"Wenerisch soll’s sein, aber leicht“.
Sacher wird jung

Chill-Out-Musik und After-Work-Atmosphäre zu Anna-Sacher-Schnitte und Gänselebertorte: Im Hause Sacher ist der Generationswechsel in vollem Gange.

Wenn Peter Wanninger Ende Juni in Rente geht, geht nicht irgendwer. 45 Jahre lang war der Mann mit den freundlichen Augen über dem Schnurrbart Concierge im Hotel Sacher in Wien. Mit ihm endet eine Ära. Der Generationswechsel im Hause Sacher macht nicht in der Lobby Halt. Jetzt wird den Fans der bitter-süßen dunklen Torte eine junge Naschwerk-Generation präsentiert: die Anna-Sacher-Schnitte - eine eckige Köstlichkeit mit Cointreau und Orangen-Streifen, umhüllt von Nougatschokolade - und die Sacher-Gänselebertorte, eine Pastete auf Sacherboden.

Verantwortlich für die Verjüngungskur im Traditionshaus ist Alexandra Gürtler. Zusammen mit ihrem jüngeren Bruder wird die 28-jährige Tochter der Besitzerfamilie eines Tages die Führung in der Philharmonikerstraße 4 übernehmen. Im Sinne der Familie, aber anders. Seit Alexandra Gürtler im April vor zwei Jahren - just zum 125. Geburtstag des Familienunternehmens - von Wanderjahren nach Frankreich, Hongkong und New York zurückkam, hat sie Stück für Stück das Sacher-Ruder in die Hände genommen. Noch trägt sie den Titel einer Assistentin der Geschäftsleitung. Doch die Phantasie der Frau Magister, wie sie in Abgrenzung zu ihrer Mutter Elisabeth, der Frau Diplomkaufmann, liebevoll genannt wird, endet keineswegs bei der Neugestaltung der Homepage.

Der Umbau, sagt sie, kam auf die Tagesordnung, "und da bin ich dann mit jedem Tag mehr reingewachsen". Die 28-Jährige soll die kommenden Generationen für das Sacher begeistern. "Wir haben tolle Gäste im Hotel", sagt sie diplomatisch, "aber es ist wichtig, dass man auch Jüngere anspricht." Dazu hat sich die Nachwuchschefin in ihrem Freundeskreis umgesehen: Was wollen meine Freunde? Wohin gehen junge Leute zum Lunch? Zum After-Work-Snack? Es galt, die Schwellenangst zu überwinden: "Man kann ins Sacher auch mal auf einen Sprung hereinkommen."

Große, einladende Türen, hohe Bistrotische, Chill-Out-Musik, krawattenfreies Outfit der Kellner. "Das ist alles ganz meins", sagt Alexandra Gürtler mit Besitzerstolz. Sie hat die alte Garde im Sacher begeistert. Frau Diplomkaufmann: "Das Neue ist nichts anderes als das wohlgelungene Kind des erprobten Alten."

Die Generalprobe für das Neue fand allerdings außerhalb Wiens statt: in Graz, wo Alex Gürtler am 1. April das Café Sacher direkt am Rathaus eröffnete. In der Melange aus Wiener Kaffeehaus, Wein- und Snackbar ist alles etwas länger als im Original: die Lehnen der Stühle und die Sacher-roten Schürzen der Kellner. Highlight ist ein langer Tisch in der Mitte des Bistros: eine Kommunikationsinsel. Das Vorbild fand Alexandra Gürtler im "Asia de Cuba" im New Yorker Morgan Hotel. Vierzehn Tage später die Premiere in Wien: das "Sacher Eck?".

Dort, im Eckgebäude des Hotels, gibt es die verjüngte Produktlinie des Hauses: die Anna-Sacher-Schnitte von Chefkonditor Alfred Buxbaum, Stangerl mit mediterranen Gemüsen, Spargelmousse und Tunfischgeröstl, dazu die jung gebliebene Sachertorte nach dem Originalrezept von 1832.

Als Nächstes hat sich Alexandra Gürtler die Küche im Traditionsrestaurant Anna Sacher vorgenommen. "Der wird?s nicht schaden, wenn man sie ein bisschen aufpeppt", sagt sie. Und denkt dabei an den Koch Hans-Peter Fink, mit dem sie schon die Snacks fürs Sacher Eck? kreierte - "wienerisch soll?s sein, aber leicht".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%