Weltweite Ernüchterung
Chiphersteller können noch nicht aufatmen

Ursprünglich war für die Halbleiterbranche nach dem herben Einbruch 2001 für dieses Jahr ein deutlich besseres Geschäft erhofft worden. Mittlerweile sind Experten jedoch ernüchtert. Sie erwarten für die kommenden Monate zwar noch einen leichten Aufschwung, dieser werde aber nur saisonal bedingt sein.

Reuters FRANKFURT. "Die Ernüchterung ist nicht zu übersehen", sagt Andre Jäckel, Analyst bei ABN Amro. "Ein großer Teil der Halbleiterunternehmen hat die Erwartungen für die kommenden Quartal nach unten revidieren müssen." Jürgen Wagner von Sal. Oppenheim erwartet zwar eine Erholung für die Branche: "Diese wird aber nur saisonal bedingt sein. Mehr nicht!" Probleme sehen die Experten vor allem bei der Nachfrage nach PCs und Handys und dem Preisdruck bei den Speicherchips. Am Freitag teilte Infineon bei Vorlage der Quartalszahlen mit, dass "die schwierigen Marktbedingungen mit starkem Preisdruck in den meisten Geschäftsbereichen auch in den kommenden Monaten anhalten werden".

Erwartungen für weltweites Umsatzplus halbiert

Zwar hatte der Branchenverband Semiconductor Industry Association (SIA) Anfang Juli berichtet, dass die weltweiten Halbleiterumsätze im Mai im Vergleich zum Vormonat wieder gestiegen seien. Gleichzeitig halbierte er aber seine Erwartungen für das Umsatzplus im Gesamtjahr auf 3,1 Prozent. Immerhin ein Plus, denn im Vorjahr waren die Umsätze wegen hoher Überkapazitäten und der Konjunkturprobleme nach den Anschlägen vom 11. September weltweit um 32 Prozent eingebrochen.

Trotzdem bleiben Kenner der Halbleiterbranche skeptisch und verweisen unter anderem auf die verhaltenen Ausblicke, die Unternehmen wie Intel, AMD oder Philips in den letzten Tagen gegeben haben. Probleme sehen sie vor allem bei den PC-Herstellern und den Handy-Produzenten, die zusammen für mehr als 65 Prozent der Halbleiterumsätze sorgen. Hier rechnen die Experten erst im kommenden Jahr mit einer deutlichen Belebung.

"Wir gehen für 2002 von einem Anstieg weltweit verkaufter Computer um vier Prozent auf 130 Millionen Geräte aus", sagt HypoVereinsbank-Analyst Guenther Hollfelder. Erst im kommenden Jahr werde das Wachstum mit erwarteten acht Prozent wieder spürbar stärker sein. Bei den Handy-Halbleitern verweist Sal.-Oppenheim-Analyst Jürgen Wagner unter anderem auf den jüngst gesenkten Ausblick des Mobiltelefon-Herstellers Nokia, der in diesem Jahr einen weltweiten Branchenabsatz von nur noch 400 Millionen Mobiltelefonen erwartet statt der bisher angenommenen maximal 420 Millionen. Zusätzlich bereite der Preisdruck bei den Handy-Chips Schwierigkeiten. "Ich erwarte für 2002 einen Rückgang der Preise um 15 Prozent", sagt Wagner.

Neben den PCs und den Mobiltelefonen werden Halbleiter unter anderem in der Unterhaltungselektronik, der Rüstungsindustrie und beim Autobau verwendet. Auch hier erwarten Branchenkenner keine nennenswerten Impulse für die Halbleiterbranche. "Unter anderem im Automobilbereich dürfte der Margendruck auf die Halbleiterhersteller anhalten", sagt Guenther Hollfelder.

Laut einer Studie von Consors Capital teilt sich der weltweite Chipmarkt in drei Gruppen auf. 35 Prozent entfallen auf Mikroprozessoren, die in PCs verwendet werden. Dieses Segment befindet wird fast ausschließlich von den US-Unternehmen Intel und AMD beherrscht, die sich derzeit einen heftigen Preiskrieg liefern. 45 Prozent entfallen auf Mikroprozessoren in anderen Bereichen, zum Beispiel der Rüstung. Die verbleibenden 20 Prozent der Halbleiter sind Speicherchips.

Preise für Speicherchips noch zu niedrig

Probleme bereiten der Industrie weiterhin die Preise für Speicherchips, die immer noch größtenteils unter den Herstellungskosten liegen. So kostete der Standard-128-Megabit-Chip am Spotmarkt vor zwei Jahren noch 16 Dollar. Unter anderem auf Grund von Überkapazitäten brach der Preis bis zum Herbst vergangenen Jahres auf unter einen Dollar ein. Derzeit kostet er wieder rund 2,70 Dollar bei steigender Tendenz. Experten sind aber skeptisch, ob der Preisanstieg von Dauer sein wird. Nach Branchenangaben kostet die Herstellung dieses Typs vier bis fünf Dollar.

Der Halbleiter-Hersteller Infineon reagierte auf den Preisdruck und senkte die Herstellungskosten für Speicherchips. "Infineon hat in den vergangenen Jahren enorm investiert", sagt Achim Fehrenbacher von M.M. Warburg. Seinen Angaben zufolge wird das Unternehmen die eigene Vorgabe, die Produktionskosten in diesem Jahr auf durchschnittlich vier Dollar zu senken, auch einhalten können. Karsten Iltgen von WestLB Panmure sieht ähnliche Möglichkeiten bei dem koreanischen Hersteller Samsung.

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