Weltreiterspiele 2006
Die Aachener jonglieren mit Millionen

Für die Weltreiterspiele in Aachen 2006 läuft der Countdown. Mit einem Budget von 36 Millionen Euro will der Aachener Laurensberger Rennverein das WM-Vorhaben bewerkstelligen.

AACHEN. Das Jahr 2006 ist das Jahr der Weltmeisterschaften in Deutschland. Sechs Wochen nach den Fußballern werden in Aachen gleich sieben Weltmeister ermittelt, die sich das Pferd als "Sportgerät" ausgesucht haben (22. August bis 3. September 2006). Der Countdown läuft, das Logo und die Investitionspläne wurden am Eröffnungstag des 66. CHIO in Aachen Anfang der Woche vorgestellt. Dabei dreht der Aachen Laurensberger Rennverein (ALRV) schon mit dem offiziellen Reit- und Fahrturnier CHIO, der größten jährlichen Pferdesportveranstaltung der Welt, ein großes Rad. Mit einem Budget von 36 Mill. Euro wollen die Aachener nun das WM-Vorhaben bewerkstelligen. Das 66. CHIO anno 2003 kostet 8,5 Mill. Euro.

Basis der Finanzierung der Word Equestrian Games (WEG) ist ein Zuschuss des Landes Nordrhein-Westfalen von 12,9 Mill. Euro. Den haben die Aachener zwar noch nicht, "aber wir gehen nach der mündlichen Zusage davon aus, das wir damit kalkulieren können", so ALRV-Präsident Klaus Pavel. Vom Bund wird nichts zu erwarten sein, Bundesinnenminister Otto Schilly, Gast der Eröffnungsveranstaltung am Dienstag in Aachen, winkte ab: "Wir haben nichts." Dennoch rechnen die Pferdesportler von dieser Seite mit einer Unterstützung. Jürgen R. Thumann, Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, des Dachverbands aller Pferdesportler in Deutschland, deutete an: "Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen." Wenn die Fußball-Weltmeisterschaft mit Steuergeldern unterstützt wird, wollen die Reiter, Fahrer und Voltigierer nicht leer ausgehen.



Manchem Gönner geht die Puste aus

Ohne Steuergelder geht?s also nicht - selbst wenn der ALRV fünf Mill. Euro locker machen will und die Hälfte des 36-Mill.-Euro-Vorhabens aus Sponsoringeinnahmen, Eintrittskarten, TV-Rechte, die Ladenstraße, oder der Vergabe von Lizenzen erwirtschaften will. Die weltweiten Marketingrechte liegen beim ALRV ebenso wie die europäischen TV-Rechte. Die Preisgelder während der Veranstaltung belaufen sich auf 1 353 000 Euro

.

Auf ihr jährliches Großereignis CHIO wollen die Aachener selbst im WM-2006 nicht verzichten. Und da geht dann selbst den potentesten Gönnern schon mal die Puste aus. Für die WEG werden gleich acht Hauptsponsoren gesucht, einer für jede Disziplin und ein übergreifender. Michael Mronz, Geschäftsführer der ART, gibt sich dennoch zuversichtlich: "Vier haben wir bereits." Bis auf den Namen Daimler-Chrysler wollte er jedoch noch keine weiteren nennen.

Wenn zu den Weltreiterspielen 500 000 Zuschauer kommen, 800 Teilnehmer mit 875 Pferden anreisen, dann reichen selbst die bereits großzügigen Anlagen in der Aachener Soers nicht aus. So ist im Jahr 2005 ein Neubau zweier Tribünen im Springstadion geplant, was die Kapazität von 44 000 auf 65 000 erhöhen würde. An der Ostseite des Stadions wird eine komplett neue Tribüne mit integriertem Pressezentrum errichtet, ebenso überlegt man, die Mercedes-Benz-Tribüne neu zu gestalten. Daneben werden ein erneuerter Hallenbereich, ein Veterinärbereich sowie die Änderungen der Infrastruktur des Geländes geplant.

Goetz fordert Schadensersatz

Gleichwohl lasten auf dem ALRV immer noch mehrere Schatten - Schadensersatzklagen von mehr als 7,5 Millionen Euro. Der Rechtsstreit reicht auf Jahr 1994 zurück. Nach dem bisher letzten Urteil des Oberlandesgerichts Köln müssen die Aachener lediglich 600 000 Euro zahlen, "für die es Rücklagen gibt", wie ART-Geschäftsführer Mronz versichert. Es steht noch ein Urteil des Bundesgerichtshofes aus. Sollte das zu Ungunsten der Aachen ausgehen, wären über vier Millionen Euro fällig. Beim Landgericht Aachen liegt eine weitere Klage über 3,58 Mill. Euro vor, über die nach Angaben eines Gerichtssprechers gegenüber der Nachrichtenagentur dpa erst nach Abschluss des Karlsruher Verfahrens entschieden werden soll.

1994 hatten die Turnierorganisatoren Verträge mit dem damaligen Vermarkter Wolfgang Goetz und seiner Agentur Gesellschaft für Entwicklung von Medienprojekten (GEM) gekündigt. Zwar hatte Goetz die Einnahmen aus Sponsoring und Bandenwerbung in seiner rund vierjährigen Tätigkeit um mehr als 50 Prozent gesteigert. Allerdings ärgerte es das ALRV-Präsidium, dass Goetz dafür 40 Prozent Provision kassierte. Goetz forderte nach der Kündigung zunächst 8,2 Mill. Mark Schadensersatz.

Die ALRV-Verantworlichen demonstrieren Gelassenheit. Ein Urteilsspruch wird erst dann erwartet, wenn die Weltmeister 2006 ihre Medaillen längst nach Hause gebracht haben.

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