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Welteke dämpft Erwartung einer EZB-Zinssenkung

Reutes FRANKFURT. Für eine weiter abwartende Zinspolitik in der Euro-Zone hat sich Bundesbankpräsident Ernst Welteke ausgesprochen. "Ich plädiere für eine Geldpolitik der ruhigen Hand", sagte Welteke am Freitag am Rande einer Veranstaltung in Simmern. Damit relativierte der Bundesbank-Chef, der auch EZB-Ratsmitglied ist, die Erwartung der Märkte, dass die Europäische Zentralbak (EZB) in Reaktion auf die sich abschwächende Konjunktur in der Euro-Zone bald die Leitzinsen senken könnte.

EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hatte diese Erwartung zuletzt mit ungewöhnlich deutlichen Hinweisen auf die verschlechterten Wirtschaftsaussichten genährt. Der österreichische Notenbankchef Klaus Liebscher hatte sich dagegen am Freitag ebenfalls für eine Fortsetzung der abwartenden Zinspolitik in der Euro-Zone ausgesprochen.

Warnung vor "hektischen Entscheidungen"

Welteke warnte vor "hektischen Entscheidungen" der Zentralbank und sagte, die EZB benötige noch weitere Daten für eine Zinssenkungsentscheidung. Zwar wirke sich die Abschwächung der US-Konjunktur auch auf die Euro-Zone aus, doch sollte diese Entwicklung nicht überinterpretiert werden. "Im Moment haben wir eine Entlastung beim Preisdruck, aber es ist nicht der Zeitpunkt, über Veränderungen zu spekulieren", sagte Welteke im Hinblick auf den Einfluss der Inflation auf die Zinspolitik der EZB. In Deutschland hatte sich der Preisauftrieb im März trotz steigender Nahrungsmittelpreise verlangsamt. Die Jahresteuerung sank nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf 2,5 von 2,6 Prozent im Vormonat. Im Monatsvergleich verlangsamte sich die Inflation zudem deutlich auf 0,1 (0,6) Prozent.

Konjunkturprognosen müssen revidiert werden

EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hatte am Donnerstag deutlich auf die verschlechterten Konjunkturaussichten und die rückläufigen Inflationserwartungen in der Euro-Zone hingewiesen und damit nach Eisnchätzung von Analysten die Möglichkeit einer baldigen Zinssenkung angedeutet. "Es ist keine Frage, dass sich das internationale Umfeld seit Ende 2000 deutlich eingetrübt hat", hatte Issing gesagt. "Alle Projektionen - auch für den Euro-Raum - müssen nach unten revidiert werden."

Der französische Zentralbankchef Jean-Claude Trichet hatte sich Issings Position am Freitag angeschlossen: "Während wir noch vor einem oder anderthalb Monaten sehr besorgt waren über die Inflation, sind wir es heute nicht mehr", sagte er dem Radiosender Europe 1. Die Auffassung Weltekes hatte dagegen am Vormittag in Wien der Österreichische Notenbankchef Klaus Liebscher vertreten. Die EZB werde auch künftig die konjunkturelle Entwicklung und ihre Einwirkung auf das Wachstum sowie die Inflationsentwicklung genau beobachten. Hektische reaktionen seien nicht notwendig, wohl aber eine seriöse Diskussion, sagte Liebscher, der ebenfalls EZB-Ratsmitglied ist.

Experten erwarten keine schnelle Zinssenkung

Wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten und den schwachen Aktienmärkten in der Euro-Zone und den USA waren die Rufe an den Finanzmärkten nach einer Zinssenkung der EZB zuletzt lauter geworden. Dieser Druck hatte sich noch verstärkt, nachdem die US-Notenbank den Schlüsselzins am Dienstag erneut um 50 Basispunkte auf nunmehr 5,00 Prozent gesenkt hatte. In der Euro-Zone liegt der Schlüsselzins derzeit bei 4,75 Prozent.

Die überwiegende Mehrheit der Volkswirte rechnet dennoch nicht mit einer Zinssenkung der europäischen Währungshüter bereits auf ihrer Ratssitzung am 29. März. Nur zehn der 50 befragten Volkswirte rechneten damit, dass die Notenbanker bereits zum Monatsende handeln werde, ergab eine am Freitag veröffentlichte Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters. Acht weitere sahen die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt bei 50 Prozent.

Der Euro reagierte mit leichten Kursabschlägen auf die Aussagen Weltekes. Die Gemeinschaftswährung notierte am Abend mit Kursen um 0,89 Dollar, nach 0,8930 Dollar unmittelbar vor den Aussagen Weltekes.

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