Wende nicht geschafft

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Wende nicht geschafft

Die Commerzbank bleibt ein Wackelkandidat. Investoren packen die Aktie nur mit spitzen Fingern an.

FRANKFURT/M. Eigentlich hat die Commerzbank-Aktie alles, was sie an der Börse begehrt machen kann. Sie wird zusammen mit der Hypo-Vereinsbank immer wieder als Übernahmekandidat ins Spiel gebracht. Bremsende Worte der beiden Vorstandschefs werden nicht ernst genommen. Nach einem rabenschwarzen Jahr 2002 verspricht Commerzbank-Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller für 2003 die Ertragswende. Zudem zeigt der Kursverlauf seit Jahren fast stetig nach unten. Gemessen an der Marktkapitalisierung liegt sie heute mit rund 3,8 Mrd. Euro auf einem Niveau mit dem italienischen Banco Popolare Verona Novara und der norwegischen Den norske Bank.

Jetzt auf Übernahme- und Turnaround-Phantasie zu setzen, wäre allerdings viel zu früh. Hinter beiden Themen stehen einige Fragezeichen. Mit einem Zusammengehen in der gegenwärtige Malaise wäre beiden Häusern nicht geholfen. Mehr als ein schnell verbrennendes Kursfeuerwerk an der Börse wäre wohl nicht drin, bevor Ernüchterung einsetzt. Analysten glauben zwar, dass die langfristigen Strategien beider Banken harmonieren, doch dem stehen die Kosten der Integration und die Unsicherheit der Mitarbeiter gegenüber.

Die Gewinnprognose von Commerzbank-Chef Müller für 2003 ist wohl am ehesten in die Rubrik "Zweckoptimismus" einzuordnen. Viele Analysten teilen seine Zuversicht nicht. Ihre eigenen Prognosen zur Kostensenkung und die Ansprüche von Analysten und Investoren hat die Bank zwar erfüllt oder übertroffen: In 2002 gingen die Kosten um 12 % auf 5,15 Mrd. Euro zurück. Doch die Gefahr ist groß, dass in diesem Jahr erneut die Einnahmen stärker sinken werden als die Kosten. Die Kapitalmärkte geben kaum etwas her. Und ihre Basis für Zinseinkünfte hat die Bank vorerst selbst reduziert, indem sie ihre Risikoaktiva, also vor allem Kredite, zurückgefahren hat. Das erhöht zwar ihre Kernkapitalquote (Kernkapital in Relation zu den Risikoaktiva) und schafft Spielraum für künftige Ausleihungen. Doch der unmittelbare Effekt sind Einbußen im Zinsergebnis.

Noch immer leiden vor allem Commerzbank und Hypo-Vereinsbank darunter, dass Investoren deutsche Bankaktien nur mit spitzen Fingern anfassen. Die Commerzbank ist nach wie vor anfällig für Gerüchte. Von ihrem Verlust nach den Spekulationen über eine Liquiditätskrise, die im vergangenen Oktober die Märkte aufgeschreckt hatten, hat sich die Aktie bis heute nicht erholt.

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