Weltweite Extel-Umfrage unter institutionellen Investoren: Deutsche Bank führt mit großem Abstand
Fondsprofis misstrauen deutschen Firmen

Nur noch ein deutsches Team spielt in der Champions League der Finanzbranche mit: die Deutsche Bank. Das ergab die neue Umfrage des Finanzdienstes Thomson Financial Extel, die heute veröffentlicht wird.

FRANKFURT/M. Von den großen deutschen Vermögensverwaltern zählt nur die Deutsche Asset Management zum europäischen Spitzenfeld. Die Anlagespezialisten der Deutschen Bank landen bei der europaweiten Extel-Rangliste auf Platz sechs. Damit liegen sie weit vor dem nächstbesten deutschen Anbieter, dem Sparkassen-Fondshaus Deka, auf Platz 30.

In der Kategorie "Finanzkommunikation der Unternehmen" erhielten deutsche Firmen schlechte Noten. Die Extel-Studie, die heute Nachmittag offiziell in London präsentiert wird, gilt als wichtigste Messlatte der europäischen Finanzbranche. Sie basiert auf Einschätzungen von 3500 Fondsprofis aus 42 Ländern, die Vermögen von insgesamt 11 000 Billionen US-Dollar verwalten. Damit ist die diesjährige Umfrage nach Aussage des Organisators Steve Kelly Thomson Financial Extel die größte dieser Art, die jemals durchgeführt wurde. Die Ergebnisse für den deutschen Markt liegen dem Handelsblatt exklusiv vorab vor.

Danach greifen Fondsprofis am liebsten auf die Analysten der Deutschen Bank zurück, wenn es um deutsche Aktien geht. Wie bereits im Vorjahr gewann das Institut im Bereich Deutschland-Research. Zweiter wurde die Dresdner-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein vor dem französischen Aufsteiger CAI Cheuvreux. Für die Banken sind die Extel-Resultate wichtig. Denn institutionelle Investoren orientieren sich daran, wenn sie Wertpapieraufträge vergeben.

Wenig schmeichelhaft bewerten die institutionellen Investoren unterdessen die Finanzkommunikation deutscher Konzerne. Zu den zwanzig Besten Europas in Sachen Investor Relations (IR) zählen nur zwei Dax-Titel: Auf Platz elf landete der Softwarekonzern SAP, der Autobauer BMW belegt den dreizehnten Rang. Der Stromversorger RWE und der Chemiekonzern BASF folgen weit abgeschlagen.

Diese magere Ausbeute entspricht bei weitem nicht der europaweiten Bedeutung deutscher Firmen. Umfrageleiter Kelly erklärt, die deutsche Firmenkultur sei insbesondere angelsächsischen Fonds fremd: "Es existiert eine kulturelle Distanz, die von beiden Seiten überbrückt werden muss." Leichter hatten es britische Unternehmen, die dem angelsächsischen Kapitalismus naturgemäß näher stehen: Sie erhielten überdurchschnittlich gute Noten von den Fondsprofis. Zwar umfasst die Extel-Untersuchung inzwischen internationale Finanzhäuser von Europa über Nordamerika bis Südafrika und Brasilien. "Doch das meiste Geld wird immer noch in London und in den US-Finanzzentren wie New York und Boston verwaltet", sagt Kelly.

Druck zu mehr Transparenz

Richard Bassett, Geschäftsführer der internationalen IR-Agentur Smithfield Financial in Frankfurt, meint: "Der Druck auf deutsche Konzerne wächst, transparenter zu werden." Bei vielen Dax-Firmen seien bislang nicht einmal die zwei Grundvoraussetzungen für gute IR erfüllt - nämlich speziell qualifiziertes Personal, das außerdem die volle Unterstützung des Vorstandes genießen sollte. Bei manchem Konzern diene die IR-Abteilung noch immer dazu, ältere Mitarbeiter mit Arbeitsplätzen zu versorgen. "Der Trend geht zwar eindeutig hin zu mehr Transparenz", sagt Bassett. Doch Deutschland drohe von Staaten wie Spanien, Frankreich und Österreich abgehängt zu werden. Dort bemühen sich laut Bassett die Firmen derzeit verstärkt um die Aufmerksamkeit internationaler Großinvestoren.

So lange die deutschen Konzerne wenig transparent sind, bleiben die Bankanalysten wichtige Vermittler zwischen Firmen und institutionellen Anlegern. Die Finanzprofis trauen laut Extel-Umfrage am ehesten den Deutschbankern zu, die hiesigen Firmen richtig zu bewerten. Die von Andreas Neubauer geleitete Researchabteilung ist in überregionale Branchenteams eingeteilt. So arbeiten 17 Deutschland-Analysten in Frankfurt, mehr als 25 Experten bewerten Dax-Unternehmen von London und Paris aus.

Ein ganz anderes Konzept verfolgt das Brokerhaus CAI Cheuvreux, das zur französischen Gennossenschaftsgruppe Crédit Agricole gehört. "Wir haben europaweit lokale Analystenteams, die ihre Firmen vor Ort beobachten", sagt der Frankfurter Cheuvreux-Geschäftsführer Lorne Campbell. Mit dem dritten Platz übertrumpfte der Senkrechtstarter die deutschen Großbanken Commerzbank, Hypo-Vereinsbank und WestLB. Zuletzt punktete Cheuvreux bei Investoren vor allem mit kritischen Studien: So stuften die Analysten die SAP-Aktie Ende April herab. Wer die Titel damals verkaufte, ersparte sich bis heute einen Kursverlust von fast 30 Prozent.

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