Weltweites nach Lob nach großer Skepsis im Vorfeld der Spiele
Stolze Griechen: "Wir haben es Euch gezeigt"

Im Vorfeld der Olympischen Spiele gab es viel Kritik an der Organisation - und an der vermeintlichen Unfähigkeit der Griechen, ein Ereignis dieser Größe zu veranstalten. Schließlich ist bislang doch alles in besten Bahnen verlaufen - und das erfüllt die Hellenen mit Stolz.

HB ATHEN. Das weltweite Lob für eine perfekte Organisation der Olympischen Spiele nach allseits vorhergesagtem Chaos hören viele Griechen gern, vor allem aber mit Zorn im Bauch. Fotis Dimakopoulos, Kioskbesitzer an der Kirche Agios Andreas im Athener Stadtteil Kato Patissia, garniert die Aushändigung der Morgenzeitungen nach mehr als zwei Wochen Olympia ohne Panne gern mit einem Kommentar: "Na bitte, wir haben es den Besserwissern gezeigt."

Dimakopoulos gehört zur Mehrheit unter den elf Mill. Griechen, die die Abstempelung ihres Landes als chaotisch und unfähig zu planvoller Vorbereitung nachhaltig gekränkt hat. "Manche stellen tolle Bauten sechs Jahre vorher hin und lassen sich davor fotografieren, andere werden sechs Minuten vor dem Startschuss fertig", erklärt er und vergleicht die Erwartungshaltung angereister ausländischer Journalisten leicht philosophisch mit seinen eigenen Klischees über die Innere Mongolei: "Da glaube ich auch, dass alle auf dem Pferd leben und rohes Fleisch essen, das sie unter dem Sattel weich kloppen. Ich weiß aber, dass es totaler Quatsch ist."

Weder bei Gesprächen auf der Straße noch in Medienkommentaren ist überschwängliche Freude zu spüren, weil statt Verkehrskollaps, Wettkämpfen auf Baustellen, Chaos bei den Unterkünften und nachlässigen Sicherheitsvorkehrungen einfach alles bestens geklappt hat. "Jetzt haben wir einen ganzen Zeppelin voll Geld für die Sicherheit ausgegeben, und passiert ist gar nichts", ließ der Karikaturist der "Eleftherotypia" einen richtig böse blickenden Athener sagen, über dem das Überwachungs-Luftschiff schwebt, das jede Bewegung im und um das Olympiastadion minutiös überwacht.

Natürlich sind auch die griechischen Gastgeber erleichtert, dass Terroraktionen bis kurz vor der Abschlussfeier ausgeblieben sind. Aber die Öffentlichkeit registriert auch mit einer gewissen Verbitterung, dass die gigantische Ausweitung der Kosten für Sicherheit auf eine Milliarde Euro durch Druck von außen, vor allem aus den USA, zu Stande gekommen sei. "Wir haben jetzt nur wegen der Spiele eine neue Industrie, die von Terrorhysterie lebt", meint Dimakopoulos, der sich in seinem Land von Terror nicht bedroht fühlt.

Beim Gespräch über das Gelingen des Unternehmens Olympia 2004 erinnern Athener auch an das trostlose Scheitern der Olympia-Bewerbung für 1996 zum 100. Jubiläum der ersten modernen Spiele an gleicher Stätte. "Dann soll die Welt sich doch an Coca-Cola-Spielen freuen", hatte die 1994 gestorbene Schauspielerin ("Sonntags nie") und Kulturministerin Melina Merkouri verbittert ausgerufen, als das Internationale Olympische Komitee diese Spiele an Atlanta in den USA vergab, dem Stammsitz von Hauptsponsor Coca-Cola. "Damit war die eigentliche Olympia-Idee für uns Griechen tot. Jetzt mag ja alles prima funktionieren, aber letztlich geht es nur ums Geschäft", sagt der Kioskbesitzer aus Kato Patissia. Er freut sich auf nächste Woche, wenn die "Besserwisser mit ihrem Riesenzirkus endlich weg sind".

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