Weltweit längstes Unterseekabel beschädigt
Kabelschaden blockiert Australiens Webnutzer

tnt/HB FRANKFURT/SIDNEY. Millionen von Internetnutzern in Australien, Asien und Europa haben den Ausfall des weltweit längsten Unterwasserkabels zu spüren bekommen. Am schlimmsten hat es rund 500 000 Kunden des größten australischen Internetzugangs-Anbieters Telstra getroffen, die stundenlang nicht mehr ins Internet kamen.

Rund 60 Kilometer vor der Küste Singapurs war es am Montag aus bisher noch ungeklärter Ursache im Unterseekabel "Sea-Me-We-3" (South East Asia Middle East West Europe 3 Fiber Optic Cable Network) zu einem Kabelbruch gekommen. "Die Bruchstelle liegt in 25 Metern Meerestiefe", sagte Telstra-Sprecher Stewart Gray. Wegen der geringen Wassertiefe komme ein Schiffsanker als Ursache in Frage. Das Kabel könne aber auch durch ein Seebeben beschädigt worden sein.

Das Telstra-System brach nach der Panne wegen Überlastung zunächst einmal zusammen. Australiens größter Internet-Provider leitet über das beschädigte Kabel rund 60 % seines internationalen Internet-Datenverkehrs. Nach der Unterbrechung der Unterseeverbindung erreichte das Telstra-Netz gerade noch 30 % seiner normalen Leistungsfähigkeit - im Laufe der nächsten Stunden sank die Leistung weiter, da ein Teufelskreislauf aus ständigen Anfragen nach nicht erreichbaren Web-Seiten die Kapazität sogar über das normale Maß hinaus belasteten.

Telekommunikationsbehörden in Singapur und Indonesien entsandten am Dienstag ein Reparaturschiff zur mutmaßlichen Stelle der Beschädigung. Die Genehmigung der indonesischen Behörden lässt aber noch auf sich warten. Da die genauen Umstände der Beschädigung noch unklar seien, könne ein Termin für die Reparatur nicht genannt werden, sagte Gray weiter. In den kommenden Tagen werde daher der Internetzugang für Millionen Benutzer langsamer werden.

Am Dienstag wurde ein großer Teil des Internet-Datenverkehrs von der Telstra auf ein alternatives Unterseekabel umgeleitet. Betroffen ist ebenfalls der Datenverkehr in Singapur und Indonesien. Auch Singapore Telecommunications Ltd. hat inzwischen nach eigenen Angaben den Großteil des Datenverkehrs auf andere Kabel umgeleitet. Zu Störungen kam es auch in Indonesien. "Wir haben durch den Kabelbruch rund 20 % unserer internationalen Telekom - und Internet-Kapazitäten eingebüßt", schätzt ein Techniker der indonesischen Telekomgesellschaft Indonesia Satellite Corp.

Das Kabel ist erst ein Jahr alt

Das umgerechnet mehr als zwei Mrd. DM teure Kabel Sea-Me-We-3 war erst im vergangenen Jahr in Betrieb genommen worden. Die Verbindung hat 40 Knotenpunkte in 34 Ländern und erstreckt sich von Westeuropa bis nach Asien und Australien. Weltweit sind 40 Telekomgesellschaften Teilhaber des Projekts, darunter Telstra, SingTel, Indosat, HongKong Telecom. Sea-Me-We-3 soll im Laufe der nächsten Zeit allerdings durch eine weiteres Kabelnetz ergänzt werden.

In der bislang spärlichen Internet-Anbindung Australiens liegen nach Ansicht von Experten auch die Gründe für die gravierenden Folgen des Kabelbruchs. "Zwischen den USA und Europa hätte ein solcher Zwischenfall nicht solche Auswirkungen", schätzt Hans Wulff, Geschäftsführer des Internet-Netzwerkbetreibers Genuity. "Dort liegen inzwischen so viele Kabel, dass im Ernstfall der Datenverkehr auf parallele Kabel umgeleitet würde."

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