Weltmeister in die Wüste?
Häßler und Möller bei Abschied im Abseits

Sie haben alles gewonnen, waren Weltmeister und Europameister - doch bei ihrem Abschied von der Bundesliga-Bühne sind Thomas Häßler und Andreas Möller nur noch Randfiguren. Während "Biograf" Stefan Effenberg mit Brimborium seinen Abgang nach Katar inszeniert und auch Mario Basler wortreich seinen Wechsel in die Wüste verkündet, wird der Abgang der alternden Fußball-Virtuosen zu einem Paradebeispiel unglücklicher Karriereplanung.

HB/dpa MÜNCHEN. Von ihren Vereinen TSV 1860 München (Häßler) und FC Schalke 04 (Möller) haben die Mittelfeldmänner mehr oder weniger dezent den Laufpass erhalten. Die letzten Einsätze am Wochenende gleichen einem Gnadenbrot.

Rund ein Dutzend altgedienter Profis von Leverkusens Ulf Kirsten bis Michael Preetz von Hertha BSC stehen am Samstag vor ihren letzten Einsätzen. Der Abschied von Häßler und Möller zeigt allerdings besonders deutlich den bevorstehenden Generationenwechsel. In Stefan Reuter (Borussia Dortmund) wird künftig nur noch ein Weltmeister von 1990 in der Bundesliga aktiv sein.

Zum 400. und letzten Mal spielt Häßler am Samstag gegen den VfL Bochum in der Bundesliga und wird damit auch einen Schlussstrich unter eine demütigende Abschiedsposse ziehen. Während die 1860-Fans dem fast 37-Jährigen weiter förmlich zu Füßen liegen, dürfte "Icke" von den "Löwen" nicht mehr als einen Blumenstrauß erhalten. Auch bei seiner vorerst letzten Station blieb der gebürtige Berliner seinem Image als scheuer Star treu und zog sich den Ärger von Präsident Karl-Heinz Wildmoser zu, der den Fußballer der Jahre 1989 und 1992 gerne werbewirksamer eingesetzt hätte.

"Ich will die schönen Momente in Erinnerung behalten. Alles andere ist abgehakt", sagt Häßler. Gerüchte über seine Zukunft weist der 101fache Nationalspieler noch zurück. Angebote aus Katar sind offenbar vorhanden. "Es würde sicher Spaß machen, mit den Jungs da unten zu spielen", sagte er mit Blick auf ein mögliches Wiedersehen mit Basler und Effenberg.

Häßler erschien in der Opferrolle

Im Gegensatz zu den "Fußball-Rabauken" erschien Häßler in seinen 19 Profi-Jahren stets eher in der Opfer- als in der Täterrolle. Ob privat bei der Trennung von seiner Frau oder beruflich bei dem missglückten Engagement in Dortmund: Öffentliches Mitleid war dem Europameister von 1996 sicher. Baslers "Pizza-Affäre" oder Effenbergs Ärger um den "Stinkefinger" wären dem 1,66 m großen Freistoßkünstler wohl nie unterlaufen. Auch mit seiner Firma "mtm-music" produziert Häßler sanfte Töne.

Auch Andreas Möller steht angesichts seiner großen Titelsammlung vor einem ungewöhnlich stillen Abgang aus Deutschland. Im Gegensatz zu Häßler schaffte es der 35-Jährige zudem weder in der Heimat bei Eintracht Frankfurt noch bei Borussia Dortmund oder Schalke 04 in 417 Bundesliga-Einsätzen zum Publikumsliebling. Der Kontakt zu den Fans war nicht die Sache des wenig wortgewandten "Turbo-Möller", der bei der Europameisterschaft 1996 in England mit dem entscheidenden Elfmetertor gegen England den Weg ins Finale ebnete.

Im Frühjahr hatte der ehemalige Italien-Legionär (Juventus Turin) noch heftig mit einem Engagement in den USA geliebäugelt. Nun soll auch dem 85fachen Nationalspieler ein Angebot aus Katar vorliegen.

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