Weltmeisterschaft
Beim Fußball endet die große Koalition

Dieser Tage dreht sich in der Republik alles um die Auftritte der deutschen Nationalmannschaft - selbst in Regierungskreisen. Kunstvoll wird der politische Tagesablauf in Berlin um die deutschen Spiele gelegt. Dabei zeigt sich wieder deutlich, wie fern man sich in der großen Koalition tatsächlich ist.

BERLIN. Rückzieher hat die Bundesregierung ja schon gemacht. Aber am Dienstag gab es nun auch eine "Welle" des Kanzleramtschefs zu sehen. Denn die CDU-Fraktion hatte zum Klassenausflug in die Adidas-Arena vor dem Reichstag gebeten. Dort jubelte nicht nur Fraktionschef Volker Kauder mit Deutschland-Tattoo auf der Backe oder Generalsekretär Ronald Pofalla mit einem schwarz-rot-gelben Polyester-Schal der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu. Auch der Chef des benachbarten Kanzleramts war erschienen. Und obwohl Thomas de Maizière bisher nicht gerade als Heißblüter der Regierung aufgefallen ist, rissen die nationale Fußballbegeisterung und der 3:0-Sieg der Deutschen auch ihn immer wieder vom Stuhl.

Tatsächlich erfasst der wachsende Fußballtaumel mittlerweile den politischen Alltag in Berlin. Die Fernsehanstalten sorgen dafür, dass die Nation während der Spiele keine Gefühlsregung der Kanzlerin mehr verpasst. Und fintenreich organisierten die Bundestagsfraktionen ihre Beratungen um das Spiel gegen Ecuador herum.

Wie diszipliniert Abgeordnete dabei in der wichtigen Haushaltswoche sein können, überraschte selbst Bundestagspräsident Norbert Lammert. Minutiös hielten sich die Abgeordneten am Dienstag an ihre Redezeit. "Das war mir in Haushaltsdebatten bislang nicht bekannt", staunte Lammert. Doch das wahre, wenn auch heimliche Ziel der Politiker war am Dienstag ohnehin nicht der Etat 2006, sondern der Anpfiff um 16 Uhr. Punkt 15.36 Uhr war die Debatte beendet.

Die CDU-Fraktion hatte wegen des Deutschland-Spiels sogar vorher kurz entschlossen ihre Fraktionssitzung vom Dienstagnachmittag auf Montag vorverlegt. Die SPD traf sich ausnahmsweise am Morgen. Und als ob sie es geahnt hätten, halten Grüne, FDP und Linkspartei in Haushaltswochen ihre Fraktionssitzungen ohnehin bereits am Montag ab.

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