Weltbank-Chef Wolfowitz
Dick in der Klemme

Als bekannt wurde, dass eine gewisse Shaha Riza mit 193 590 Dollar auf der Gehaltsliste der Weltbank steht, obwohl sie dort gar nicht mehr angestellt ist, war der Aufschrei groß. Denn die Dame arabischer Herkunft ist nicht irgendjemand, sondern die Freundin von Paul Wolfowitz. Seitdem befindet sich der Weltbank-Chef in höchster Erklärungsnot.

WASHINGTON. Zunächst ging es nur um eine Zahl, um 193 590 Dollar, mit der eine gewisse Shaha Riza Mitte 2006 auf der Gehaltsliste der Weltbank auftauchte. Frau Riza arbeitete da zwar bereits im State Department, aber von der Weltbank bezog sie weiterhin den Großteil ihrer Bezüge. Und diese lagen verdächtig nahe an denen ihrer Chefin - der amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice.

Der Gehaltszettel der Weltbank wanderte ins Internet, und der Aufschrei war perfekt. Denn die 52-jährige Riza ist nicht irgendjemand. Die Dame arabischer Herkunft ist die Freundin von Paul Wolfowitz. Jenem Paul Wolfowitz, der einst als Stellvertreter von Donald Rumsfeld den Irak-Krieg mit in Szene setzte und der seit Mitte 2005 Präsident der Weltbank ist.

Seitdem ist Wolfowitz in Erklärungsnot. Weil er immer häufiger gefragt wird, wie dieses enorme Gehalt seiner Geliebten zu Stande kommt. Und weil seine gewundenen Antworten an jenen Standards gemessen werden, die er seit Übernahme des Spitzenamtes bei der Weltbank so vehement selbst verficht - in seiner beinahe schon besessen geführten Kampagne gegen die Korruption.

Wolfowitz weiß inzwischen, wie sehr er in der Klemme sitzt. Nur so ist sein ungewöhnlich demütiger Auftritt am gestrigen Donnerstag auf der Weltbank-Pressekonferenz zu erklären. "Ich habe einen Fehler gemacht", sagte er in seinem Eingangsstatement. Und: "Ich werde jede Entscheidung akzeptieren, die das Direktorium der Bank in der Sache trifft." Damit Wolfowitz auch die Konsequenzen dessen verstand, was er da gerade gesagt hatte, stieß ein brasilianischer Journalist sofort nach: "Wie sehen Sie Ihre Zeit bei der Bank, sollte das Direktorium Ihren Rücktritt beschließen?" fragte dieser etwas gemein. Wolfowitz schluckte kurz und flüchtete eilig in den Hinweis, jetzt sei zunächst das Aufsichtsgremium am Zug, nicht er. Souverän wirkte Wolfowitz da nicht mehr.

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