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Wenig Stimmung auf den Party-Treffs der Entlassenen

Mit ihrem Job verlieren die Entlassenen der New Economy offenbar auch ihre Partybegeisterung: Bei den bisherigen Pink-Slip-Partys in Deutschland bleiben Personalberater und Journalisten meist unter sich. Nur allgemeine Feiermüdigkeit oder ein grundsätzlich anderer Umgang mit dem Ereignis "Arbeitslosigkeit"?

Bisher war die Regel einfach: Kaum ein in den USA erfolgreicher Trend blieb ohne adäquate Antwort in der "alten Welt". Noch vor zwei Jahren sorgte die schlichte Kopie eines in Amerika erfolgreichen Geschäftsmodells für Begeisterung bei Kapitalgebern und Börsenanlegern, die Kleiderordnung der New Economy - Jeans und T-Shirt auch bei Vorständen - brauchte nicht lange, um auch in Europa als cool akzeptiert zu werden. Doch die Versuche, die in den USA verbreiteten "Pink Slip Partys" - spaßorientierte Treffen von Entlassenen, Großunternehmen und Personalberatern - auch in Deutschland zu etablieren, blieben bislang ohne Erfolg. Trotz aufwändiger PR-Arbeit der Veranstalter blieb der Ansturm der hochqualifizierten Jung-Arbeitslosen auf die lockeren Treffen bisher aus.

Das liegt vermutlich nicht am eindeutig zweideutigen Namen, der in den USA auf Farbe und Form der Entlassungsschreiben hinweist, in Deutschland von Unvoreingenommenen allerdings leicht mißverstanden werden kann. Für eine entspannte Party von Frischentlassenen ist das Thema Arbeitslosigkeit im Umfeld eines hochreglementierten Arbeitsmarktes offenbar zu ernst und zu negativ besetzt. Ein entsprechendes Bekenntnis gegenüber Freunden, Bekannten und Eltern löst spontan Mitleid aus, dazu müssen sich die zuvor als Stars gefeierten Ex-Mitglieder der Neuen Wirtschaftselite nicht selten noch den Spott und die Häme der in der Old Economy Zurückgebliebenen anhören, meist mit Sätzen wie "Das konnte ja alles nicht gut gehen, habe ich ja damals schon gesagt."

Mögliche Ursache ist vermutlich auch der kulturelle Unterschied im Umgang mit Mißerfolgen: Während in den USA ein Jobverlust oder das Scheitern als Selbständiger als Erfahrungsquelle akzeptiert wird, ist in Europa die Angst vor Lücken in Lebensläufen zu groß. Zu leicht gerät man von der Erfolgsschiene in ein Verliererimage - insbesondere, wenn die "Fallhöhe" durch eine entsprechende vorherige Position in Vorstand oder Geschäftsführung entsprechend hoch war.

Echte Stimmung wird also auf den Pink-Slip-Partys auch in Zukunft nicht aufkommen. Vermutlich werden die Gästelisten auch aufgrund der Tatsache überschaubar bleiben, daß die Nachfrage nach Programmierexperten, Content-Managern und Webdesignern insbesondere aus den Reihen der Old-Economy-Firmen zunimmt - und mit einem Anziehen der Konjunktur in den USA sicherlich auch in Europa weiter steigen wird.

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