Weniger Gewinn, mehr schlechte Kredite
Lloyds TSB enttäuscht die Märkte

Die zweite britische Großbank präsentierte am Freitag ein enttäuschendes Jahresergebnis 2001. Die hohe Zahl an schlechten Krediten sowie die ungünstige Bewertung des Portfolios von Scottish Widows sorgten für einen gesunkenen Vorsteuergewinn gegenüber dem Jahr 2000.

fs LONDON. Ein paar negative Überraschungen, und der Aktienkurs gab nach. Die drittgrößte Bank Lloyds TSB ist mit ihrem Jahresergebnis 2001 am Markt nicht gut angekommen. Der Aktienkurs fiel am Freitag um mehr als 5,2 % auf unter 7,40 Pfund. Lloyds- Finanzchef Kent Atkinson führt den sinkenden Kurs auf "die üblichen Gewinnmitnahmen" zurück. Die Analysten sagten etwas anderes.

Zunächst überraschte die britische Bank mit Rückstellungen in Höhe von 100 Mill. Pfund für Argentinien. Dann folgte ein geringerer Gewinnanstieg als erwartet. Wie Lloyds mitteilte, erhöhte sich der operative Gewinn im vergangenen Jahr um 6 % auf 4,46 Mrd. Pfund (rd. 7,2 Mrd. ). Im Vorfeld hatten Beobachter mit bis zu 4,6 Mrd. Pfund gerechnet. Der Vorsteuergewinn sank gar um 8 % auf 3,5 Mrd. Pfund, auch dies lag unter den Erwartungen. Das Ergebnis belastete laut Lloyds vor allem der (Nominal-)Verlust des Aktienbestandes des im Jahr 2000 übernommenen Lebensversicherers Scottish Widows. Die Investments schlagen sich in der Bilanz nach ihrem tatsächlichen Marktwert nieder. Die schlechte Aktienkonjunktur des Jahres 2001 sorgte für eine niedrigere Bewertung der Aktien und damit für ein Minus von 648 Mill. Pfund. Einige Analysten hatten hier mit einer etwas geringeren Belastung gerechnet.

Ein weiterer Grund für die schlechtere Entwicklung war der deutliche Anstieg bei den so genannten Risiko-Krediten. Diese stiegen um fast 30 % auf 692 Mill. Pfund (ohne Argentinien). Lloyds TSB steht damit nicht alleine, erst am Vortag hatte Rivale Barclays Bank eine um mehr als 35 % höhere Belastung durch Risiko-Kredite ausgewiesen. Dennoch zog die Lloyds-Schwäche den ganzen Banken-Sektor am Freitag nach unten.

Langsamsten Wachstum aller britischen Banken

"Ich rechne mit dem langsamsten Wachstum aller britischen Banken", sagte James Eden, Analyst bei der Commerzbank. Die Bank sei "das Opfer ihres eigenen Erfolgs", etwa bezogen auf die Gewinnmargen: Gerade weil Lloyds in der Vergangenheit höhere Margen als die Konkurrenten erwirtschaftet hat, dürfte sie unter dem erwarteten schwierigeren Umfeld stärker leiden. Angst vor schwerwiegenden Kredit-Ausfällen haben die Analysten aber nicht. Die US-Investment-Bank Merrill Lynch bescheinigt den Briten immerhin eine "robuste Kreditqualität".

Lloyds TSB ist die britische Bank mit dem stärksten Fokus auf dem Privatkundengeschäft. Auch im abgelaufenen Geschäftsjahr kamen erneut knapp drei Viertel des gesamten Gewinns aus diesem Bereich. Der Rest stammt aus dem Großkunden- und dem internationalen Geschäft.

Das Akquisitions-Wachstum von Lloyds TSB im Heimatmarkt wurde im vergangenen Jahr unsanft gebremst, als die britische Regierung die Übernahme der Hypothekenbank Abbey National stoppte. Angesichts eines zunehmend gesättigten Marktes im Inland werden Lloyds TSB verstärkte Ambitionen ins Ausland nachgesagt. Als mögliche Kandidaten galten der belgisch- niederländische Finanzkonzern Fortis und die Deutsche Bank.

Im vergangenen November wurde Lloyds an der New Yorker Börse gelistet. Finanzchef Atkinson sagte gegenüber dem Handelsblatt, sein Haus wolle in Zukunft aus dem Ausland mehr als die bislang zehn Prozent Gewinn erwirtschaften. Hierfür seien in den nächsten Jahren Akquisitionen erforderlich.

Wie Lloyds weiter mitteilte, werde sie in diesem Jahr netto rund 3 000 Stellen abbauen. Geplanten 5 000 Entlassungen stehen nur 2 000 Neueinstellungen gegenüber, schreibt Lloyds TSB in seinem Jahresabschluss 2001.

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