Wendelin Wiedeking ist Chef des Sportwagenherstellers
Porsche: Nachdenkliches vom knallharten Manager

Der erfolgreiche Chef von Porsche polarisiert, kritisiert und hat viel Spaß am Geldverdienen. Morgen wird er 50 - auch für einen Top-Manager kein einfaches Alter.

STUTTGART. Es ist nicht der neue Geländewagen Cayenne oder das neue Werk in Leipzig, das Porsche-Chef Wendelin Wiedeking derzeit nachdenklich stimmt. Es ist die Zahl 50, die ab morgen sein Lebensalter kennzeichnet. "Leider", meint der Manager. "Mit 40 wird man in Schwaben wenigstens weise", zitiert er ein Sprichwort. Doch mit 50 gebe es schlicht nichts mehr - nicht einmal mehr einen Spruch. "Das ist schon ein verqueres Alter, man weiß nicht, was kommt", sagt der Porsche-Chef.

Es sind ungewohnte Worte eines Managers, der zwar als offen und unkompliziert, aber ansonsten als knallharter Geschäftsmann gilt. In den vergangenen zehn Jahren war er so erfolgreich, wie kein anderer Automanager. Dabei war an seinem 40. Geburtstag dieser Erfolg - trotz bis dahin steiler Karriere - noch nicht absehbar.

Als der gebürtige Westfale 1991 von einem mittelständischen Unternehmen zu Porsche in den Vorstand wechselte, war das vor allem eines: höchst riskant. Denn der Automobilkonzern rutschte gerade in eine existenzbedrohende Krise. Ein Jahr später übernahm Wiedeking dann die Führung bei Porsche und begann, mit allen Kräften daran zu arbeiten, den Sportwagenhersteller wieder nach vorne zu bringen. "Porsche war damals an der Börse 300 Millionen Euro wert, heute sind es acht bis neun Milliarden Euro", sagt Wiedeking. Über die Zahlen seines Erfolges zu sprechen bereitet ihm sichtliches Vergnügen. Geld verdienen und zu mehren - eine Leidenschaft, die ihm zugeschrieben wird.

Alle Erfolge verhindern allerdings nicht, dass es auch kritische Stimmen gibt. So ärgern sich die BMW-Manager seit langem über seine Subventionskritik an dem neuen Werk der Münchener in Leipzig. Der bevorzugte Lieblingsgegner des Porsche-Chefs ist derzeit jedoch der Chef der Deutschen Börse AG, den Wiedeking, wann immer es geht, mit einem Seitenhieb bedenkt. Die Börse hatte Porsche wegen fehlender Quartalsberichte aus dem M-Dax geworfen. Das wurmt den Porsche-Chef.

Wiedeking sei inzwischen abgehoben und dulde niemanden mehr neben sich, behaupten Kritiker. Lieferanten bezeichnen ihn schon einmal leicht spöttisch als Baron. Was sie alle aber nicht verleugnen können, ist die in den vergangenen Jahren erbrachte Leistung des Porsche-Chefs. Und seine Mitarbeiter wissen zu schätzen, dass seine Hartnäckigkeit in Sachen Produktivitätssteigerung den Sportwagenhersteller zum rentabelsten Autokonzern der Welt machte. Sein Gehalt habe er daher durchaus verdient, heißt es großzügig auf der Arbeitnehmerbank.

Genussmensch Wiedeking liebt das Geld aber nicht des Geldes wegen - er gibt es auch gerne aus. Zu Hause, in Bietigheim, hat der Vater zweier Kinder in der Garage zwei Porsche 911er stehen: einen Turbo und einen Carrera. Für Familienausflüge bevorzugt er einen Jeep Grand Cherokee.

Gerne steigt er am Wochenende auch auf einen seiner beiden Porsche-Traktoren und fährt auf seinem "Äckerle" herum. Das hat er sich vor einigen Jahren im Umland von Stuttgart zusammen mit einer Hütte gekauft. Als Entspannung vom stressigen Alltag pflanzt er dort Kartoffeln und Gemüse an, deren beste Qualität er gerne betont.

Schweigsam ist der Wahlschwabe dagegen bei seinen weiteren Berufswünschen. "Mein Vertrag läuft bis 2007", sagt er. Wegbegleiter schließen nicht aus, dass er danach noch einmal etwas anderes machen möchte. Allerdings werde der bodenständige Manager nie eine Firma führen, deren Märkte er nicht verstehe.

Erst einmal will Wiedeking nun aber "eine schöne Feier zu seinem 50. machen". Über 200 Gäste hat er eingeladen, darunter Schulkameraden, Pauker und ehemalige Nachbarn. "98 % haben meine Einladung angenommen", sagt er. Und dann macht er sich selbst ein wenig Mut: "Ich gehe jetzt mal davon aus, dass ich mich nach meinem Geburtstag genauso wohl fühle wie heute."

Quelle: Handelsblatt

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