Welteke schließt weitere Zinssenkungen der EZB nicht aus
US-Verbraucher verlieren Vertrauen in die Konjunktur

Die Terroranschläge vor zwei Wochen in den Vereinigten Staaten haben das Vertrauen der Verbraucher in die US-Wirtschaft zumindest kurzfristig massiv beeinträchtigt. Ob dies zu einer länger dauernden Konsumzurückhaltung in den USA und damit auch zu einer anhaltenden Belastung der Weltwirtschaft führt, bleibt aber vorerst offen.

dc/mak/pw/tor DÜSSELDORF. Ähnlich wie der Internationale Währungsfonds (IWF) zu Wochenbeginn warnte gestern auch Bundesbankpräsident Ernst Welteke davor, die ökonomischen Folgen der Angriffe zu dramatisieren. "Die Anschläge sind kein Warnsignal für die Weltwirtschaft. Die Chancen stehen gut, dass wir schon im vierten Quartal wieder Wachstum sehen werden", sagte Welteke mit Blick auf Deutschland und die Euro-Zone. Für das dritte Quartal schließt er einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts freilich nicht aus.

Der von den Finanzmärkten mit großer Spannung erwartete Index für das US-Verbrauchervertrauen sank im September um 16,4 Punkte auf einen Stand von nur noch 97,6. Damit fiel das Konsumbarometer so stark wie seit Oktober 1990 nicht mehr, als irakische Truppen Kuwait besetzt hatten. Das vom privaten Forschungsinstitut Conference Board ermittelte Verbrauchervertrauen ist der erste Indikator für die amerikanische Wirtschaft, der auch die Zeit nach den Terroranschlägen in New York und Washington berücksichtigt. Für seine Berechnung werden insgesamt 5 000 Verbraucher nach ihren Einschätzungen über das Geschäftsklima, den Arbeitsmarkt und ihr Familieneinkommen befragt.

Aktienmärkte reagierten gelassen

Die Aktienmärkte reagierten auf den starken Rückgang gelassen. Obwohl der Indexwert klar schlechter ausfiel als von Analysten erwartet, setzten sowohl der amerikanische Dow-Jones-Index als auch der Deutsche Aktienindex (Dax) ihre Aufwärtstendenz bald nach Veröffentlichung der Daten fort. Cary Leahy, Analyst der Deutschen Bank in New York, verglich den aktuellen Indexverlauf mit dem zur Zeit des Golfkriegs. Damals erholte sich das Verbrauchervertrauen deutlich, nachdem Klarheit über die geplanten Militäraktionen geherrscht hatte.

Ein von der Nachrichtenagentur Bloomberg erhobener, noch aktuellerer Index zum Verbrauchervertrauen zeigte gestern sogar ein etwas verbessertes Konsumklima an. Von zentraler Bedeutung für die Einschätzung der weiteren Entwicklung und damit auch für das Urteil der US-Notenbank Fed bei ihrer Sitzung am Montag wird Leahy zufolge aber der Konsumklima-Index der Universität Michigan sein, der am morgigen Donnerstag veröffentlicht wird.

Bundesbankpräsident Welteke schließt weitere Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank nicht aus, falls die Wachstumserwartungen erneut deutlich nach unten gingen und so der Preisdruck weiter nachließe.

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