Welteke plädiert für abwartende Haltung der Geldpolitik
Volkswirte erwarten keine Leitzins-Änderung

Von der am Donnerstag stattfindenden Sitzung des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) wird an den Märkten überwiegend keine Veränderung des Euro-Leitzinses erwartet. Bei einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters prognostizieren 48 von 51 befragten Analysten, der Rat werde den Schlüsselzins am Donnerstag unverändert bei 3,25 % lassen.

mak FRANKFRURT/M. 34 der Befragten rechnen damit, dass der nächste Zinsschritt eine Erhöhung sein wird. Die erste Zinserhöhung sehen zehn Analysten schon im dritten und 17 im vierten Quartal. Sieben Volkswirte erwarten erst im kommenden Jahr steigende Zinsen. Zuletzt hatte der EZB-Rat die Notenbankzinsen Anfang November um 50 Basispunkte gesenkt. Seit Mai 2001 hat er sie in vier Schritten um insgesamt 150 Basispunkte zurückgenommen.

Das Ende sinkender Zinsen hatte EZB-Präsident Wim Duisenberg vor einigen Tagen eingeläutet. "Eine Reihe positiver Faktoren lassen sich ausmachen, die ein Anziehen des Wachstums im Euro-Raum unterstützen dürften", erklärte Duisenberg. Trotz anhaltender Risiken deuteten positive Nachrichten, vor allem aus den USA, auf eine Stabilisierung des weltwirtschaftlichen Umfelds hin . In der Währungsunion gebe es keine fundamentalen Ungleichgewichte, die der Korrektur bedürften. Der erwartete weitere Rückgang der Inflationsrate werde das real verfügbare Einkommen erhöhen, wovon die Nachfrage profitieren dürfte. Die Finanzierungsbedingungen im Euro-Raum seien "sehr günstig". "Auf dem gegenwärtigen Zinsniveau stellt die Geldpolitik keine Hürde für eine Wiederaufnahme des Wirtschaftswachstums dar", sagte Duisenberg. "Ich weise entschieden zurück, dass die EZB eine strikte oder restriktive Geldpolitik betreibt."

Auch Bundesbankpräsident Ernst Welteke, das deutsche Mitglied des EZB-Rates, legt eine abwartende Haltung des EZB-Rates nahe. "Wenn wir die Wirkungsverzögerungen in der Geldpolitik berücksichtigen, dann sind wir gut beraten, die weitere Entwicklung abzuwarten, bevor wir Entscheidungen treffen", sagte Welteke. Die Zinssenkungen vom vergangenen Herbst wirkten noch nach. Zudem mehrten sich die Zeichen für eine konjunkturelle Erholung. Ähnlich urteilt Weltekes österreichischer Amtskollege Klaus Liebscher.

Inflationsgefahren sieht Duisenberg mittelfristig nicht. Den Anstieg der Verbraucherpreise im Januar um 2,7 % nach 2,0 % im Dezember führt er überwiegend auf "außergewöhnliche und vorübergehende Faktoren" zurück. Das nach wie vor starke Wachstum der Geldmenge M3 erklärt die EZB unverändert mit einer hohen Präferenz der Anleger für liquide Anlageformen.

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