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Welteke rät zur Zinspolitik der ruhigen Hand

Die Europäische Zentralbank (EZB) kann nach Einschätzung von Bundesbankpräsident Ernst Welteke die Leitzinsen in der Euro-Zone vorerst unverändert lassen. Die Notenbank könne "auf absehbare Zeit die Politik der ruhigen Hand fortsetzen", sagte das EZB-Ratsmitglied in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montagausgabe).

rtr FRANKFURT. Die Erwartung eines Aufschwungs in diesem Frühjahr beruhe derzeit noch mehr auf Hoffnung als auf harten Fakten, sagte Welteke der Zeitung zufolge. Viele Volkswirte gehen davon aus, dass die EZB wegen der Aussicht auf eine Konjunkturerholung bereits eine zinspolitische Wende vollzogen hat. Sollten mit der anziehenden Wirtschaftsleistung die Inflationsgefahren wachsen, sagen viele eine erste Zinserhöhung zum Jahresende voraus. Welteke wies auf Ölpreise und Lohnerhöhungen als Risikofaktoren für stabile Preise hin. "Wenn über die Lohnentwicklung her Preiserhöhungsdruck entsteht, dann müsste die EZB sehr wachsam sein", sagte er.

In Ostdeutschland haben Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie mit ersten Warnstreiks der Forderung der IG Metall nach 6,5 % mehr Lohn Nachdruck verliehen. EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing hatte solche Forderungen scharf als überhöht kritisiert. Der Bundesbankpräsident schloss im Interview mit der "FAZ" nicht aus, dass die Inflationsrate in der Euro-Zone im März wegen der Euro-Bargeldeinführung wieder leicht gestiegen sein könnte. Händler könnten das Ende der Pflicht zur doppelten Preisauszeichnung am 28. Februar zu Preiserhöhungen genutzt haben. Nach Daten aus fünf Bundesländern hat die Inflation in Deutschland im März etwas angezogen und liegt nach Einschätzung von Volkswirten etwas über der im Februar verzeichneten Jahresrate von 1,7 %. Dabei schlugen sich aber vor allem höhere Energiepreise im Vergleich zum Vormonat nieder.

Goldreserven mittelfristig etwas abbauen

Mit Blick auf die Goldreserven der Bundesbank von rund 3500 Tonnen bekräftigte Welteke, ein kleiner Teil davon könne mittelfristig marktschonend verkauft und in Wertpapiere umgewandelt werden. Dabei denke er nicht nur an ausländische Anleihen, sondern auch an ein Aktiendepot mit einer guten Mischung aus Eurostoxx-50-Werten und anderen Standardaktien. Ziel sei eine stärker ertragsorientierte Verwaltung der Gold- und der Devisenreserven. Davon würde vor allem der Bund profitieren, dem der Bundesbankgewinn zusteht.

Die Bundesbank hielt Ende Januar knapp 3500 Tonnen Gold im Wert von gut 36 Mrd. ? und Devisenreserven im Wert von rund 52 Mrd. ?. Wie 14 weitere europäische Notenbanken hatte sie sich im September 1999 aber dazu verpflichtet, binnen fünf Jahren die Goldreserven nur langsam um maximal 2000 Tonnen Gold abzubauen, damit der Goldpreis nicht einbricht. Die Bundesbank, die nach der US-Notenbank die größten Bestände hält, hat nach früheren Angaben bisher noch nichts am Markt verkauft. Kritiker halten die Reserven für zu hoch, da mit Einführung des Euro der Bedarf an Reserven zur Wechselkurspflege gesunken ist.

Eine ertragsorientierte Verwaltung der Devisen- und Goldreserven sei eine Aufgabe, für die die Bundesbank ebenso wie für die Finanzaufsicht mehr Personal benötige, sagte Welteke.

Der Bundesrat verabschiedete am Freitag die Gesetze zur Bundesbankreform und zur Allfinanzaufsicht, die zum 1. Mai in Kraft treten können. Der bisherige Zentralbankrat mit den sechs Direktoren und neun Landeszentralbankpräsidenten wird dann durch einen Vorstand mit acht Personen ersetzt, die zur Hälfte jeweils vom Bund und Ländern vorgeschlagen werden. Welteke, dessen Posten als Präsident als einziger nicht in Frage steht, forderte Bund und Länder erneut auf, ihre Kandidaten rasch zu benennen.

Der Bundesbankpräsident kündigte an, die Notenbank werde für 2001 einen leicht höheren Gewinn als zuletzt ausweisen. Im Vorjahr lag der Bundesbankgewinn bei 8,3 Mrd. ?. Der Jahresabschluss 2001 soll am 11. April verabschiedet werden.

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