Weltgrößter Touristikkonzern will Preise stabil halten
TUI leidet unter gedämpfter Reiselust

Viele Deutsche machen in diesem Jahr lieber Urlaub auf dem Balkon. Das beschert dem Touristikkonzern TUI in diesem Jahr deutliche Umsatzeinbrüche. Der Marktführer unter den deutschen Reiseveranstaltern verzeichnet in diesem Sommer einen Buchungsrückgang von 11,8 Prozent

Reuters HANNOVER/BINZ. Der weltweit größte Touristikkonzern TUI will die Einbußen in diesem Jahr noch deutlich verringern und mit Preisanreizen für die Wintersaison die Reiselust der Deutschen wieder wecken. Allerdings will der Branchenführer im größten europäischen Reisemarkt auf flächendeckende Preisnachlässe verzichten, wie sie der Veranstalter Neckermann des Konkurrenten Thomas Cook kürzlich angekündigt hat. "Wir halten Preise insgesamt stabil", sagte der Chef der Konzern-Tochter TUI Deutschland, Volker Böttcher, heute bei der Präsentation des Programms für die Wintersaison 2002/2003 in Binz auf Rügen.

TUI will Rückstand in Deutschland reduzieren

Zugleich kündigte Böttcher an, dass TUI in Deutschland den noch hohen Umsatzrückstand gegenüber dem Vorjahr von derzeit knapp zwölf Prozent in diesem Jahr noch unter zehn Prozent drücken wolle. Dieses Ziel sei ambitioniert, aber erreichbar, sagte Böttcher. Für den im November beginnenden kommenden Winter plane TUI Deutschland mit zahlreichen Preisanreizen und einer Offensive für Frühbucherrabatte ein Wachstum von neun bis elf Prozent und damit die Rückkehr auf das Niveau vor der seit einem Jahr andauernden Buchungsflaute.

In der laufenden Sommersaison habe sich das Umsatzminus gegenüber Juni von 12,4 weiter leicht auf 11,8 % verringert, sagte Böttcher. TUI stehe damit besser als der Markt da. Es gebe zudem mehrere Indikatoren, dass die Buchungszahlen in den kommenden Wochen spürbar zunehmen würden. Böttcher nannte das sich bessernde Konjunkturklima, den steigenden Außenwert des Euro und Erkenntnisse von Marktforschern, dass viele Deutsche ihre Reisepläne zwar zurückgestellt, aber nicht aufgegeben hätten. Somit strebe TUI auch für die in der Touristik entscheidende Sommersaison ein Minus unter zehn Prozent an, sagte Böttcher. Im vergangenen Winter hatte TUI neun Prozent weniger Umsatz verbucht.

Preisnachlässe ausschließlich zu Lasten der Hoteliers

Bei den Preisen werde ein großer Teil der Reisen trotz gestiegener Kosten infolge der Anschläge vom 11. September etwa bei der Flugversicherung oder der Sicherheit nicht teurer, sagte Böttcher. TUI gebe dabei ausschließlich die Vorteile aus den Preisverhandlungen mit den Hoteliers in den Urlaubsgebieten an die Kunden weiter.

Neckermann als wichtigster Veranstalter des Konkurrenten Thomas Cook hatte vorige Woche angekündigt, kommenden Winter würden 85 % seiner Reisen preiswerter. Der in Europa umsatzstärkste Veranstalter TUI Deutschland will nach den Worten Böttcher dagegen nur in ausgewählten Urlaubsregionen Reisen günstiger anbieten. Dazu zählen unter anderem Tunesien und Ägypten (jeweils minus drei Prozent), Italien und Zypern (jeweils minus zwei Prozent) und das Spanische Festland (minus ein Prozent).

Stabil blieben die Preise dagegen für Deutschland und Österreich, die Kanarischen Inseln, aber auch für die Balearen mit der Insel Mallorca als bislang wichtigstes Auslandsziel der Deutschen, die bislang noch um 26 % hinter dem Vorjahr zurückliege. Reisen in das mittlerweile wieder beliebte Reiseland Türkei werden bei TUI sogar um zwei Prozent teurer.

Die im Deutschen Aktien-Index (Dax) notierte TUI-Aktie, die am Vortag mit einem Minus von neun Prozent auf 19,75 ? zu den größten Verlierern des Tages gehörte, reagierte am Freitagvormittag positiv. Sie legte gegen den Trend um 1,77 Prozent auf 20,10 ? zu.

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