Weltwirtschaftliche Entwicklung sorgt für Unsicherheiten
Rohstoffaktien stehen weiter auf der Gewinnerseite

Sind die Aktien der großen Bergbaufirmen mittlerweile überteuert oder wird sich der erwartete wirtschaftliche Aufschwung mittelfristig z.B. in steigenden Metallpreisen und damit in Kursgewinnen niederschlagen? Experten sind geteilter Meinung.

OTTAWA/KAPSTADT. Deon Vernooy, Chef der Investmentabteilung von HSBC in Kapstadt, prognostiziert eine zögerliche Erholung der Rohstoffpreise und rät bei Käufen von Minenwerten zur Vorsicht. Merrill Lynch ist optimistischer und meint, dass die Rohstoffpreise nach einem Abbau der Überhänge schnell anziehen sollten - und auch die Aktien daraus Kapital schlagen.

Bisherige Entwicklung uneinheitlich

Bisher haben sich die Rohstoffaktien nicht völlig einheitlich entwickelt. Während die Rohstoffpreise in der zweiten Hälfte 2001 zum Teil auf langjährige Tiefstände fielen, sind Bergbauaktien in Erwartung einer nachhaltigen Erholung der Weltwirtschaft überproportional stark gestiegen. Denn in Südafrika - zum Teil auch in Australien - hat die schwache lokale Währung vielen Minenwerten hohe Profitmargen beschwert: Die Konzerne rechnen ihre Kosten in Rand oder australischen Dollar ab, erhalten ihre Erlöse aber in US-Dollar. Gerade deshalb muss nach Ansicht von Nick Goodwin von der Johannesburger Brokerfirma SG Securities unterschieden werden, ob Zugewinne allein auf externen Faktoren wie einem (temporären) Währungsverfall oder auf grundsätzlichen Neuausrichtung des Unternehmens gründen.

Einige Gesellschaften, darunter die australische BHP Billiton oder die britisch-südafrikanische Anglo American, konnten sich nach Fusionen bzw. dem Ausbau ihrer Rohstoffpalette von zyklischen Einflüssen zum Teil abkoppeln. BHP Billiton bietet dabei ein gutes Beispiel dafür, wie ein Rohstoffhaus durch Diversifizierung den Ruf als zyklischer Wert abschütteln konnte. Der Konzern ist stark im Aluminiumsektor und in der Ölindustrie aufgestellt. Trotz abgekühlter Weltwirtschaft konnte er den Gewinn ausbauen; die Aktie notiert auf historisch hohem Niveau.

Daneben hat die anhaltende Konsolidierung, etwa im Aluminium- oder Goldsektor, die Strukturen vieler Rohstoff-Firmen gestrafft und sie effizienter gemacht. Auch mehren sich die Anzeichen, dass einige Firmen durch zunehmende Größe in ihren Segmenten für mehr Preisstabilität sorgen.

Angesichts der Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Weltwirtschaft sollten Anleger laut Vernooy nun darauf achten, dass ihre Favoriten für Durstrecken gerüstet sind. Dies ist vor allem bei diversifizierten Rohstoffhäusern wie BHP Billiton und Anglo American der Fall. Es gilt aber auch für Firmen, die wie Angloplat und Implats (beide Platin), die ihr Marktsegment dominieren.

Basismetalle werden gefragt sein

Die Nachfrage nach Basismetallen wird nach Einschätzung von Analysten einen beträchtlichen Zuwachs erfahren. Der Nachfrageeinbruch im zweiten Halbjahr 2001 sei der schlimmste seit den frühen 90-er Jahren gewesen. "Wir haben das Schlimmste gesehen", urteilt Terence Ortslan von T.S. Ortslan & Associates, einer Consultingfirma in Montreal. Die Industrie habe ihre Bestände und die Produktion von Aluminium, Kupfer und Zink und zum Teil auch von Nickel zurückgefahren. "Die Pipeline ist ziemlich leer", sagt Ortslan. Er erwartet, dass in den nächsten 18 Monaten die Bestände wieder aufgebaut werden. Allerdings werden die Produktion und damit das Angebot an Metallen das alte Niveau nicht erreichen.

Der Aktienmarkt hat den Preisanstieg bei den Metallen bereits vorweggenommen und zeige "vielleicht zu viel Stärke". Die Erholung werde in der zweiten Jahreshälfte 2002 vermutlich nicht so stark ausfallen wie es die Aktienmärkte vermuten lassen. Der Metals and Minerals Index der Börse Toronto, dem zehn Bergbau- und Metallunternehmen angehören, hat sich von dem Tief 2001 (3 200 Punkte) auf inzwischen rund 4 500 Zähler erholt.

Kaufempfehlungen von Merrill Lynch

Merrill Lynch bleibt optimistisch: Auf Jahressicht werde die Nachfrage nach Metallen zunehmen. Zum Kauf empfohlen werden Cameco (Uran), Fording (Kohle), Falconbridge (Nickel, Kupfer), Noranda (Zink, Aluminium, Nickel, Kupfer) und Teck Cominco (Zink). Übertroffen wird dies noch durch die Aussichten des "Nickel-Königs" Inco. Die Empfehlung lautet hier auf "strong buy" (starker Kauf); Kursziel 25 $.

Cameco, weltweit der größte Produzent von Uran-Konzentrat, verzeichnete im 4. Quartal einen deutlichen Gewinnzuwachs, der auf einen fünfprozentigen Anstieg der Uranpreise und geringe Verwaltungskosten zurückgeht. "Die Aktien von Cameco sehen gut aus", sagt ein kanadischer Rohstoffanalyst.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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