Weltweiter Halbleitermarkt wird langsamer wachsen - Infineon verliert Marktanteile
Chiphersteller für PC dringen in neue Märkte

Die weltweite Halbleiterindustrie hat im Jahr 2000 zum zweitenmal in Folge ein starkes Wachstum erzielt. Vor allem die Telekommunikation hat die Nachfrage angekurbelt. Federn lassen mussten dagegen die Chiphersteller für PC. Spezialisten wie Intel und AMD dringen daher verstärkt in neue Märkte, um ihre Abhängigkeit zu verringern.

gil/hsn/ruk DÜSSELDORF/PALO ALTO. Nach Intel sucht jetzt auch der größte Konkurrent, Advanced Micro Devices (AMD), nach neuen Märkten. Der Chiphersteller für Personalcomputer will mit einer leistungsfähigen 64-Bit-Technik seinem Erzkonkurrenten Intel nun auch das Leben im Servermarkt schwer machen. AMD ist es in den vergangenen Jahren gelungen, mit seinen schnellen Athlon-Prozessoren dem Marktführer bei Chips für PC-Arbeitsplatzrechner deutliche Marktanteile abzujagen.

Der Intelherausforderer will sich diesen lukrativen Markt für Serverchips quasi mit dem Vorschlaghammer erobern: Mit seinem Projekt "Sledgehammer" (wörtlich etwa Vorschlag- oder Schmiedehammer) will das Unternehmen Bausteine für schnelle Rechner in Datennetzen entwickeln und im Frühjahr 2002 erste Produkte auf den Markt bringen.

Um Softwareentwicklern heute schon die nötige Hilfe an die Hand zu geben, hat AMD nach jüngsten, bislang jedoch noch unbestätigten Meldungen aus dem Silicon Valley in Kooperation mit einem anderen Chipentwickler, Transmeta, einen Simulationscomputer kreiert, auf dem die Programmierer bereits die Funktionen und Stärken des geplanten Chips in 64-Bit-Technik testen können. Im Gegenzug soll Transmeta eine Lizenz für die neuen Sledgehammertechnik bekommen, so die Experten.

Der noch junge Chiphersteller Transmeta galt im vergangenen Jahr als hoffnungsvoller Newcomer der Branche. Das Unternehmen hat einen energiesparenden Chip entwickelt, der besonders für mobile Rechner geeignet ist. Die Idee: Mit der neuen Technik könnten leichtere Geräte gebaut werden, da kleinere Batterien ausreichen würden, um den tragbaren Rechnern ausreichend lange nutzen zu können. Erste Kunden von Transmeta waren IBM, NEC, Gateway und Sony.

Im November vergangenen Jahres gab es dann einen Rückschlag für das Unternehmen. Rechnerhersteller IBM zog seine Zusage zurück, den Chip in seinen Laptops zu verwenden - ohne genaue Angabe von Gründen. Seit dem wird darüber spekuliert, ob technische Unzulänglichkeiten zu dieser Entscheidung geführt haben. Die Kooperation mit AMD würde das Renommee des Newcomers aufbessern.

Noch ist Intel im Vergleich zu AMD in einer komfortableren Situation. Der Chiphersteller ist - wie die jüngste Marktanalyse von Dataquest zeigt - mit einem Umsatz von 29,7 Mrd. $ und einem Marktanteil von 13,4 % nach wie vor unangefochtener Branchenprimus. Allerdings verbuchte die Nummer eins im vergangenen Jahr mit 11 % den geringsten Zuwachs der Branche. Nach der Gartner-Studie erreichte der weltweite Chipmarkt im Jahr 2000 einen Umsatz von 222,1 Mrd. $. Dies entspricht einem Wachstum von 31,3 % gegenüber dem Branchenumsatz von 1999 in Höhe von 196,1 Mrd. $.

Doch im vierten Quartal des abgelaufenen Kalenderjahres tauchten erste Gewitterwolken auf, die nach Ansicht der Dataquest-Analysten durchaus im Jahr 2001 den Branchenhimmel verdüstern könnten. Vor diesen Hintergrund korrigierten sie das bisher auf 27 % eingeschätzte Wachstum für das Jahr 2001 nach unten. Es soll nun nach jüngsten Berechnungen der Studie bei lediglich 20 bis 21 % liegen.

Doch insgesamt sollten die Zahlen des Jahres 2000 nach Ansicht der Dataquest-Analysten zu keiner negativen Stimmung Anlass geben. Die im vierten Quartal aufgetretene Schwäche sei, so Analyst Joe D'Elia von Dataquest, in erster Linie eine Anpassung der Lagerbestände. Derartige Korrekturen habe man in der Vergangenheit bei ähnlichen Zyklen des öfteren beobachtet, erklärte der bei Dataquest für das europäische Marktsegment zuständige Marktforscher.

Etwa optimistischer als die Experten von Gartner sind die Analysten des amerikanischen Branchenverbandes Semiconductor Industry Association. Sie erwarten für zurückliegende Jahr ein Wachstum des weltweiten Halbleitermarktes von 37 %, während Gartner mit 31 % rechnet. Das stärkste Wachstum sieht der Verband in Asien mit einem Plus von knapp 39 %, während Europa auf 24 % kommt. Für das erste Quartal 2001 erwartet der Verband eine Abkühlung des Wachstums auf 17 %.

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