Weltgrößte Schuhmesse GDS beginnt am Donnerstag
Filialisten verdrängen Schuhboutiquen

In der Schuhbranche sinken die Umsätze. Besonders der Fachhandel spürt die Zurückhaltung der Verbraucher. Dabei wird der Wettbewerb immer stärker über den Preis ausgetragen.

HB DÜSSELDORF. Die Schuhdesigner passen sich der düsteren Stimmung in Deutschlands Kaufhäusern und Boutiquen an: Glamouröse Extravaganz ist out - die Schuhmode bewegt sich nun auch bei den Frauen Richtung Klassik und Basismode. Schwarz, asphaltgrau und torfbraun sind die Stiefel und Schuhe der laufenden Saison, mit speerartiger Spitze und eispickelähnlichen Absätzen. Doch schon im nächsten Frühjahr soll es wieder bunter und vielfältiger werden: Ab Donnerstag präsentieren 1 650 Aussteller vier Tage lang ihre neue Mode auf der weltweit größten Schuhmesse GDS in Düsseldorf.

Die Branche hat neue Kaufimpulse dringend nötig. Der Schuhfachhandel hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres rund 8 % bzw. 560 Mill. Euro weniger umgesetzt.

Branchenkenner machen die Schnäppchen-Mentalität vieler Verbraucher für diesen Rückgang verantwortlich. "Der Preis wird immer stärker zum entscheidenden Kriterium für Kauf oder Nichtkauf", sagt Winfried Toubartz, Geschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Schuheinzelhandels. Die Branche könne die Marktchancen nur mit ausgefeilten Konzepten realisieren. Für 2002 erwartet Toubartz für die 7 000 deutschen Fachgeschäfte einen Umsatzrückgang von 3 bis 5 %. Im vergangenen Jahr hat der Schuhhandel 9,6 Mrd. Euro umgesetzt, wobei mit 7 Mrd. Euro 73 % auf den Fachhandel entfielen.

Wie in anderen Branchen auch, setzen sich Filialisten und Discounter besonders erfolgreich durch. Die Schuhkette Deichmann betreibt mittlerweile rund 1000 Filialen in Deutschland. Das Essener Familienunternehmen - Europas größter Schuhhändler - habe seine Umsatz-Planzahlen im ersten Halbjahr zwar nicht ganz erreicht, der Ertrag sei jedoch gestiegen, sagt Geschäftsführer Heinrich Deichmann. Die Marke Deichmann setzt auf einfach eingerichtete Läden mit günstiger Ware. Selbst in Deutschland sieht Deichmann noch Raum für Expansion. Die Gruppe verkaufte 2001 weltweit 85 Millionen Paar Schuhe und setzte 2,2 Mrd. Euro um.

Auch die Hamburger Görtz-Gruppe will weiter wachsen. Das Familienunternehmen betreibt mittlerweile 240 Filialen in gut 90 Städten in Deutschland und Österreich. Auf vergleichbarer Fläche legte der Umsatz in 2001 um 3 % auf 296 Mill. Euro zu. In den ersten 8 Monaten des laufenden Jahres gab es ein leichtes Minus von knapp 1 %. Bis Ende des Jahres rechnet die Gruppe mit einer stagnierenden Entwicklung.

Görtz ist besonders erfolgreich mit Eigenmarken, darunter Belmondo, Cox und Görtz, die einen Anteil von 40 % am Gesamtumsatz haben. Nach Aussagen eines Sprechers arbeitet der Filialist rentabel. Bis zum Jahr 2010 will Görtz im Schnitt jährlich 20 Filialen eröffnen, auf Grund der schleppenden Konjunktur sind es im laufenden Jahr nur zehn.

"Die Polarisierung im Einzelhandel ist nicht aufzuhalten. Auf der einen Seite gibt es die Discounter, auf der anderen die profilierten Anbieter mit hoher Qualität und Aktualität", sagt Kerstin Lehmann, Partnerin der Unternehmensberatung OC&C in Düsseldorf. "Die unprofilierte Mitte wird aussterben."

Die Garant Schuh + Mode AG ist ein Unternehmen, das sich dieser Entwicklung entgegengesetzt hat. Als größte europäische Verbundgruppe des Schuh- und Lederwarenfachhandels ist sie in 14 Ländern mit knapp 5000 Händlern vertreten. Sie organisiert den Einkauf für ihre Mitglieder, übernimmt den Zahlungsverkehr und berät bei der Logistik. Garant hat seinen Umsatz im ersten Halbjahr um 9,5 % auf 597,9 Mill. Euro gesteigert. Der Gewinn legte sogar um 10 % auf 58,9 Mill. Euro zu. Trotz der angespannten Marktlage rechnet das Unternehmen damit, seinen Umsatz im laufenden Jahr um 4 % auf 1,22 Mrd. Euro steigern zu können.

Quelle: Handelsblatt

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