Weltenergieverbrauch wächst nur schwach
Turbulenzen bei den Preisen für Öl und Gas

Der globale Energiehandel wird von starken Turbulenzen geprägt. Die Preisvolatilität wird immer größer. Dies gilt insbesondere für Erdöl, zunehmend jedoch auch für Erdgas. Die Erlösschwankungen bei Kohle fallen indes moderat aus.

HB DÜSSELDORF. Bei allen fossilen Primärenergien drohen keine physischen Versorgungsengpässe. Im Gegensatz zu festen Brennstoffen, die weltweit gestreut sind, sind die globalen Erdöl- und Erdgas-Reserven auf geopolitisch höchst labile Regionen konzentriert. In den vergangenen Jahren ist das Wachstum des Weltenergieverbrauchs eingebrochen. Gleichzeitig wurden die Versorgungsquellen diversifiziert. Der internationale Energiehandel stieg überproportional.

Zu diesen Schlussfolgerungen kommt die BP-Gruppe, nach Exxon Mobil zweitgrößter privater Energieanbieter in der Welt und in Europa Nummer eins. In dem seit mehr als 50 Jahren regelmäßig veröffentlichten Überblick "Statistical Review of World Energy" stellen die BP-Experten heraus, dass extreme Ölpreisvolatilitäten seit dem Jahr 1998 die Anpassungsprozesse beherrschen. Zwischen 1987 und 1997 notierte das Nordseeöl Brent - Preisführerfunktion für Europa - im Durchschnitt etwas über 18 US-Dollar je Barrel ( $/b), wobei die Ausschläge während 80 % der Zeit auf einen Korridor von 3 $ begrenzt waren. Seit dem Jahr 1998 stieg der Brent-Preis im Trend auf 21 $/b; gleichzeitig wurde das Preisfenster beträchtlich ausgeweitet: Auf + 7 bis-7 $ im 80 %igen Raster.

Ähnliche Preisausschläge gab es auf dem US-Erdgasmarkt. In Europa - mit Ausnahme der britischen Inseln - sorgten langfristig angelegte Gaspreisformeln für eine Ausbalancierung der Ölpreisausschläge. Der Chefökonom der BP, Peter Davies, macht darauf aufmerksam, dass trotz dieser Ungleichgewichte in den letzten Jahren effiziente Anpassungsformen zum Zuge gekommen sind. Beim Erdöl - 40 %-Anteil am globalen kommerziellen Primärenergieverbrauch der Welt - ist die Zahl der Förderländer kräftig gestiegen. Zwischen 1996 und 2000 haben 18 Länder ihre Ölgewinnung nennenswert gesteigert, nämlich um jeweils mehr als 5 Mill. Tonnen im Jahr. Heute beläuft sich der grenzüberschreitende Handel auf 58 % des Weltölverbrauchs. Vor zehn Jahren waren es lediglich 49 %.

Auch beim Erdgas - der Anteil am Weltenergieverbrauch liegt bei 24 % - kommt dem internationalen Handel wachsende Bedeutung zu. Erdgas soll bis 2020/2030 die Wachstumsenergie Nummer eins werden. Allerdings liegt die Außenhandelsintensität mit einem Anteil von 29 % deutlich niedriger als beim Rohöl. Hinzu kommt, dass noch kein globaler Gasmarkt existiert. Bisher bestimmen weltregionale Teilmärkte - USA, Europa, Asien - das Bild. Wenn der Flüssiggashandel weiter vordringt, wachsen die Regionalmärkte - bislang dominiert von Pipeline-Gas in Europa und USA - weltweit zusammen.

Die BP-Auswertungen bestätigen, dass beim Öl und Gas längerfristig die Konzentrationsgrade eher wachsen als abnehmen werden. Auf die Golfanrainerstaaten und die Länder der früheren Sowjetunion entfallen sowohl beim Erdöl als auch beim Erdgas von den nachgewiesenen Reserven der Welt - mit bekannten Techniken und zu heutigen Preisen gewinnbar - mehr als 70 %. Die aktuellen Beiträge zur Weltproduktion erreichen hingegen für diese politisch unsicheren Lieferregionen lediglich 42 % (Erdöl) beziehungsweise 37 % (Erdgas). In den vergangenen Jahren hat der globale Energieverbrauch deutlich an Schwung verloren. Die Mehrzahl der Prognosen sieht langfristig eine Steigerungsrate von 2 % p.a. vor. Im Jahr 2001 stieg die globale kommerzielle Primärenergienachfrage konjunkturbedingt nur um 0,3 %.

Quelle: Handelsblatt

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