Welteke: Strukturelle Probleme
Mehr Kreditausfälle für deutsche Banken zu erwarten

Die deutschen Banken haben nach Einschätzung von Bundesbankpräsident Ernst Welteke in diesem Jahr mit steigenden Kreditausfällen zu rechnen. "Das Jahr 2002 könnte ein kritisches Jahr werden", schrieb Welteke in einem Beitrag für die Freitagausgabe der "Börsen-Zeitung".

Reuters FRANKFURT. Trotz einer anziehenden Konjunktur im Jahresverlauf seien steigende Kreditausfälle und eine zunehmende Risikovorsorge der Kreditinstitute zu erwarten. "Erfahrungsgemäß erreichen die Unternehmensinsolvenzen erst mit einer Verzögerung von drei bis vier Quartalen nach dem Wendepunkt der Konjunktur ihren Höhepunkt." In den vergangenen Monaten hätten sich die "Problemfälle" und die Warnungen vor sinkenden Unternehmensgewinnen gehäuft.

Die Zahl der beantragten Insolvenzverfahren in Deutschland ist im vergangenen Jahr um mehr als ein Sechstel gestiegen. Davon waren rund 32 300 Unternehmen betroffen. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg um 14 %.

"Institute, die auf Grund einer angemessenen Risikokultur für die aktuelle Schwächephase gewappnet sind, dürften die Marktbereinigung gestärkt überstehen", prognostizierte Welteke. Den größten Anpassungsbedarf gebe es bei Genossenschaftsbanken, da die einzelne Institute dort die kleinsten Betriebsgrößen hätten. Für die Sparkassen geselle sich zum Konsolidierungsdruck auch die von der EU verlangte Abschaffung der Gewährträgerhaftung. "Die laufende Fusionswelle im deutschen Kreditgewerbe dürfte auf Grund von Brüsseler und Baseler Vorgaben verstärkt werden."

Das deutsche Kreditgewerbe habe wegen des hohen Wettbewerbs strukturelle Probleme - die Kosten seien zu hoch und die Ergebnisse mit seit Jahren anhaltender Abwärtstendenz zu niedrig. "Die sinkende Ertragskraft der Kreditinstitute ist ein deutliches Warnsignal. Sie mindert die Fähigkeit zur Eigenkapitalbildung und damit zur Absicherung gegen Risiken."

Die Herausforderungen für die deutschen Banken sind Welteke zufolge zwar "erheblich, aber überwindbar". Die aktuelle Situation biete auch die Chance zur Neuausrichtung. "Die Institute tun aber gut daran, auch bei anziehender Konjunktur und sich erholenden Wertpapiermärkten eine Verbesserung ihrer Ertragskraft nachhaltig anzustreben."

Wirtschaftsforscher erwarten für das laufende Jahr ein Anziehen der Konjunktur in Deutschland. Das Wachstum wird aber 2002 nach Einschätzung von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) noch dem der Euro-Zone hinterherhinken. Eichel erwartet jedoch, dies werde sich 2003 umkehren. Für 2002 prognostiziert die Bundesregierung 0,75 % Wachstum in Deutschland. 2001 war die deutsche Wirtschaft nur um 0,6 % gewachsen, nachdem im Vorjahr mit 3,0 % noch das stärkste Wachstum seit zehn Jahren erreicht worden war.

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