Weltweite Vermittlung von Freiheit und Demokratie
Limbach übernimmt Führung des Goethe-Instituts

Als erste Frau an der Spitze des Goethe-Instituts hat die ehemalige Verfassungsgerichtspräsidentin Jutta Limbach am Dienstag ihr neues Amt angetreten.

wiwo/ap MÜNCHEN. "Wir haben uns nach wie vor als Land der Dichter und Denker zu repräsentieren, unser erfreulich reiches kulturelles Erbe anderen Kulturen erfahrbar zu machen", skizzierte Limbach bei der Amtseinführung in München ihre Aufgabe.

Bundesaußenminister Joschka Fischer betonte die Bedeutung des Austauschs: "Kulturelle Verständigung ist ein ganz entscheidender Faktor der Außen- und Sicherheitspolitik geworden." Nach den Terroranschlägen vom 11. September könne der Austausch stärker dazu beitragen, dass Vorurteile nicht in Hass umschlügen und Hass nicht in Gewalt, sagte Fischer. Im Dialog mit der islamischen Welt müssten Schwierigkeiten wie Frauenrechte erörtert statt verschwiegen werden.

"Es geht nicht um eine Auseinandersetzung zwischen Christentum und Islam", sagte Fischer, es handle sich um ein Ringen um Demokratisierung und Anerkennung anderer Traditionen. Deutschland selbst müsse sich als offenes, gastfreundlich und neugieriges Land präsentieren. "Wir müssen klar machen, dass Fremde willkommen sind."

Limbach plädierte dafür, wegen der steigenden Vielfalt der Kulturen und Religionen innerhalb Deutschlands neue Strategien zu entwickeln. "Die Religionsfreiheit und das Gebot der Toleranz sind für uns die Garanten eines friedlichen Zusammenlebens", sagte die 68-Jährige. Sie bezeichnete die Vermittlung dieser Werte als "große Probe unserer Glaubwürdigkeit. Was uns im Innern nicht gelingt, können wir nicht im Ausland predigen."

Leitideen vermitteln

Wie die neue Präsidentin weiter sagte, sieht das Goethe-Institut seine Aufgabe darin, die Leitideen der Freiheit und Demokratie zu vermitteln. Die Organisation habe den jungen Staaten in Mittel- und Osteuropa intellektuellen Beistand auf dem beschwerlichen Weg zur Demokratie geleistet. "Verfassungstexte sind aus- und eingewandert", lobte Limbach.

Schwieriger gestalte sich der kulturelle Dialog in Ländern mit anderem Rechtsverständnis wie etwa islamischen Staaten. Mit Verweis auf die Nazi-Vergangenheit appellierte Limbach: "Gleichgültigkeit in Sachen Demokratie ist uns nicht gestattet." Die historische Erfahrung habe gezeigt, dass Demokratien äußerst selten Krieg gegeneinander führten.

Zur finanziellen Situation des Goethe-Instituts sagte Fischer, dass auch in den kommenden Jahren das Geld für die auswärtige Kulturpolitik nicht sprudeln werde. Er gehe aber davon aus, dass keine weiteren Goethe-Institute geschlossen werden müssten. Der Minister kündigte an, bei einer besseren Haushaltslage zusätzliche Mittel für die auswärtige Kulturpolitik bereitzustellen. Nach massiven Etatkürzungen war das Goethe-Institut im Herbst 2000 mit der Medienorganisation der Bundesregierung Inter Nationes fusioniert. Die Kulturorganisation ist mit 128 Instituten in 76 Ländern und mit 16 Instituten in Deutschland vertreten. Weltweit kümmern sich rund 3 200 Mitarbeiter um den Kulturaustausch.

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