Welteke skeptisch bei Inflationsentwicklung
Bundesbankpräsident nicht erfreut über Konjunkturdaten

Der Rückgang der Auftragseingänge und die Entwicklung am Arbeitsmarkt sind nach den Worten von Bundesbankpräsident Ernst Welteke "alles andere als erfreulich". Dennoch sei da weder in Deutschland oder Europa noch in den USA eine Rezession zu erwarten.

rtr FRANKFURT. Die jüngsten deutschen Konjunkturdaten sind nach Aufassung des Bundesbankpräsidenten nicht erfreulich, aber kein Grund zur Besorgnis. "Der Rückgang der Auftragseingänge und die Entwicklung am Arbeitsmarkt sind alles andere als erfreulich", sagte Welteke am Dienstag am Rande einer Veranstaltung zur Euro-Bargeldeinführung in Frankfurt. Angesichts dieser Daten sei vor allem die Politik in Deutschland gefordert, mit Reformen zu höherem Potenzialwachstum beizutragen. Sorgen über das Wachstum mache er sich jedoch nicht, da weder in Deutschland oder Europa noch in den USA eine Rezession zu erwarten sei. Hinsichtlich der Inflationsentwicklung in der Euro-Zone zeigte sich Welteke skeptisch, dass die Teuerungsrate 2001 im Jahresmittel die EZB-Toleranzgrenze von 2,0 % erreichen werde.

Am Vormittag hatte die Bundesanstalt für Arbeit die deutschen Arbeitsmarktdaten für April veröffentlicht. Demnach stieg die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt um 6 000 auf 3,809 Millionen nach einem revidierten Plus von 14 000 im März. Die um saisonale Einflüsse bereinigte Quote blieb nach Angaben der Bundesbank jedoch unverändert bei 9,3 %. Am Montag hatte das Bundesfinanzministerium mitgeteilt, das deutsche Verabreitende Gewerbe habe im März um 4,4 % weniger Aufträge erhalten als im Februar. Vor allem das Volumen der Auslandsaufträge sank überdurchschnittlich stark um 7,0 %.

Die Zahlen signalisieren nach Einschätzung Weltekes die deutlichen Auswirkungen der Wachstumsverlangsamung in den USA auf Europa. Zugleich seien sie als Aufforderung an die Politik zu verstehen, ihre Reformanstrengungen voranzutreiben. "In erster Linie ist die Wirtschafts- und Strukturpolitik und überhaupt die allgemeine Politik gefordert, um zu einem höheren Potenzialwachstum in der Euro-Zone und in Deutschland beizutragen", sagte Welteke.

Trotz der gegenwärtigen konjunkturellen Schwäche besteht nach den Worten des Ratsmitglieds der Europäischen Zentralbank (EZB) jedoch kein Grund zur Sorge. "Wir befinden uns in einem Prozess der Anpassung an normale Wachstumsraten", sagte Welteke. Auf die Frage, ob eine Rezession im Sinne eines Negativwachstums in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen zu erwarten sei, antwortete Welteke: "Nein. Eine Rezession sehe ich weder in Deutschland noch in Europa noch in den USA." Bestätigt werde seine Einschätzung von dem unerwartet starken Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) im ersten Quartal. In den ersten drei Monaten 2001 wuchs die US-Wirtschaft um 2,0 % und damit knapp doppelt so stark wie von Analysten prognostiziert.

Den jüngsten Inflationsanstieg in Deutschland bezeichnete der Bundesbank-Chef als vorübergehend. Er beruhe vor allem auf dem "exorbitanten Anstieg des Benzinpreises" und den preistreibenden Auswirkungen der Maul- und Klauenseuche und der Rinderseuche BSE. Wegen dieser Faktoren werde der Zeitpunkt, zu dem die Teuerungsrate in der Euro-Zone auf die EZB-Toleranzgrenze von 2,0 % falle, weiter hinausgeschoben. "Ich hoffe aber, dass wir 2001 noch diese Marke erreichen werden. Im Jahresmittel dürfte dies aber schon sehr schwierig werden", sagte Welteke.

Seit vergangenem Juni liegt die Inflationsrate in der Euro-Zone über 2,0 % und betrug im März 2,6 %. In Deutschland war die Teuerungsrate im April auf 2,8 % (März: 2,5 %) und damit auf den höchsten Stand seit August 1994 gestiegen. Nach Definition der EZB ist bis zu einer Inflationsrate von 2,0 % mittelfristig Preisstabilität in der Euro-Zone zu gewährleisten.

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