Weltweit sollen weitere 1 200 Stellen abgebaut werden
Weiterer Stellenabbau bei BASF nach Ergebnisrückgang

Europas größte Chemiegruppe BASF hat im abgelaufenen Quartal im Zuge der konjunkturellen Abkühlung einen deutlicheren Ergebnisrückgang als von Analysten erwartet hinnehmen müssen und den Abbau von 1 200 weiteren Arbeitsplätzen angekündigt.

rtr LONDON. Auch für das Gesamtjahr werde ein Rückgang des Betriebsergebnisses vor Sondereinflüssen aus dem fortgeführten Geschäft erwartet, teilte der Konzern am Dienstag in London mit. Im zweiten Quartal fiel das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14,9 % auf 751 Mill. ?. Analysten hatten 835 Mill. ? erwartet. Branchenexperten nannten die Zahlen enttäuschend und bemängelten unter anderem den geringer als erwarteten Ergebnisanstieg im Pflanzenschutzgeschäft. Die BASF-Aktie gab in einem schwachen Marktumfeld 0,9 % auf 45,70 ? nach.

Der weitere Abbau von 1 200 Stellen betreffe aber nur Arbeitsplätze außerhalb Deutschlands, sagte ein Sprecher zu dem Restrukturierungsprogramm. Durch die zusätzlichen Kürzungen erhöhe sich die Zahl der abzubauenden Arbeitsplätze in diesem Zeitraum weltweit auf 4 000. Rund 1 900 Stellen davon sollen nach Angaben des Sprechers in Deutschland wegfallen, was Bestandteil der vor einigen Monaten getroffenen Vereinbarung 2003 am Standort Ludwigshafen sei.

Durch das Restrukturierungsprogramm, das auch die Schließung von Standorten und Anlagen vorsieht, sollen nach BASF-Angaben jährliche Kosten von 400 Mill. ? eingespart werden. 2002 sollen durch Standortschließungen Einsparungen von 190 Mill. ? erreicht werden. Im zweiten Quartal seien durch die Maßnahmen Sonderaufwendungen von 450 Mill. ? angefallen.

"Druck auf Verkaufspreise hält an"

"Angesichts der großen Volatilität müssen wir akzeptieren, dass das gute Ergebnis des Jahres 2000 in diesem Jahr nicht erreicht wird", sagte Konzernchef Jürgen Strube. Schwierig sei gewesen, gestiegene Rohstoffpreise auf die Verkaufspreise umzumünzen. BASF erwarte zwar nunmehr geringe Verbesserungen, der Druck auf die Verkaufspreise halte aber weiter an. Mit einer Aufhellung der Chemiekonjunktur sei erst 2002 zu rechnen. In den ersten Wochen des dritten Quartals habe der Abschwung weiter angehalten. Entscheidend für das Geschäft sei nun, wie der September verlaufe. Gegenwärtig sei in den USA und auch in Japan eine konjunkturelle Besserung nicht auszumachen. Der Konzern hatte bereits im Juni als erstes großes Unternehmen der deutschen Chemiebranche vor einem Ergebnisrückgang im Quartal gewarnt. Mittlerweile nahm auch der Dachverband der deutschen Chemieindustrie VCI seine Prognosen für das Gesamtjahr 2001 zurück. International hatten unter anderem die großen US-Chemiekonzerne Dow Chemical und Dupont bereits gesunkene Quartalszahlen vorgelegt.

Das Chemiegeschäft habe besonders unter der aktuellen Nachfrageschwäche gelitten, hieß es bei BASF. Insgesamt sei das wirtschaftliche Umfeld im Quartal schwierig gewesen. Dennoch hätten nach Steuern alle Unternehmensbereiche schwarze Zahlen geschrieben. Unter den gegenwärtige Bedingungen sei aber das mittelfristige Ertragsziel, das Ergebnis vor Sondereinflüssen aus dem fortgeführten Geschäft in den Jahren 2000 bis 2002 um durchschnittlich zehn Prozent zu erhöhen, nur mit äußersten Anstrengungen zu erreichen, sagte Strube. Dazu sei ein wesentlicher Wirtschaftsaufschwung in den OECD-Staaten bis zum Jahreswechsel erforderlich.

Kauf der Insektizidsparte von Aventis möglich

Den weiteren Angaben zufolge verzeichnete BASF im zweiten Quartal beim Umsatz einen Rückgang um 7,1 % auf 8,329 Mrd. ?. Im Öl- und Gasgeschäft kletterte das Ergebnis vor Sondereinflüssen um 53 % auf 378 Mill. ? und trug damit praktisch die Hälfte zum Konzernergebnis bei, obwohl dessen Umsatzbeitrag weniger als ein Achtel ausmacht. Bei den Chemikalien sank das Betriebsergebnis vor Sondereinflüssen im Vorjahresvergleich den Angaben zufolge um 37,9 %, bei Kunststoffen und Fasern ging es um 69,6 % zurück. Farbmittel und Veredelungsprodukte verbuchten einen 19,9 prozentigen Ergebnisrückgang. Pflanzenschutz und Ernährung erhöhten ihr Ergebnis vor Sondereinflüssen zusammen um 21,9 %, der Pflanzenschutz dabei um gut 17 %. Strube deutete dabei einen möglichen Kauf der Insektizidsparte von der Aventis-Tochter Crop Science an. "Wir sind in der Tat gewillt und interessiert (...) das Insektizid-Geschäft zu erwerben, sollten Kartellbehörden die Abgabe dieser Geschäfte verlangen", sagte Strube. Aventis und die Bayer AG hatten vor kurzem exklusive Verhandlungen über die Aventis-Tochter CropScience angekündigt. Branchenexperten halten es für möglich, dass im Zuge der Übernahme durch Bayer die Insektizid-Sparte an BASF abgegeben wird, um möglichen kartellrechtlichen Einwänden vorzubeugen.

"Was uns besonders enttäuscht hat, war das Ergebnis vor Sondereinflüssen des Agrogeschäfts", sagte Peter Mackey, Analyst bei der Dresdner Kleinwort Wasserstein zu den Quartalszahlen. Trotz der Konsolidierung der American Cynamid sei es nur um 17 % gestiegen. Hier sei mindestens eine Verdoppelung erwartet worden. BASF hatte im vergangen Jahr die American Cynamid vom US-Konzern AHP übernommen.

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