Weniger Aufträge, kaum Nachwuchs
Weihnachtsmänner in der Krise

Seit 15 Jahren arbeitet Edgar Peters als Nikolaus und Weihnachtsmann. Doch in diesem Advent sieht es für den 68-Jährigen trübe aus: "So wenig gebucht wurde ich noch nie", klagt der Düsseldorfer.

HB/dpa DÜSSELDORF. Bis zu zwölf Auftritte absolvierte der Rentner in jeder Saison: "Jetzt bin ich nur noch fünf Mal dran." Wie Peters geht es vielen seiner "Kollegen". Arbeitsämter in der ganzen Republik bestätigen: "Bei Buchungen von Weihnachtsmännern verzeichnen wir erhebliche Einbußen."

Die wirtschaftliche Situation der Miet-Heiligen war selten so schlecht wie in diesem Jahr. Auch Wolfgang van Ooyen vom Kölner Arbeitsamt berichtet von "deutlich weniger Vermittlungen bei Weihnachtsmännern und Nikoläusen". Bis zu 200 Aufträge arbeiteten seine zwölf rotgekleideten Rauschebärte sonst jährlich ab. Jetzt rücken sie nur noch 150-mal aus. "Das hat sicherlich konjunkturelle Gründe. Das Geld für die Feste sparen die Unternehmen lieber", sagt van Ooyen.

Eine Studie des Gaststättenverbandes Dehoga belegt zumindest die massiven Einbrüche bei den betrieblichen Weihnachtsfeiern. Die Gastronomen beklagen einen Rückgang der Reservierungen um 60 Prozent. Auch Andreas Liebing vom Arbeitsamt in Münster bestätigt: "Auf die Weihnachtsfeiern schlägt die schlechte Konjunktur voll durch. Das Geld sitzt bei den Geschäftskunden nicht mehr so locker." Statt sechs Aushilfs-Heiligen beschäftigt er in diesem Jahr deshalb bloß vier.

Doch nicht nur die miserable Auftragslage plagt die Branche, auch der Nachwuchs bereitet große Sorgen. "Es ist unheimlich schwierig, Leute für diesen Job zu finden", sagt Liebing. "Die Personaldecke ist trotz der wenigen Aufträge sehr dünn. Für nächstes Jahr müssen wir mindestens drei Mann hinzugewinnen. Aber ich weiß nicht, wo ich die finden soll."

Stefan Dößereck kennt dieses Problem. Der 35-Jährige betreibt in Köln einen Weihnachtsmann-Service, rückt mit seinen fünf Kollegen bis zu 350 Mal aus. "Ich habe nach dem 6. Dezember einen 14-Stunden-Tag. Das ist eine Menge Arbeit für etwa zehn Euro Stundenlohn", sagt Dößereck, der eigentlich Maschinenbauingenieur ist. Für seine Einsätze als Weihnachtsmann nimmt sich Dößereck Urlaub. "Ich mache das vor allem, weil es mir Spaß macht. Aber es ist extrem schwierig, gute Leute zu finden, die sich das antun wollen."

Trotz der schwierigen Lage will Dößereck am traditionellen Auftritt des Weihnachtsmannes festhalten. "Daran darf sich nichts ändern", sagt der Kölner. "Wir dürfen den Weihnachtsmann nicht aufgeben. Er verkörpert wie keine andere Figur, dass es einen Sinn hat, das ganze Jahr über nett und freundlich zu sein."

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