Wem die letzte Finanzierungsrunde schlägt
Start-ups in der Krise

Die nicht abebbende Insolvenzwelle macht auch vor Startups nicht halt. Doch wie können die Gründer die Bereitstellung weiterer Mittel und damit das Überleben ihrer Geschäftsidee gewährleisten?

DÜSSELDORF. Gerade junge Unternehmen sind von der schwierigen Marktsituation besonders betroffen, da sie häufig nur über geringe Liquiditätsreserven verfügen. Sind diese nahezu aufgebraucht und kann der Finanzierungsbedarf nicht gedeckt werden, droht ihnen die Insolvenz. So verwundert es nicht, dass nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften in den ersten neun Monaten des Jahres 43,1% der Abgänge aus dem Beteiligungsportfolio ihrer Mitglieder auf Totalverluste zurückgehen.

Doch wie können die Gründer die Bereitstellung weiterer Mittel und damit das Überleben ihrer Geschäftsidee gewährleisten? Eine weitere Finanzierung ist immer an ein überzeugendes Sanierungskonzept und dessen erfolgreiche Umsetzung geknüpft. Die hieran gestellten Anforderungen werden in Zukunft eher noch verschärft. Mehr noch als bei Gründung des Unternehmens ist in dieser Situation der Unternehmer gefragt. Ihm werden kreative und innovative, aber vor allem radikale Ansätze abverlangt.

Dabei sollte die Sanierungsbereitschaft gerade der professionellen Gläubiger nicht unterschätzt werden. Hat die Unternehmensführung sie erst einmal von der Überlebensfähigkeit des Unternehmens überzeugt, dann sind Banken und Kapitalbeteiligungsgesellschaften immer häufiger zu größeren Zugeständnissen bereit und stellen neues Kapital zur Verfügung.

Wichtig ist, dass der Unternehmer die Sanierung schnell und aktiv in Angriff nimmt. Nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit sind AG-Vorstand bzw. GmbH-Geschäftsführer binnen drei Wochen zur Stellung eines Insolvenzantrags verpflichtet, wollen sie sich nicht Schadensersatzansprüchen oder einer Strafverfolgung aussetzen.

Wird die Stellung des Insolvenzantrags vor Abschluss der Sanierung unvermeidlich, ist diese damit noch nicht endgültig gescheitert. Gemeinsam mit dem gerichtlich bestellten vorläufigen Insolvenzverwalter kann die Phase der Insolvenzantragstellung genutzt werden, um vor Insolvenzantragstellung begonnene Gespräche fortzuführen.

Fließt vor Insolvenzeröffnung neues Kapital zu, kann der vom Unternehmen gestellte Insolvenzantrag zurückgenommen und das Unternehmen fortgeführt werden. Die Beteiligung der Altinvestoren ist damit nicht endgültig verloren.

Selbst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist eine Sanierung immer noch möglich. Diese erfolgt entweder durch Übertragung des operativen Geschäftsbetriebs auf eine neue Gesellschaft oder aber mittels eines Insolvenzplanverfahrens. Bei letzterem handelt es sich um ein erst 1999 eingeführtes Verfahren, das an anglo-amerikanisches Recht angelehnt ist. Die verfahrensrechtlichen Anforderungen dieses Verfahrens machen eine zeitnahe Umsetzung der Sanierung schwierig, weshalb in der Praxis die übertragende Sanierung überwiegt.

Im Hinblick auf etwaige Imageschäden und den drohenden Verlust wichtiger Kunden ist oft die außerhalb der Insolvenz umgesetzte Sanierung die für alle Beteiligten günstigere Variante. Daher gilt es, den Sanierungsprozess und die notwendige Finanzierung frühzeitig und aktiv anzugehen und nicht bis zur Insolvenzreife wie das Kaninchen vor der Schlange zu verharren. Dies überzeugt Alt- und Neuinvestoren am ehesten von den Qualitäten des Managements und dem Erfolg einer weiteren Finanzierungsrunde.

Dr. Christoph Niering, Fachanwalt für Insolvenzrecht, und Stefan Nüsser, LL.M., Rechtsanwälte in der Partnerschaft Hecker, Werner, Himmelreich & Nacken, Köln.

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