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Weltraumraumfahrstuhl nicht nur Vision?DPA-Datum: 2004-06-29 16:29:56

Washington (dpa) - Die Vision ist mehr als 100 Jahre alt, aber jetzt könnte sie bald Wirklichkeit werden: ein Weltraumfahrstuhl bis in eine Höhe von 100 000 Kilometern. Raumschiffe würden dann im Weltall montiert, auch ärmere Länder hätten Zugang zum Orbit, Satelliten könnten repariert und müssten nicht durch neue ersetzt werden.

Washington (dpa) - Die Vision ist mehr als 100 Jahre alt, aber jetzt könnte sie bald Wirklichkeit werden: ein Weltraumfahrstuhl bis in eine Höhe von 100 000 Kilometern. Raumschiffe würden dann im Weltall montiert, auch ärmere Länder hätten Zugang zum Orbit, Satelliten könnten repariert und müssten nicht durch neue ersetzt werden.

Davon schwärmt der Leiter des Projektes Bradley Edwards aus Fairmont im US-Bundesstaat Westvirginia. Die Energie von Sonnenkollektoren im All würde zur Erde übertragen, und selbst Weltraumobservatorien oder außerirdische Siedlungen sind nach seinen Worten denkbar.

Edwards hat daneben auch eins im Sinn: Statt mit teurer Raketentechnologie will er mit dem Fahrstuhl bemannte Weltraummissionen einfacher und billiger zum Mond oder zu Venus, Mars und Jupiter schicken. Im Jahr 2000 hat er mit seinem visionären Vortrag erstmals für großes Aufsehen gesorgt. Jetzt beraten auf einer dreitägigen internationalen Konferenz, die an diesem Mittwoch in Washington endet, Wissenschaftler über ingenieurtechnische sowie wirtschaftliche und Sicherheitsaspekte eines solchen Lifts.

«Nichts muss neu entdeckt oder von Grund auf neu erfunden werden», sagte Edwards dem auf Luftfahrt spezialisierten Internet-Portal space.com. In 15 Jahren könnte der Traum verwirklicht sein, glaubt er. Das wäre ein Jahr früher, als der von US-Präsident George W. Bush für 2020 avisierte bemannte Raumflug zum Mars und darüber hinaus.

Die Idee Edwards klingt frappierend einfach. Zuerst will er nur ein fünf Zentimeter breites Band, das jedoch dünner ist als ein Blatt Papier, ins Weltall schaffen und dann mit einer flexiblen Plattform rund 1600 Kilometer westlich von den Galapagos Inseln im Pazifischen Ozean verbinden. Im Laufe von fast zweieinhalb Jahren soll dieses Band auf knapp einen Meter verstärkt werden. Es wäre dann stabil genug, um knapp 14 Tonnen Ladung in die Höhe zu ziehen. Die Transportkosten könnten von derzeit 10 000 bis 40 000 Dollar je halbes Kilo Weltraumladung auf rund 100 Dollar sinken, verspricht Edwards.

Als Material dienen so genannte Kohlenstoffnanoröhrchen. Diese sind rund 10 000 Mal kleiner als ein menschliches Haar, aber mehr als 100 Mal zugfester als Stahl. Durch die Erdanziehung am unteren Ende sowie die Zentrifugalkräfte durch die Erdumdrehung am anderen Ende bleibe das Band auf Spannung, erklärt Edwards.

Auch für die Energieversorgung hat der Weltraumpionier eine Lösung parat: Weil Solarzellen allein nicht effizient genug und Nukleartechnologie zu schwer ist, soll ein großer Laser genug Energie für den Fahrstuhlmotor liefern. Edwards glaubt auch, dass die größten natürlichen Feinde seines Lifts wie Stürme, Meteoriten, Weltraummüll, elektromagnetische Felder sowie die Erosion in der oberen Atmosphäre durch technische Lösungen zu bändigen sind.

Zur Umsetzung des kühnen Projekts mangelt es Edwards vor allem noch am nötigen Geld. Die Herstellungskosten sollen sich auf rund 8 Milliarden Dollar (7 Milliarden Euro) belaufen. Bislang hat die US- Weltraumbehörde 500 000 Dollar investiert und der US-Kongress weitere 2,5 Millionen Dollar in Aussicht gestellt.

Die Idee eines Weltraumfahrstuhls geht auf den russischen Weltraumpionier Konstantin Ziolkowsky zurück. Dieser schlug 1895 vor, einen Turm ins All zu bauen und daran ein Kabel anzubringen. 1957 hatte der Russe Juri Artsutanow die Idee, ein Kabel von einem Satelliten herunterzulassen. Dies scheiterte jedoch an fehlenden Materialien.

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