Weltgrößter Rückversicherer erhöht erneut die Preise
Münchener Rück scheut Prognose

Probleme bei der US-Tochter American Re und die Schwäche der Kapitalmärkte haben das Ergebnis der Münchener Rück im zweiten Quartal verhagelt. Der Kurs der Aktie brach ein. Der weltgrößte Rückversicherer will nach der Preiserhöhung nach den Terroranschlägen in New York weiter an der Preisschraube drehen.

mwb HB MÜNCHEN. Die Münchener Rück ist im zweiten Quartal in die roten Zahlen gerutscht. Als Grund nannte Controlling-Vorstand Jörg Schneider neben der bekannten Milliarden-Kapitalspritze für die angeschlagene US-Tochter American Re jetzt zusätzliche Wertberichtigungen auf die Kapitalanlagen in Höhe von 1,5 Mrd. Euro. Insgesamt addierten sich die außergewöhnlichen Ergebnisbelastungen auf 2,6 Mrd. Euro, woraus ein Quartalsverlust von 383 Mill. Euro resultierte. Der weltgrößte Rückversicherer kann diese Schläge ins Kontor aber durch Erlöse von 4,7 Mrd. Euro aus der Beteiligungsentflechtung mit der Allianz im ersten Halbjahr abfedern.

Seit Monaten drückt sich das Unternehmen um eine exakte Ergebnisprognose für 2002. Wegen der Unsicherheiten auf den Kapitalmärkten schloss Schneider weitere Abschreibungen auf Wertpapiere im dritten und vierten Quartal nicht aus. Weitere Unsicherheiten ergeben sich zudem aus der noch bevorstehenden Hurrikan-Saison. "Eine halbwegs verlässliche Prognose ist derzeit nicht möglich", sagte Schneider. Frühestens nach dem dritten Quartal könne er konkreter werden. Bislang hatte Vorstandschef Hans-Jürgen Schinzler als Ziel einen um Sondereffekte bereinigten Gewinn von 1,7 Mrd. Euro genannt. Nach wie vor wäre das Unternehmen froh, wenn dies erreicht würde, sagte Schneider. Vor allem die ungewisse Prognose sorgte an der Börse für einen Kursrutsch der Münchener-Rück-Aktie um zeitweise mehr als 7 Prozent.

"Der Effekt der Kapitalmärkte auf den Konzern belastet den Kurs", bestätigte Ralf Dibbern, Analyst von M.M. Warburg. Einige Analysten halten es für sehr wahrscheinlich, dass die 1,7 Mrd. Euro nicht erreicht werden. Sal. Oppenheim reduzierte die Gewinnschätzung für 2002, belässt ihr Anlageurteil jedoch auf "neutral".

"Die großen Sondereffekte verstellen etwas den Blick auf die Tatsache, dass die Qualität unseres Geschäfts heute deutlich besser ist als vor einem Jahr", betonte Schneider. Wegen der Börsenschwäche kann die gesamten Branche nicht wie in früheren Jahren Belastungen im Versicherungsgeschäft durch Aktiengeschäfte kompensieren. Das Unternehmen kündigte deshalb weitere Prämienerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich zum ersten Januar 2003 an.

Das Wachstum im ersten Halbjahr im Rückversicherungsgeschäft um dreißig Prozent stammt nach Angaben des Vorstands maßgeblich aus den bereits nach den Terroranschlägen in den USA vorgenommenen kräftigen Prämienerhöhungen. Insgesamt legte der Konzernumsatz um zweanzig Prozent auf 20,4 Mrd. Euro zu. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand weiterhin eine Steigerung der Bruttobeitragseinnahmen um zehn Prozent auf rund 40 Mrd. Euro an. Im nächsten Jahr könne der Rückversicherer die Schaden/Kostenquote unter die wichtige Marke von Undert Prozent drücken, sagte Vorstandsmitglied Clement Booth. Bei dieser Quote würden die Beitragseinnahmen die Ausgaben für Schäden und Verwaltung decken.

Durch die Flutkatastrophe erwartet die Münchener Rück eine Schadenbelastung von unter 500 Mill. Euro. Das sei mit drei Prozent im Bezug auf die Schadenquote noch im normalen Rahmen, sagte Schneider. Insgesamt nehmen die Risiken für Terroranschläge und Umweltkatastrophen nach Einschätzung von Vorstandsmitglied Stefan Heyd aber deutlich zu. Großschäden durch Naturkatastrophen in Höhe von 100 Mrd. Euro seien in Zukunft durchaus möglich. Das liege vor allem an der Bündelung der Risiken durch Klimaerwärmung, falsche Besiedlung und zunehmender Konzentration hoher Werte auf engem Raum.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%