Wenige Parteieintritte
Der PDS sterben die Mitglieder weg

Es gibt so wenige Neueintritte, dass die Partei teilweise mit Sparmaßnahmen auf die sinkenden Mitgliederzahlen reagiert.

dpa LEIPZIG. Der PDS sterben die Mitglieder weg. Es gibt so wenige Neueintritte, dass die Partei teilweise mit Sparmaßnahmen auf die sinkenden Mitgliederzahlen reagiert. Das ergab eine dpa-Umfrage bei den ostdeutschen PDS-Landesverbänden. Die Linkssozialisten wollen an diesem Wochenende auf einem Bundesparteitag in Rostock ihr Programm für die Bundestagswahl am 22. September beschließen.

In Berlin soll die Zahl der derzeit knapp 13 000 Parteimitglieder nach einer internen PDS-Prognose bis 2006 auf weniger als 10 000 sinken. Damit hätte sich die Mitgliederzahl seit 1995 mehr als halbiert. Grund für den Rückgang seien hauptsächlich Todesfälle. PDS-Landeschef Stefan Liebich sagte: "Die Altersstruktur der Partei ist problematisch. 60 % der Mitglieder sind über 60 Jahre alt."

Der Thüringer PDS-Landesgeschäftsführer Knut Korschewsky rechnet damit, dass die Talsohle für seinen Verband in zwei bis drei Jahren mit dann etwa 8 000 Mitgliedern erreicht sein wird. Gegenwärtig hat die Thüringer PDS 9700 Mitglieder, 1995 waren es knapp 15 000. Die Zahl der Parteieintritte bezifferte Korschewsky auf bis zu 200 pro Jahr.

In Sachsen ging die Zahl der PDS-Mitglieder seit 1995 um rund 10 200 auf knapp 19 700 Ende 2001 zurück. Sachsen-Anhalt zählte Ende vergangenen Jahres 22 980 Genossen - etwa 4 700 weniger als Anfang 1995. Hier weist die Parteistatistik einen jährlichen Verlust von 350 bis 400 Mitgliedern durch Todesfälle aus, etwa 150 Genossen ziehen jährlich in andere Länder fort. Die Eintritte neuer Mitglieder - 659 zwischen 1996 und 2000 - reichten nicht, um die Verluste auszugleichen.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern hört der Aderlass der PDS trotz Regierungsbeteiligung in jüngster Zeit nicht auf. Landesparteichef Peter Ritter sagte, er wolle alles versuchen, um mit der Werbung um junge Mitglieder "im berufsfähigen und damit ortsansässigen Alter" die Anhängerschaft zu stabilisieren. Ende 2001 hatte die PDS in den einstigen drei Nordbezirken 8645 Mitglieder, 1995 waren es 5 000 mehr.

In Brandenburg sank die Zahl der PDS-Aktivisten seit 1995 um mehr als 5 000 auf rund 12 880 Ende 2001. Hauptursache auch hier: Todesfälle. Nach den Worten der Potsdamer Landesvorstandssprecherin Maria Strauß-Jaß wäre der PDS-Verband schon froh, bis zur Bundestagswahl wenigstens 500 neue Mitglieder zu gewinnen. Erst 30 neue Beitragszahler kann der Schatzmeister im Jahr 2002 verbuchen.

Der Mitgliederschwund macht sich in den Parteikassen bemerkbar, besonders in Wahlkampfzeiten. Thüringens PDS verlangt mittlerweile von neuen Mitgliedern höhere Beiträge als von Alt-Genossen. Die PDS in Sachsen hat Löcher bisher durch generell höhere Beiträge gestopft. Nach den Worten von Schatzmeister Heinz Pingel wird aber auch an der Elbe mittlerweile über Einsparungen nachgedacht.

Andere Landesverbände schnallen den Gürtel längst enger. Die Berliner PDS beispielsweise forderte kürzlich ihre Senatoren, Abgeordneten und Bezirksbürgermeister auf, die Partei mit Spenden zu unterstützen. So sollen Senatsmitglieder monatlich 750 Euro in die Parteikasse zahlen. Auch die Zahl der Angestellten auf der Gehaltsliste der Partei soll vermindert werden.

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