Weltölkonferenz in Osaka
Analyse: Ölpreisexplosion schadet allen Akteuren

Produzenten- und Verbraucherländer haben aus den Ölpreiskrisen der Vergangenheit hoffentlich gelernt. Bei starken Schwankungen der Rohölnotierungen drohen gesamtwirtschaftliche Ungleichgewichte. Am Ende geraten alle Volkswirtschaften auf die Verliererstrecke.

Im japanischen Osaka stehen zwei Konferenzen über die Perspektiven der Weltölversorgung an. Am Donnerstag treffen sich die Ölminister der vor 32 Jahren gegründeten "Organization of the Petroleum Exporting Countries (Opec)".

Dabei soll eine Erhöhung der Erdölförderquote beraten werden. Ob es zu einer Lockerung des Produktionslimits kommen wird, ist noch offen. Am Wochenende wird das achte internationale Energieforum veranstaltet. Energiepolitiker aus den wichtigsten Verbraucher- und Förderländern debattieren über Möglichkeiten der Verstetigung der Ölpreisentwicklung.

Die beiden Spitzentreffen sind schon lange geplant. Vor dem Hintergrund der Eskalationsgefahren in der Irak-Krise genießen die Konsultationen diesmal besondere Aufmerksamkeit. Denn die spekulativ aufgeheizten Weltölmärkte brauchen dringend Beruhigungssignale, damit die Stimmung auf eine nachhaltige Preishausse nicht weiter steigt und im Anschluss daran gravierende gesamtwirtschaftliche Ungleichgewichte ausgelöst werden.

Allerdings ist kaum zu erwarten, dass in Osaka die Gefahren eines kräftigen Ölpreisschubs gebannt werden können. Es ist schon ein Erfolg, wenn die Märkte glaubwürdige Signale erhalten, dass der Einsatz der Ölwaffe von den arabischen Opec-Mitgliedern nicht geplant ist und die Ölhähne zur Beruhigung der Preise im Herbst sowie Winter stärker aufgedreht werden.

Die Turbulenzen auf den Weltölmärkten sorgen derzeit für wachsende Nervosität. Es droht eine Selbstverstärkung der Preisspirale nach oben, wenn in den kommenden Wochen die relativ gering gefüllten Lagervorräte rasch aufgestockt werden sollten. Die Ängste vor Lieferstörungen mit Hortungskäufen und der saisonal höhere Winterbedarf könnten das Erdöl nachhaltig verknappen.

Die Erhöhung der Erdölpreise um 60 Prozent seit Ende 2001 bringt dabei die eher schwache Weltkonjunktur schon heute kräftig ins Trudeln. Sollte es zu einem längeren Krieg im Nahen Osten kommen, ist sogar ein Hochschnellen der aktuellen Rohölnotierungen von 26 bis 30 Dollar je Barrel (159 Liter) auf 40 Dollar und mehr möglich. Eine weltkonjunkturelle Talfahrt ist dann nicht länger auszuschließen.

Ein solches Szenario muss allerdings nicht eintreten. Ein Ausfall der irakischen Ölexporte von knapp drei Prozent des internationalen Ölhandels kann selbst bei dem saisonal steigenden Winterbedarf und trotz geringer kommerzieller Lagervorräte ohne größere Friktion verkraftet werden. Doch sieht die Versorgungslage völlig anders aus, wenn Lieferstörungen auf die übrigen Golfanrainer durchschlagen sollten. Immerhin steuert der Nahe Osten beinahe 45 Prozent zum international gehandelten Ölaufkommen bei. Bei einer drastischen Ölverknappung durch den weitgehenden Ausfall arabischer Exporte können auch die strategischen Ölvorräte der Industrieländer eine Mangellage nicht beseitigen. Dann müssen wohl staatliche Bewirtschaftungsmaßnahmen zum Zuge kommen.

Der Irak ist im Kartelllager isoliert und wirkt seit August 1990 nicht mehr bei der Festlegung von Produktionsquoten mit. Bagdad wird bei seinen Ölausfuhren durch Uno-Auflagen kontrolliert. Die Opec 10 stimmt darin überein, dass eine Explosion der Ölpreise den Mitgliedern schaden würde. Die Kartellmitglieder haben aus der ersten Ölpreiskrise gelernt. Damals ließen Embargomaßnahmen der arabischen Opec-Gruppe während des Jom-Kippur-Krieges im Herbst 1973 die Ölnotierungen hochschnellen.

Der Schah-Sturz im Iran führte 1979/80 zu einer weiteren Krise. Die Opec-Länder verloren bei den damaligen Hochpreisen von zeitweise deutlich über 35 Dollar massiv Marktanteile an kartellungebundene Konkurrenten. Hatte die Opec Mitte der 70er-Jahre noch beinahe 55 Prozent zur Weltölproduktion beigesteuert, so waren es zehn Jahre später nur noch knapp 30 Prozent. Heute wird die 40-Prozent-Marke gestreift.

Ein allzu starkes und anhaltendes Ausbrechen aus dem vom Kartell favorisierten Preiskorridor zwischen 22 und 28 Dollar soll verhindert werden. Darüber ist sich die Mehrheit der Ölminister der Opec einig. Doch wird kontrovers diskutiert, wie hoch der Krisenaufschlag durch den befürchteten Irak-Krieg heute schon ausfällt. Diese "Kriegsprämie" wird auf fünf bis acht Dollar veranschlagt. Ohne eine Eskalation im Zweistromland dürften die Erdölpreise damit auf 18 bis 23 Dollar fallen.

Opec-Länder wie Venezuela und Kuwait sorgen sich daher, dass der Preiskorridor schon bald nach unten getestet werden könnte - für den Fall eines ausbleibenden Golfkriegs oder bei einem sehr raschen Sieg über Saddam Hussein.

Unabhängig von der Ausgestaltung des neuen Opec-Produktionsabkommens wird es bis zum Wochenende wichtig sein, dass Verbraucher- und Förderländer zu einer fairen Abstimmung von Interessen kommen. Es sind erhebliche Investitionen notwendig, damit die Diversifizierung der künftigen Ölversorgung gelingt.

Auch die Verbraucherländer gewinnen nur kurzfristige Vorteile bei einem Einbruch der Weltölpreise. Umgekehrt brauchen die versammelten Opec-Länder Zusagen, dass nicht weiter an der Ölsteuerspirale gedreht wird.

Es ist kaum zu erwarten, dass in Osaka die Gefahren eines Ölpreisschubs gebannt werden können. Ein Erfolg wäre schon, wenn die Märkte Signale erhalten, dass der Einsatz der Ölwaffe von den Opec-Mitgliedern nicht geplant ist.

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