Weltwirtschaft vor Inflation
Morgan Stanley rechnet mit EZB-Zinssenkung

Mit einer Zinssenkung im EZB-Rat am 8. November um 25 Basispunkte auf 3,50 % (2-Wo-Refi) rechnen die Volkswirte von Morgan Stanley in London.

vwd LONDON. Elga Bartsch sagte am Donnerstag dazu im Gespräch mit vwd: "An sich wären 50 Basispunkte wünschenswert, aber wir gehen davon aus, dass der EZB-Rat eher die kleinen Zinsschritte wählen wird und nach 25 Basispunkten im November auch im Dezember diesen Zinssenkungsschritt machen wird." Ein erneuter Zinsschritt im Ausmaß von 50 Basispunkten - wie beim globalen Zinskonzert am 17. September - könnte auch als Panik negativ interpretiert werden.

Geldpolitische Strategie der EZB

Der EZB-Rat kann nach Überzeugung von Bartsch eine baldige und neue Zinssenkung im Euroraum sehr gut mit beiden Säulen ihrer geldpolitischen Strategie erklären: Die M3-Expansion deutlich über EZB-Referenzwert 4-1/2 % mit knapp sieben Prozent 3-Monats-Durchschnittsrate (per September 2001) sei mit Recht als nicht inflationsgefährlich zu bewerten, da gebietsfremde Anteile und der Liquiditätsstau vor dem Hintergrund der volatilen Kapitalmärkte die Geldmenge verzerrten. Die zweite Säule der EZB-Strategie mit der Konjunkturschwäche im Mittelpunkt zeige deutlich die abnehmenden Inflationsrisiken und damit den Zinssenkungsspielraum.

"Wir teilen dabei nicht die Einschätzung der EZB, dass die Weltwirtschaft nicht vor einer Rezession steht", meint Bartsch und beruft sich auf die IWF-Definition, wonach man von einer Rezession spricht, wenn das reale Welt-BIP um einen Prozentpunkt unter dem langfristigen Durchschnitt von 3-1/2 % wächst, das sei in diesem Jahr mit knapp zwei Prozent der Fall. Die US-Wirtschaft sei schon in eine Rezession eingetreten, für das vierte Quartal rechnet Morgan Stanley mit einem annualisierten BIP-Minus von drei Prozent zum Vorquartal, für 2001/2002 im Durchschnitt werde das US-BIP noch um jeweils rund ein Prozent wachsen.

Auswirkungen des niedrigen Euro-Außenwertes

Für das Euroland lauten die Wachstumsprognosen 2001/2002 bei Morgan Stanley 1,6/1,5 %, die HVPI-Inflationsprognosen liegen bei 2,6/1,4 % im Jahresdurchschnitt - die EZB-Stabilitätsnorm von "unter zwei Prozent" werde wohl erst im ersten Quartal nächsten Jahres erreicht werden. Für Oktober 2001 schätzt Bartsch die Inflationsrate im Euroraum zum Vorjahr auf 2,4 (September: 2,5) Prozent. Der Anstieg der Euroraum-Kerninflationsrate im September auf 2,2 (2,0) Prozent sei der Ausdruck des späten Durschlagens der zuvor höheren Ölpreise und des niedrigeren Euro-Außenwertes.

Vor dem Hintergrund einer drohenden weltwirtschaftlichen Rezession und mit der begründeten Aussicht auf sinkende Inflationsraten wird der EZB-Rat nunmehr seinen Zinssenkungsspielraum deutlich machen und auch ausnutzen, sagt Bartsch: "Wir gehen davon aus, dass der EZB-Rat bis Ende 2001 noch zwei Zinsschritte und im ersten Halbjahr 2002 nochmals zwei Zinssschritte im Ausmaß von 25 Basispunkte machen und so den Leitzins dann auf 2,75 % senken wird." vwd/1.11.

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