Welteke plädiert für Subventionsabbau
IWF strebt gerechtere Globalisierung an

Die Spitzen von IWF und Weltbank forderten vor Finanz- und Entwicklungsministern aus den 184 Mitgliederstaaten mehr Mitspracherecht für Entwicklungsländer in Handels- und Entwicklungsfragen.

HB DUBAI. Mit diesem Aufruf zu einer gerechteren Globalisierung hat die Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank am Dienstag in Dubai begonnen. "Meine Vision für den IWF ist der Einsatz für eine bessere Globalisierung", sagte IWF-Direktor Horst Köhler. Bundesbankpräsident Ernst Welteke forderte einen Abbau der Subventionen in reichen Ländern, die Rohstoffpreise drücken und armen Ländern Exportmöglichkeiten nehmen.

Welteke begrüßte die klaren Anzeichen für einen weltweiten Konjunkturaufschwung, warnte aber vor lauernden Gefahren. Der Abbau von Handelsschranken und internen Leistungsbilanz-Ungleichgewichten könne das Risiko ungeordneter Anpassungen der Währungen untereinander mindern, sagte Welteke in Anspielung auf das riesige Leistungsbilanzdefizit der USA.

Welteke rief dazu auf, den erwarteten Aufschwung für Reformen zu nutzen. "Wir alle wissen, dass Reformen kurzfristig schmerzhaft sein können", sagte er. "Jedoch legen sie die Grundlage für langfristiges Wachstum zu Gunsten aller." Nachdrücklich sprach sich Welteke für die Fortsetzung der in Cancún abgebrochenen Verhandlungen über eine weitere Öffnung der Märkte aus. Unangemessen sei, dass Industrieländer allein durch Protektionismus jährlich Hunderte von Mrd. Dollar zum Schutz ihrer eigenen Waren ausgäben.

IWF-Direktor Köhler forderte die USA auf, die Leistungsbilanz- und Haushaltsdefizite abzubauen. Die Europäer mahnte er zu weiteren Strukturreformen. Er zeigte sich besorgt über die weltweit steigende öffentliche Verschuldung. Der IWF werde das internationale Finanzsystem noch stärker als bisher überwachen. Der IWF hatte erst am Samstag ein Umschuldungsabkommen mit Argentinien abgesegnet, das mehrere IWF-Mitglieder und internationale Banken scharf kritisierten. Sie werfen dem IWF vor, Argentinien nicht zu strengen Auflagen verpflichtet zu haben.

Das Scheitern in Cancún habe inakzeptable Ungleichgewichte zwischen Industrie- und Entwicklungsländern ans Licht gebracht, sagte Weltbank-Präsident James Wolfensohn und forderte Abhilfe. "Das ist nicht nur für die Armutsbekämpfung, sondern auch für Sicherheit und Frieden umumgänglich." Köhler betonte: "Langfristig sind soziale Gerechtigkeit und eine akzeptable Einkommensverteilung wesentliche Pfeiler der politischen Stabilität und damit der wirtschaftlichen Entwicklung."

Eine Milliarde privilegierter Erdenbürger lebe von 80 % des weltweiten Einkommens, während die untere Milliarde mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müsse, kritisierte Wolfensohn. Die Entwicklungshilfe sei so niedrig wie seit 40 Jahren nicht mehr. Während die reichen Länder 56 Mrd. Dollar Hilfe leisteten, gäben sie gleichzeitig 300 Mrd. Dollar für Agrarsubventionen aus. Wolfensohn und Köhler forderten die reichen Länder auf, mehr Entwicklungshilfe zu leisten.

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