Weltgrößter Nahrungsmittelkonzern achtet auf regionale Vorlieben: Nestlé hat noch immer großen Appetit

Weltgrößter Nahrungsmittelkonzern achtet auf regionale Vorlieben
Nestlé hat noch immer großen Appetit

Maggi in Schweden schmeckt anders als Maggi in Italien. Der von Vevey am Genfer See aus gesteuerte Nestlé-Konzern nimmt auf den speziellen Geschmack seiner Kunden weltweit Rücksicht - das ist eines der Erfolgsrezepte des größten Nahrungsmittelproduzenten der Welt.

ZÜRICH. Mit dieser Achtung vor den vielen Geschmäckern ist Nestlé zu einem der wirklich global agierenden Konzerne geworden, diese Rücksicht sichert Nestlé auch den Erfolg in den wachtumsträchtigen Entwicklungsländern.

Dabei gehört es zur guten Tradition des auf Tradition bedachten Unternehmens, dass die Konzernleitung seit jeher viel Wert auf das Aufspüren profitabler Geschäftsbereiche legt. Dann müssen ständige Innovationen das Wachstum des Konzerns absichern. Denn auf das Renommee der Marken allein will man sich nicht verlassen, obwohl Hausmann und Hausfrau im Supermarkt am Schweizer Multi einfach nicht vorbeikommen. Den im Markenkorb der Schweizer finden sich so weltberühmte Namen wie Nescafé, Maggi, Thomy oder Smarties.

Doch längst ist Nestlé weit mehr als ein Lebensmittelhersteller. Im vergangenen Jahrzehnt hat der Konzern die Sparte Mineralwasser mit der Übernahme bekannter Weltmarken wie Vittel, Perrier und San Pellegrino aufgebaut. Diese edlen und entsprechend teuren Wässerchen sicherten dem Konzern in den entwickelten Ländern bedeutende Marktanteile.

Doch nicht nur mit Luxus-Sprudel macht man Geschäfte. Gerade in Entwicklungsländern ist der Bedarf an sauberem Trinkwasser sehr hoch. Die Schweizer nutzen deshalb ihren Namen Nestlé in Lateinamerika und Asien als Dachmarke für Trinkwasser in Flaschen. Da dieses Wasser nicht mehr aus einer bestimmten Quelle stammen muss, halten sich die Transportkosten in Grenzen, das Wasser bleibt erschwinglich. So hält Nestlé in Ländern wie Pakistan oder Indonesien im Wettbewerb mit dem französischen Rivalen Danone S. A. (Evian, Volvic) Schritt.

Nestlé ist immer auf der Suche nach den besonders attraktiven Wachstumsfeldern. Deshalb hat der Konzern im vergangenen Jahrzehnt die Sparten Eiskrem und Tierfutter erheblich ausgebaut. Das Ergebnis: In diesen Wachstumssparten belegt der Schweizer Multi heute weltweit Spitzenpositionen. Für Aufsehen sorgte unlängst die komplette Übernahme des amerikanischen Eiskremherstellers Ice Cream Partners mit der bekannten Marke Häagen-Dasz auf dem Speiseplan.

Möglich wird dieses Wachstum dank des stets steigenden Cash-flows, der auch Milliarden-Übernahmen gestattet. Jüngstes Beispiel: der Kauf des US-Tierfutterherstellers Ralston Purina für 10,3 Mrd. $. Doch wird nicht nur ständig ge-, es wird auch ständig verkauft im Hause der Welt-Marken. Konzernteile, die keine akzeptable Marge aufweisen, haben keine Chance. Dies gilt auch, wenn es sich - wie beim französischen Tiefkühlproduzenten Findus - um eine traditionsreiche Marke handelt.

Nestlé ist also immer in Bewegung, so hat der Konzern allein im ersten Halbjahr 2001 Wasserfirmen mit einem Jahresumsatz von 160 Mill. sfr zugekauft - weitgehend unbemerkt. Doch nicht nur über Zukäufe will der Weltkonzern wachsen, auch intern sind die Ziele hoch gesteckt: ein Realwachstum von vier Prozent. Dies sei ein "anspruchsvolles Ziel", unterstreicht Konzernchef Peter Brabeck-Letmathe. Der Konzerngewinn soll möglichst zweistellig wachsen. Unterstützung erhofft sich Brabeck durch das Rationalisierungsprogramm "Globe". Dabei dürfte auch der Außendruck eine Rolle gespielt haben: Spätestens die Sanierungsanstrengungen des schärfsten Konkurrenten Unilever N.V. haben den einst als etwas verschlafen geltenden Riesen aus der Schweiz aufgeweckt.

Im Geschäftsjahr 2000 und auch in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2001 hat Nestlé die selbst gesteckten Ziele erreicht. Damit zählt der größte Schweizer Industriekonzern zu den wenigen Unternehmen, die ihre Aktionäre nicht vor zu hohen Umsatz- und Gewinnerwartungen warnen mussten. Lohn der konstanten Geschäftsentwicklung: Eine deutlich über dem Schweizer Blue-Chip-Index SMI liegende Kursentwicklung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%