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Wende in Sicht?

Nach zwei düsteren Jahren keimt in der europäischen Private-Equity-Szene wieder so etwas wie Optimismus auf.

Das Interesse der institutionellen Investoren an der Anlageform Private Equity, also Kapitalbeteiligungen an Unternehmen, ist nach wie vor groß. Hier haben die europäischen Banken, Versicherungen und Pensionsfonds schließlich noch einigen Nachholbedarf, wenn man ihre Portefeuilles mit denen der angelsächsischen Großinvestoren vergleicht. Sie waren denn auch auf der alljährlichen Investorenkonferenz des Europäischen Private-Equity- und Venture-Capital-Verbandes (EVCA) in der vergangenen Woche in Genf so zahlreich wie noch nie vertreten.

Auch die Verwalter der oft milliardenschweren Private-Equity-Fonds wittern wieder Morgenluft. "Die Zeit der Inaktivität ist vorbei, die Spannung ist körperlich zu spüren", schwärmt der designierte EVCA-Vorsitzende Max Burger-Calderon, zugleich einer der Köpfe des führenden europäischen Private-Equity-Hauses Apax Partners. Nach zwei Jahren der Korrektur seien nun die Firmenbewertungen auf dem Boden der Tatsachen angekommen, so dass nun die Private-Equity-Fonds zu vernünftigen Preisen einkaufen könnten. Der Markt ist zwar noch reichlich ruhig, aber laut Burger-Calderon ist die Deal-Pipeline prall gefüllt. Alle Fonds hätten in den vergangenen Monaten viel Zeit investiert, um neue Beteiligungschancen zu finden. Das zahle sich jetzt aus.

Die Performance-Zahlen, die die EVCA in Genf vorlegte, waren für die Branche allerdings wenig schmeichelhaft. Um 2,3 % sank 2001 die interne Rendite (IRR) der Private-Equity-Fonds im Durchschnitt. Bei den Venture-Capital-Fonds, die sich auf Beteiligungen an Start-up-Firmen konzentrieren, waren es sogar minus 8,9 %. Doch langfristig - darauf weist die EVCA gerne hin - lohnen sich die Investitionen in Private-Equity-Fonds allemal. 14,2 % Rendite hätten die europäischen Fonds seit ihrer Gründung im jährlichen Durchschnitt eingespielt.

Diese rechnerische jährliche Rendite ist für die Investoren zwar ein Indikator, aber mehr auch nicht. Für sie zählt nur, was etwa nach zehn Jahren aus dem Geld geworden ist, das sie in einen Fonds gesteckt haben und das dieser für ein paar Jahre in ein Portfolio von Unternehmensbeteiligungen investiert hat. Und da haben die Ende der neunziger Jahre gegründeten Fonds ein Problem: Was sie 1998 bis Anfang 2000 teuer eingekauft haben, mussten sie seither oftmals brutal im Wert berichtigen. Der Wert ihrer Portfolios liegt darum heute teilweise tief unter der investierten Summe. Für sie müssen jetzt ein paar verdammt gute Jahre kommen - sonst kriegen ihre Investoren weniger zurück als sie eingezahlt haben.

Man kann das auch positiv wenden: Wer 2001 oder dieses Jahr in einen neuen Fonds investiert hat, kann darauf hoffen, dass dieser zu vernünftigen Preisen Firmenbeteiligungen kauft und - wenn der Markt für Börsengänge endlich wieder anspringt - mit kräftigem Gewinn wieder verkauft. "2001 und 2002 werden Super-Jahrgänge", heißt darum die Botschaft der Berufs-Optimisten. Hoffen wir es.

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