen Automobilmarken, die mit einem Marktanteil von weniger als zehn Prozent keine allzu bedeutende Rolle in den USA spielen, machen sich neuerdings Sorgen über die Entwicklung auf einem ihrer wichtigsten Auslandsmärkte. Hatte ihnen der starke US-Dollar trotz vergleichsweise bescheidener Absatzzahlen in diesem Jahr doch zusätzliche Milliarden-Erträge in die Kassen gespült und das Absatzloch auf dem heimischen deutschen Markt wieder mehr als wettgemacht.

Greift auf dem US-Markt die Stagnation endgültig oder fällt der Absatz dort gleich ins Bodenlose, gibt es für die Weltautomobilkonjunktur keine Lokomotive mehr. Westeuropa ist schon in diesem Jahr ins Minus gerutscht, weil insbesondere der deutsche Markt kräftig Federn lassen musste. Vom japanischen Automobilmarkt redet kaum jemand, im wichtigsten asiatischen Industrieland wird der Absatz nach den jüngsten Prognosen auch im nächsten Jahr nachlassen. Größere Wachstumsraten sind allenfalls in Südamerika und in Teilen Südostasiens zu erwarten. Doch die Zuwächse auf den neuen Märkten werden die Rückschläge in den USA, Westeuropa und Japan mit Sicherheit nicht ausgleichen können.

Mit einer kleineren Besserung ist während des kommenden Jahres immerhin in Deutschland zu rechnen. Doch im Vergleich zum Jahr 2000 werden es 2001 mit 3,5 Millionen neu zugelassenen Pkw allenfalls 100 000 Autos mehr sein. Erst 2002 ist auf dem deutschen Markt wieder eine durchgreifende Belebung des Automobilabsatzes zu erwarten.

Die Folgen der weltweiten Nachfrageschwäche im Automobilsektor sind in ihrer Gesamtheit derzeit noch nicht abzuschätzen. Nur eine Tatsache steht mit ziemlicher Sicherheit fest: An den Aufbau zusätzlicher Beschäftigung ist unter keinen Umständen mehr zu denken. Wahrscheinlich passiert sogar das Gegenteil, und alle Automobilhersteller werden ihre Stellenpläne verschärft nach möglichen zusätzlichen Einsparungen durchforsten. Die US-Hersteller haben mit dieser Art der Sparpolitik jedenfalls schon begonnen - vielleicht droht Ähnliches bald auch schon in Deutschland.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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