Weltbank schätzt Kosten des Wiederaufbaus auf 15 Mrd. $
Bundeswehr fliegt mit „letztem Aufgebot"

Während die Bundeswehr gestern ihre Afghanistan-Mission begann, haben die USA massive Luftangriffe gegen vermutete Taliban-Einheiten geflogen. Die USA befürchten nach einem Bericht des US-Senders CNN, dass sich Reste der Taliban im Osten Afghanistans neu formieren könnten.

mzi/cr BERLIN/DÜSSELDORF. Die beiden Moslem-Extremisten Osama bin Laden und Mullah Mohammad Omar halten sich nach Meinung des afghanischen Außenministers Abdullah Abdullah wahrscheinlich noch im Lande auf. Dagegen haben sich mehrere ranghohe Taliban am Dienstag der neuen Regierung in Afghanistan ergeben. Darunter sind auch drei Minister der gestürzten Taliban-Regierung. Pakistan lehnte unterdessen die Beteiligung von US-Truppen an der Suche nach El-Kaida-Kämpfern ab.

Am Morgen waren vom Militärflughafen Köln-Wahn 50 Fallschirmjäger und 20 Fernmelder und Sanitäter der Bundeswehr in die afghanische Hauptstadt Kabul aufgebrochen.Geführt wird das Vorauskommando von Brigadegeneral Claus Hubertus von Butler. Ende Januar soll das Hauptkontingent nach Afghanistan verlegt werden.

Die Beteiligung der Bundeswehr an dem Friedeneinsatz der Vereinten Nationen geht auf einen Bundestagsbeschluss vom 23. Dezember zurück. Danach können bis zu 1 200 deutsche Soldaten nach Afghanistan geschickt werden. Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) rechnet indes damit, dass nur 800 bis maximal 1 000 deutsche Soldaten benötigt werden. Das Mandat ist vorerst bis zum 20. Juni 2002 befristet. Seine Umsetzung kostet 340 Mill. Euro. Ziel ist die Befriedung Afghanistans nach dem Ende des Bürgerkriegs und die Unterstützung der Übergangsregierung unter ihrem Vorsitzenden Hamid Karsai. Geführt wird die insgesamt 4 500 Mann umfassende "International Security Assistance Force" (ISAF) zunächst von den Briten, ab Mai soll möglicherweise die Türkei das Kommando übernehmen.

Bundeswehrverband: Einsatz wird länger dauern

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Oberst Bernhard Gertz, bezeichnete die Bundeswehr-Mission als "wirklich das letzte Aufgebot". In einem Gespräch mit dem Südwestrundfunk (SWR) sagte Gertz, er glaube nicht daran, dass der Einsatz nach sechs Monaten abgeschlossen sein werde, da der Friedensprozess in Afghanistan auf zwei Jahre angelegt sei. Darauf müsse sich auch die Bundeswehr einstellen.

Neben der Gefahr durch Landminen in Afghanistan müssen sich die Soldaten auch auf Unwägbarkeiten durch paramilitärische Einheiten vorbereiten. Noch immer nutzen in verschiedenen Regionen des Landes so genannte "Kriegsherren" das Machtvakuum nach der Niederlage der Taliban. Auch deshalb hatte die Bundesregierung auf ein so genanntes "robustes Mandat" für die Friedenstruppe gedrängt. Diese darf sowohl zur eigenen Sicherheit als auch zur Durchsetzung ihres Auftrages von der Waffe Gebrauch machen. Als besonders unsicher gilt die Lage in der Provinzhauptstadt Jalalabad. Dort haben lokale Bandenführer mehrfach Nahrungsmittel von Hilfsorganisationen geraubt und teuer an westliche Besucher oder örtliche Hotels weiterverkauft. Die Provinz Nangarhar wird derzeit von drei "Warlords" kontrolliert.

Weltbank: Jährlich ein bis zwei Mrd. Dollar für Afghanistan

Die Gewährleistung von Sicherheit und Ordnung in und um Kabul durch die internationale Schutztruppe soll der Interimsregierung auch den Rücken frei machen für den Wiederaufbau des Landes erleichtern. Die Weltbank schätzt, dass dafür in den kommenden zehn Jahren gut 15 Mrd. $ (16,8 Mrd. Euro) aufgewendet werden müssen. Nach 23 Jahren Krieg brauche die afghanische Bevölkerung jährlich zwischen einer und zwei Mrd. Dollar, um wieder auf die Beine zu kommen, sagte der Weltbank-Experte Abid Hassan der pakistanischen Zeitung "The Nation".

Der Bau von Krankenhäusern erfordere 100 bis 140 Mill. $, für Projekte zur Wasserversorgung müssten zwischen 50 und 100 Mill. $ veranschlagt werden. Für die Grundschulerziehung werden dem Zeitungsbericht zufolge Investitionen von 60 bis 80 Mill. $ benötigt, im Energiesektor seien es zwischen 40 und 50 Mill. $. Auf einer internationalen Geberkonferenz für Afghanistan in Japan sollen am 21. und 22. Januar die Fragen des Wiederaufbaus ausführlich erörtert werden. Zur Vorbereitung der Konferenz startete die japanische Regierungsbeauftragte Sadako Ogata zu einer Reise nach Pakistan, Afghanistan und Iran.

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