Weltwirtschaft
Der IWF warnt vor neuen Finanzkrisen - Weltkonjunktur verliert 2001 an Dynamik

Obwohl die Weltkonjunktur rund läuft und die globalen Finanzkrisen überwunden scheinen, gibt es keinen Grund zur Entspannung: Die Lage einiger aufstrebender Volkswirtschaften ist noch so fragil, dass externe Faktoren wie der hohe Ölpreis sie schon rasch in eine neue Krise treiben können, warnt der IWF.

PRAG. Vor neuen größeren Finanzkrisen in den aufstrebenden Volkswirtschaften hat Michael Mussa, Chefökonom des Intenationalen Währungsfonds (IWF) gewarnt. Diese Krisen könnten bereits kurzfristig auftreten, doch würden sie dieses Mal durch externe Schocks aus den Industrieländern verursacht, sagte Mussa am Dienstag in Prag bei der Vorlage des World Economic Outlook. Insgesamt wächst die Weltwirtschaft nach IWF-Einschätzung aber stärker als zuvor erwartet. Im kommenden Jahr ist jedoch bereits mit einer Abschwächung des Wachstumstrend zu rechnen, bestätigt auch die jüngste Konjunkturprognose des Kieler Instituts für Weltwirtschaft.

IWF-Ökonom Mussa machte vier Gefahrenquellen aus. Sollte der Anstieg der Rohölpreise anhaltenen, würden die aufstrebenden Volkswirtschaften besonders leiden. Auch seien die so genannten Emerging Markets bei einer Korrektur der großen Ungleichgewichte - vor allem des Rekorddefizits in der amerikanischen Leistungsbilanz - besonders stark exponiert. Sollte es zudem zu einer Korrektur der sehr hohen Aktienkurse an den wichtigen Weltbörsen, vor allem in Wall Street, kommen, würde auch dies in den aufstrebenden Volkswirtschaften besonders hart zu spüren sein.

Kieler Ökonomen sehen kaum Inflationsgefahr

Zu dieser erheblichen externen Gefährdung käme noch hinzu, dass der Reformprozess in den Krisenländern - vor allem im Bereich der Bankensanierung und Unternehmensumstrukturierung - nicht weit gekommen sei. Das gelte insbesondere für die Schwellenländer in Asien.

Als Krisenkandidat hob Mussa Argentinien hervor. Das Land befinde sich in einem Besorgnis erregenden Zustand, die externe Finanzierung sei zu hoch und löse an den Märkten Sorgen aus. Dagegen befinde sich Russland auf einem guten Wege. Auf längere Sicht hängen die wirtschaftlichen Aussichten Russlands nach wie vor davon ab, dass das Tempo der Strukturreformen beschleunigt wird. Mit Blick auf die aktuelle Lage räumte der IWF ein, dass die Entwicklung erheblich besser verlaufen sei als im Frühjahr vorhergesagt. Nach 3,3 % Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr würden nun 7 % erwartet.

Insgesamt wachse die Weltwirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um 4,7 %. Dies sind 0,5 Prozentpunkte mehr, als vom IWF noch im April vorhergesagt. Für 2001 geht der Währungsfonds von 4,2 % aus. Eine noch deutlichere Abschwächung des Wachstumstrends erwarten die Experten des Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) in ihrer jüngsten Konjunkturprognose. Demnach ist der weltweite Wachstumsgipfel in diesem Sommer bereits überschritten worden. In allen Regionen der Welt erreiche das Wachstum seinen Höhepunkt und flache 2001 etwas ab. Für die gesamte Weltwirtschaft prognostizieren die Kieler Forscher eine Wachstumsrate von 4,9 % in diesem und 4,1 % im kommenden Jahr. Das ist deutlich mehr als 1998 (2,6 %) und 1999 (3,4 %). Auch im kommenden Jahr läge das Wachstum damit deutlich über dem mittelfristigen Trend.

Die Inflationsgefahren in den Industrieländern sieht das IfW vergleichsweise gelassen. Im kommenden Jahr werde der Verbraucherpreisauftrieb mit 2,0 % etwas geringer ausfallen als im laufenden Jahr (2,1 %), da die Effekte der Rohölverteuerung abklingen würden.

Das Institut legt seinen Prognosen einen Ölpreis zu Grunde, der von 30 $ pro Barrel im dritten Quartal 2000 langsam auf etwa 26 $ zurückgehe. Die Opec sei mittelfristig ernsthaft bestrebt, ihren eigenen Referenzpreis, der zwischen 22 und 28 $ liegt, wieder zu erreichen. Unter diesen Annahmen wirkt sich der Ölpreis laut IfW zwar leicht dämpfend auf die Konjunktur aus, die Auswirkungen seien aber "nicht gravierend". Sollte der Ölpreis aber so hoch wie zurzeit bleiben , würden sich zusätzliche Bremseffekte ergeben. Vor allem werde sich dann der Verbraucherpreisauftrieb spürbar verstärken. Auch die IWF-Experten warnten vor den Auswirkungen weiter steigender Öl-Preise: Diese seien Grund zu "wachsender Besorgnis". Die weitere Preisentwicklung sei "sehr unsicher" und könne das Wachstum möglicherweise bremsen.

Für die Euro-Zone aus elf EU-Staaten liegt die IWF-Prognose bei 3,5 % für dieses und 3,4 % im kommenden Jahr. Die Staaten müssten ihre Strukturreformen aber beschleunigen, um den Aufschwung nicht abzuwürgen. Dabei müssten unter anderem bürokratische Hürden beseitigt werden, die den Wettbewerb beschränkten und den Start junger Unternehmen erschwerten.

Für Deutschland bestätigten die IWF-Experten ihre letzte Prognose vom April weitgehend. In 2000 erwarten sie demnach ein Wachstum von 2,9 %; für 2001 blieb die Vorhersage bei 3,3 %. Die US-Wirtschaft werde im laufenden Jahr um 5,2 % wachsen, 0,8 Prozentpunkte mehr als bisher angenommen. Für 2001 geht der IWF aber von einer deutlichen Verlangsamung aus: Dann dürfte die US-Wirtschaft nur noch um 3,2 % wachsen.

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